Elternforen – wenn Mütter auf Mütter treffen

//Elternforen – wenn Mütter auf Mütter treffen

Elternforen – wenn Mütter auf Mütter treffen

Im Internet gibt es zahlreiche Foren, in denen sich seiende und werdende Eltern emsig austauschen können. Zwar sind Männer durchaus erwünscht – manchmal gibt es sogar spezielle Unterforen für Väter – aber die überwältigende Mehrheit der Schreiberlinge ist weiblich. Ich muss zugeben, auch ich bin des Öfteren in einem solchen Forum unterwegs. Ist ja auch praktisch, denn die meisten Fragen, die sich mir im Alltag so stellen, sind ja keineswegs neu. Verrät mir auch Deutschlands beliebteste Suchmaschine regelmäßig, wenn ich anfange zu tippen und dabei Wendungen  wie „ab wann kann“ oder „Baby Schlaf“ in die Tasten haue. Da tauchen fast immer Suchvervollständigungen ganz in meinem Sinne auf und nicht selten führen mich die Antworten in die besagten Elternforen.
Dort treffe ich dann auf ganz viele gleichgesinnte Amateur-Mamas, aber auch auf Profi-Mamas. Profi-Mamas haben im Grunde genommen zu jedem Thema etwas zu sagen und sei es der Kommentar, dass man die Frage selbst zwar nicht beantworten könne, aber der oder die Fragestellende es doch sowieso lieber anders machen sollte. Wagt man es beispielsweise nach Erfahrungen zu konkreten Produkten zu fragen (Kinderwagen XY von Firma Z), dann haben fast alle Antwortenden keine Erfahrungen damit, raten dir aber höchstwahrscheinlich entweder von diesem Modell ab oder schlagen vehement vor, gar nicht erst einen Kinderwagen zu kaufen.
Immer wieder interessant sind vor allem Threads zum Thema Schlafen. Da fühlt sich scheinbar jeder angesprochen: entweder als geplagtes Elterntier oder aber, weil man einen Vorzeige(schlaf)spross zu Hause im Bettchen liegen hat. Wenn man wie ich in bestimmten Themenforen immer mal wieder stöbert, dann fallen einem irgendwann bestimmte Profi-Mamas auf, die für jede Frage die passende ultimative Weltformel präsentieren.  

Dein Kind schläft schlecht ein? Du legst es nur zur falschen Uhrzeit hin. Es wacht zu früh auf oder schläft nicht durch? Du hast es zur falschen Uhrzeit hingelegt und lässt es tagsüber zu viel schlafen. Dein Kind weint sich in den Schlaf? Kind wird halt zur falschen Uhrzeit ins Bett gelegt.

Alternativ hierzu:
Dein Kind weint so viel? Du musst es mehr tragen. Dein Kind kann nicht einschlafen? Du hast es nicht genug getragen. Dein Kind lässt sich nicht ablegen und weint sofort? Du musst es eben noch mehr tragen. Du willst dein Kind nicht den ganzen Tag tragen? Dann gibst du ihm nicht genug Nähe und es wird nie Vertrauen in sich und die Welt aufbauen.

Manche Antworten geben den Fragestellenden sicher das Gefühl, dass sie selbst Schuld daran sind, dass das Kind so viel weint, es noch nicht allein spielen kann oder es nicht gut schläft. Monokausale Welt, in der einige da leben. Bei vielen scheint immer noch nicht angekommen zu sein, dass es bei Babys einfach keine Patentrezepte gibt und dass auch für Familien nicht jedes Babyprodukt oder jede Art und Weise, ein Baby zu versorgen, in Frage kommt – einfach weil es auch hier nicht immer passt. Die Manduca ist nicht die universelle Trage, die jedes Problem löst. Manche Babys schlafen einfach sehr lange schlecht ein – egal wie müde sie sind. Manche Babys sind beikostreif und spachteln trotzdem nicht gleich los wie die Weltmeister… Irgendwie und irgendwann schreien die Kleinen trotzdem nicht mehr, können ein- und auch durchschlafen und essen auch angemessene Mengen. Für Tipps, die das Irgendwann in eine nähere Zukunft rücken lassen und die den Umgang mit dem Status Quo erleichtern, sind gequälte Elterntiere zutiefst dankbar, sofern sie danach fragen… Also her mit konstruktiven Antworten und weg mit pauschalen Schuldzuweisungen oder banalen Patentrezepten, die doch diese Eltern längst ausprobiert haben.
Sonst bleibt nur der Gang zum Ostheopathen. Das ist nämlich „mein“ Lieblingsratschlag – egal was für ein Problem das Kind haben möge, der Ostheopath wird es schon richten.

By | 2017-10-07T11:06:02+00:00 Juni 2nd, 2014|Welten in denen wir leben. Reell und virtuell|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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