Oma heißt die spanische Lösung der Vereinbarkeit (Gastbeitrag)

//Oma heißt die spanische Lösung der Vereinbarkeit (Gastbeitrag)

Oma heißt die spanische Lösung der Vereinbarkeit (Gastbeitrag)

Blogreihe: Familienleben zwischen Beruf und Berufung 

Die deutsche Diskussion um Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ja eine durchaus spezielle, sobald man es wagt, über den nationalen Tellerrand hinaus zu blicken. Deutsche Mamas werden schnell zu Rabenmüttern degradiert. Aber wie läuft das denn eigentlich so in anderen Ländern? Ich freue mich sehr, dass die liebe Susanne alias Andalusienmutti heute bei mir zu Gast ist und von der spanischen Lösung der Vereinbarkeit erzählt. 

Wenn ihr noch Fragen habt, dann schickt sie mir einfach zu oder kommentiert den Beitrag, denn Susanne wird später auch noch für ein Interview bereitstehen! Nun aber viel Spaß beim Lesen!

Oma heißt die spanische Lösung der Vereinbarkeit

Ein Gastbeitrag von Susanne, Andalusienmutti
Die Bildrechte liegen sein Andalusienmutti

Nur 16 Wochen Elternzeit, dann geht’s zurück in den Job

Seit neun Jahren lebe ich in Andalusien, seit zwei Jahren bin ich Mutter und kriege am eigenen Leib mit, wie das hier so mit arbeitenden Müttern gehandhabt wird. Wie in fast allen Ländern ist auch hier die Frage der Vereinbarkeit eine sehr schwierige und nicht so recht zu beantworten. Es gibt verschiedene Modelle. Jeder versucht irgendwie eine Balance zu finden, meist auf Kosten der Kinder und Mütter. Das fängt schon mit der Elternzeit an. Ganze 16 Wochen hatte ich zur Verfügung, um mich in die Rolle als frischgebackene Mutter einzuleben bevor es schon wieder hieß: Zurück ins Büro! 4 Monate sind wahrlich nicht viel, da hat man ja gerade einmal angefangen, einen Rhythmus zu entwickeln, jedenfalls war das bei uns so. Mein großes Glück war und ist meine Chefin, sie erlaubte mir, von zu Hause aus zu arbeiten. Damit waren schon einmal 2 Stunden Fahrzeit am Tag eingespart. Trotzdem musste ich natürlich darüber nachdenken, wie der Minimensch in meiner Arbeitszeit betreut werden sollte. 

 

Wie die spanischen Mütter gab ich mein Kinder zur Schwiegermutter

Kinderkrippe kam für mich nicht in Frage, ich fand den Gedanken, mein vier Monate altes Baby 6 Stunden in die Kinderkrippe zu geben, unerträglich. Also machte ich es wie die Mehrheit der arbeitenden Mütter in Andalusien, ich gab das Kind zu meiner Schwiegermutter. Ohne spanische Omas wäre das mit der Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie, denke ich, fast unmöglich. Sie sind unersetzbar und immer zur Stelle. Meine Schwiegermutter hatte auch schon Erfahrung in der Enkelaufzucht, schon zwei Enkel vor meiner Tochter wurden von ihr tagsüber betreut, während die Mütter arbeiteten. Für meine Schwiegermutter war es das Normalste überhaupt, dass ich nun auch meinen Minimensch in ihre Hände legte. Mir kam das trotzdem alles nicht optimal vor. Meine Arbeit wollte ich jedoch auch nicht aufgeben, eine Hausfrauendasein kann ich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen.
 

Nun aber ab in den Kindergarten!

Mit etwas mehr als einem Jahr kam meine Tochter dann in den Kindergarten. Das fand ich ok, ich bin als Kind auch mit einem Jahr in die Kita gegangen. Es war eine gut Entscheidung, meine Tochter liebt den Kindergarten und ihre Erzieherin. Sie lernt viele neue Sachen, ist mit ihren Freunden zusammen, denn auch unser Nachbar geht in ihre Gruppe. Meine Schwiegermutter fand das zwar traurig, sie hätte ihre Enkelin gerne bis zum Vorschulalter bei sich gehabt. Doch wenn ich wählen kann zwischen Kita mit Gleichaltrigen, rumtoben, basteln und spielend lernen oder Oma, alleine, viel Fernsehen und Schokolade, nun, dann fällt mir die Entscheidung ehrlich gesagt nicht allzu schwer.

Zwischen Homeoffice, Spielplatz und Oma-Tag

Jetzt ist unser Modell also so, dass ich vier Tage die Woche zu Hause arbeite und meine Tochter danach vom Kindergarten abhole. Dann habe ich den gesamten Nachmittag für sie und kann ihr all meine Zeit widmen. Nur einmal die Woche fahre ich ins Büro, bleibe dann auch sehr lang. Das ist dann der Oma-Tag. Da freuen sich meine Schwiegereltern drauf, meine Tochter auch und wir alle haben etwas davon. Wer sich jetzt wundert, dass der Mann keine große Rolle spielt, dem sei gesagt, dass mein Mann abends arbeitet. Er geht meistens aus dem Haus, wenn ich unsere Tochter abhole und kommt nachts erst nach Hause. Ja, so ist das Leben in der Gastronomie. Doch wir fahren sehr gut mit unserer Lösung. 

Unser Modell ist nicht typisch spanisch

Wenn es meiner Tochter mal schlecht geht, sie krank ist oder der Kindergarten geschlossen hat, dann teilen wir uns in die Betreuung, das ist das Gute an seiner Arbeit. Er kann dann vormittags Blödsinn mit unserer Tochter anstellen und ich bin wieder nachmittags dran. Unser Modell ist jedoch kein so typisches spanisches Modell, leider. Meine Chefin ist übrigens auch Deutsche und hat flexible Arbeitszeiten eingeführt, nicht nur für mich. Meist lassen jedoch die etwas unsinnigen spanischen Arbeitszeiten nicht viel Spielraum. Durch die Finanzkrise wird das leider nicht besser, eher im Gegenteil. Arbeitgeber nutzen die Situation aus und fordern Arbeitszeiten von 9 bis 19 Uhr. Gerne auch noch Bereitschaft an den Wochenenden. Als Mutter ist das kaum machbar, es sei denn, die Oma nimmt sich des Kindes an, man verdient eine Menge Geld und hat eine Haushälterin oder aber man bleibt dann doch einfach zu Hause. Ich kenne viele Beispiele aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die durch die schlechten Arbeitszeiten immer wieder Probleme haben, Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Die Kinder wachsen schon fast bei den Großeltern oder mit den Kindermädchen auf.

Die Bildrechte liegen sein Andalusienmutti

 

Oftmals heißt es leider Kind ODER Karriere

Ein anderes Modell ist das Halbtags-Modell. Der Mann arbeitet Vollzeit und die Frau halbtags. So kann sie die Kinder von Kita oder Schule abholen und Zeit mit ihnen verbringen. Doch großartige berufliche Erfolge wird die Frau nicht einfahren. Eigentlich läuft es wie überall dahin hinaus, dass man sich entscheiden sollte, ob man große Karriere machen möchte, oder eine Familie in die Welt setzen. Das hat gar nicht soviel mit dem Arbeitgeber an sich zu tun, denke ich. Wer viel arbeitet und beruflichen Erfolg möchte hat nun einmal keine Zeit für Kinder, man kann sich nicht zerteilen, so einfach ist das. Nur leider haben die Arbeitszeiten hierzulande nicht automatisch mit viel Arbeit zu tun. Es ist ist eine große Mittagspause von circa drei Stunden dazwischen, sodass man dann noch einmal von 16 bis 20 Uhr oder gar von 17 bis 21 Uhr am Arbeitsplatz erscheinen muss. Kinderfreundlich ist definitiv etwas anderes. 

Die Andalusienmutti findet ihr übrigens auch auf Facebook und Twitter.

Ebenfalls in dieser Reihe erschienen:

Und plötzlich war sie da: Die Vereinbarkeitsfrage 
Das Leben zu Dritt oder nur ein Drittel der Zeit (Gastbeitrag)
Arbeit, die sich aber lohnt! (Interview)  
Liebe unter Druck. Die Last der Vereinbarkeit? 
Vereinbarkeit – Wollen wir das wirklich? (Gastbeitrag)
Kinder sollten nie einschränken, sondern immer bereichern (Interview)

By | 2017-10-18T10:28:44+00:00 Mai 21st, 2015|Familie ist bunt. Arbeiten auch|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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  1. Frühlingskindermama 21. Mai 2015 at 11:33 - Reply

    Sehr interessant und super, euer Modell! Mich würden noch ein paar Dinge interessieren: wenn es die Schwiegermutter nicht geben würde/gegeben hätte, wie hättest Du es dann mit Deiner Tochter nach den 4 Monaten Mutterschutz gemacht? Wie hast Du es mit dem Stillen gemacht bzw. werden in Spanien Kinder dann meist schon nach den 4 Monaten abgestillt? Du schreibst, dass Dein Mann sich bei Krankheit der Tochter vormittags um sie kümmert. Ging das nach Deinem Mutterschutz nicht oder wird das Kind generell lieber der Oma anvertraut?
    Liebe Grüße!

  2. andalusienmutti 21. Mai 2015 at 13:54 - Reply

    Liebe Frühlingskindermama, hier kommen die Antworten: Gäbe es die spanische Oma hier nicht hätte ich wählen müssen zwischen Kinderkrippe mit vier Monaten oder unbezahlte Auszeit vom Job mit der Gefahr, dass mein Arbeitsplatz dann weg wäre. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich gemacht hätte. Normalerweise bekommen stillende Mütter in Spanien eine Arbeitsstunde am Tag erlassen. Sie können entweder eine große Pause machen und nach Hause fahren, um das kind zu Stillen, oder sie dürfen eine Stunde eher gehen. Die meisten die ich kenne haben abgepumt, eingefroren und so einen Milchvorrat angelegt. Das mit meinem Mann passt so super, weil er halt erst abends anfängt zu arbeiten, so muss ich nicht frei nehmen, wenn unsere Tochter krank ist. Er ist vormittags dran und ich nachmittags, so sind wir nicht allzu sehr auf die Oma angewiesen, aber das geht natürlich nur im Krankheitsfall. Ich regle das lieber unter uns, ein Tag die Woche bei der Oma find ich genug 😉
    So, alle Fragen beantwortet?

    ganz liebe Grüße

  3. Uta von BerlondonMama 21. Mai 2015 at 23:21 - Reply

    Jetzt wird mir einiges klar! 3 Stunden Siesta! Deswegen hat unser Kreditantrag bei ner spanischen Bank damals so lange gedauert 🙂

    Mir scheint, ihr habt eine wirklich solide Lösung gefunden! Vor allem, wenn auch der Krankheitsfall abgefangen werden kann. Da schwant mir schon Böses, wenn unser AuPair mal ausfällt!

    Liebe Grüße,
    Uta

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