Gute Arbeit, schlechte Arbeit

//Gute Arbeit, schlechte Arbeit

Gute Arbeit, schlechte Arbeit

Obwohl ich noch über ein Jahr Schonzeit vom echten Arbeitsmarkt habe, weil ich das Glück habe, mich beruflich auf meine Doktorarbeit konzentrieren zu können, kommen so ganz langsam – und in den letzten Tagen sogar mit überwältigender Wucht – Fragen bezüglich meiner beruflichen Zukunft auf mich zugeschnellt. Wo geht es hin? Ja wo will ich überhaupt hin und lässt man mich unter den Rahmenbedingungen, die ich mir wünsche, dorthin? Ich habe mir schon vor einiger Zeit fest vorgenommen, mich weder von anderen ausbeuten zu lassen noch das selbst zu tun. Arbeiten um zu leben, aber nicht leben um zu arbeiten.
Ich möchte arbeiten, nein ich muss arbeiten – nicht allein aus ökonomischen Erwägungen, die zweifellos vorhanden sind, sondern auch weil gute Arbeit mir etwas zurückgibt. Gute Arbeit ist für mich solche, in der ich Sinn erkennen kann, weil sie anderen auch zugute kommt, ohne dabei freilich Dritten zu schaden. Gute Arbeit findet unter Arbeitsbedingungen statt, die es mir ermöglichen, Leistung zu erbringen, indem ich meine Fähigkeiten anwende und weiterentwickle ohne dabei mein Leben permanent und einzig und allein auf meinen Arbeitgeber ausrichten zu müssen. Gute Arbeit lässt mir die Freiheit, mehr als nur eine emsige Arbeiterin zu sein, denn so wie sie Flexibilität im Denken wie im Handeln von mir verlangt, gibt sie mir auch die Freiheit, mein Privatleben mit meinem Berufsleben zu vereinbaren. Gute Arbeit wird adäquat entlohnt.
Natürlich werde ich später (bald, sehr bald, quasi morgen) nur solange an diesen Ansprüchen festhalten, wie meine kleine Familie das auch finanziell verkraften kann, doch ich hoffe dass es dazu nicht kommen muss. Ich will arbeiten und ich will sehr gut sein, in dem, was ich tue. Aber ich will auch Zeit mit meiner Familie verbringen, intensiv für sie da sein. Und ich will Zeit für mich selbst, für meine Freunde und natürlich auch für meinen Mann. Ja ich will das alles haben und ich glaube auch daran, dass ich das alles haben kann. Natürlich nichts zu 100%, jedenfalls nicht aus Sicht der Karrieristen, der Vollprofi-Mütter, der Spitzenfußball-Freundinnen oder der Partyqueens, aber von allem so viel, dass ich damit glücklich bin. Ja, ich spiele heute ‚wünsch dir was‘, aber wann sollte ich das tun, wenn nicht genau jetzt?

By | 2017-10-07T10:21:40+00:00 November 21st, 2014|Familie ist bunt. Arbeiten auch|0 Comments

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Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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