Kita ist wie… Weihnachten

//Kita ist wie… Weihnachten

Kita ist wie… Weihnachten

Sonntag: Seit Tagen benutzen die Eltern dieses neue Wort: Kita. Ob das was neues zu Essen ist? Habe Hunger!

Montag: Entgegen dem gewohnten morgendlichen Trott sind die Eltern um halb acht endlich mal Gewehr bei Fuß. Da wird das schwarze bittere Zeug gekocht, mein Grießbrei angerührt, gewickelt, angezogen, dass mir bald Schwindelig wird. Warum geht das sonst nicht so flott, frage ich mich. Statt mit mir zu spielen, scheint es heute aber einen frühen Spaziergang zu geben. Auch gut. Nach einer Minute bleiben wir aber schon wieder stehen. Vor uns ein Haus, in das gerade auch andere Kinder gebracht werden. Drinnen fragt Papa nach der Krippe. Ist heute dieses Weihnachten? Habe gar keine Tanne zu Hause gesehen. Wir werden in einen Anbau geführt, wo uns eine Frau begrüßt. Sie ist alleine in einem Zimmer. Auch hier keine Tanne. Aber Kisten voll mit Spielzeug (vielleicht doch Weihnachten?), bemalte Wände, Kuschelecken. Lob an den Innenausstatter. Andere Kinder sind nicht hier, das Spielzeug ist offenbar alles meins (Jippie, ganz sicher Weihnachten). Matratzen zum Schlafen gibt es aber acht. Bleibe erst mal skeptisch. Ich gucke mir alles an, entferne mich aber nicht zu weit von Papa. Man weiß ja nie, ob nicht doch Kinder fressende Weihnachtswichtel umherkriechen. Jetzt streckt mir die Frau die offenen Handflächen entgegen. Aber nichts zu essen drin. Will sie mir zeigen, dass sie ihre Hände gewaschen hat? HOPPLA, sie nimmt mich hoch und wir setzen uns an die Terrassentür. Da sind ja doch andere Kinder. Sie spielen in einem Hof. Ist ja spannend hier. Offenbar gehen wir aber schon wieder.

 

Dienstag: Wieder alle auf Zack, habe sie wohl langsam im Griff. Es geht zum gleichen Haus wie gestern. Heute aber ein anderer Eingang. Hier ist die Dachkante mit Stachel- und Nato-Draht gesichert. Habe ich mich in dem Ort getäuscht? Vielleicht doch ein Ausbildungscampus für kleine Milizionäre? Werde von den Eltern ja manchmal auch schon als Terrorpüppi bezeichnet. (KITA = Kaserne Internationaler TerrorAspiranten) Die Frau von gestern, nenne sie Sergeant Pepper, nimmt mich gleich mal auf den Arm. Wirkt immer noch nett. An den Wänden auch keine „I Want You“-Poster zu finden. Papa und Sergeant Pepper unterhalten sich über zwei Tassen von dem schwarzen bitteren Zeug, während ich das Spielzeug erkunde. Es fallen Worte wie „Kinder passen sich hier schnell an“, „merken, dass es andere Regeln gibt als zu Hause“. Werde offenbar doch eingezogen, auch wenn euphemistisch von „Eingewöhnung“ gesprochen wird. Im Hof spielen wieder die älteren Rekruten, sehe fast nur Jungs. Aber das kenne ich ja schon vom PEKIP (Programm zur Erziehung Kleiner Internationaler Partisanen). Einer hat eine ganz zerkratzte Nase, wohl Mückenstiche vom Biwak. Zumindest bleibt Papa immer im Hintergrund.

 

Mittwoch: Schon wieder hier, Papa scheint wegen des bitteren schwarzen Zeugs zu kommen. Sergeant Pepper zeigt mir heute weitere Zimmer. In einem malen die Rekruten wild Kreidestriche auf eine Tafel. Denke, sie basteln an einer Angriffsstrategie für ein Manöver. Oder es ist ein Plan für einen Hinterhalt gegen die Jugendlichen, die am Wochenende über die Mauern klettern und in der Buddelkiste grillen.

 

Donnerstag: Heute geht Papa zwischendurch mal raus. Habe aber nicht viel Zeit, darüber zu grübeln. Sergeant Pepper zeigt mir den Weg zur Küche. Werde wohl zum Kartoffelschälen abkommandiert. Die erfüllen hier echt jedes Klischee. Werde mal dezent fragen, wer die Frauenbeauftragte hier ist. Da es regnet, trainiert das Bataillon von nebenan auf dem Flur. BobbyCar-Formationen und Sturmangriffe. Hart im Nehmen die Jungs, wer aus dem Sattel fällt, steigt einfach wieder auf. Ihre Härte ist mein Ziel. Da ist Papa ja wieder.

Freitag: Nun fast die ganze Zeit mit Sergeant Pepper alleine. Papa wurde nach einer Tasse von dem dunklen bitteren Zeug rausgeschickt. Sie wollen wohl gucken, ob ich der Sache gewachsen bin. Wir gucken draußen dem BobbyCar-Bataillon beim Ausdauertraining zu. Gelegentlich schweift mein Blick in Richtung Tür ab,

aber ich werde standhalten. Die sollen mich hier ja nicht für ein kleines Baby halten. Zumindest holt Papa mich am Ende wieder ab. Werde mich trotzdem mal bei Mama beschweren, dass er mich neuerdings mit Sergeant Pepper alleine lässt. Am besten gleich morgen früh um 6 Uhr 30.

By | 2017-10-07T10:53:44+00:00 August 24th, 2014|Kinder sind auch Männersache|0 Comments

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