Alleinerziehend berufstätig. Ohne Unterstützung geht das nicht

//Alleinerziehend berufstätig. Ohne Unterstützung geht das nicht

Alleinerziehend berufstätig. Ohne Unterstützung geht das nicht

Blogreihe: Familienleben zwischen Beruf und Berufung

Ich darf euch heute einen weiteren Gastbeitrag in der Vereinbarkeitsreihe präsentieren. Hierbei darf ich natürlich keinesfalls die Situation von Alleinerziehenden außer acht lassen, denn die haben keinen Backup zu Hause, der auch einspringen kann, mit dem man sich spontan abstimmen kann. Mit Jenny haben wir dabei eine Gastbloggerin, die beide Perspektiven kennt – alleinerziehend  und in einer Paarbeziehung lebend und erziehend – und berufstätig!. 

Alleinerziehend berufstätig. Ohne Unterstützung geht das nicht

Ein Gastbeitrag von Jenny, Familien4leben
Liebe Jessi,
ich freue mich sehr, dass ich auch einen Beitrag zur Blogreihe „Familienleben zwischen Beruf und Berufung“ -„Und plötzlich war sie da: Die Vereinbarkeitsfrage“ schreiben darf! 🙂
Vielen Dank an dieser Stelle dafür!
Ich würde aus der sehr facettenreichen Themenwahl gerne das Thema „Vereinbarkeitsfrage als besondere Herausforderung von Alleinerziehenden“ bearbeiten.
Die Bildrechte liegen bei Familien4leben
Vereinbarkeit allgemein
Ich habe mir auch schon sehr oft die Frage zur Vereinbarkeit gestellt und auch so wie bei dir, liebe Jessi, habe ich erst bemerkt, dass diese Frage zu einem Problem wird, als ich schwanger war und natürlich auch danach, als ich wieder in die Berufswelt zurück gehen wollte.

 

Vereinbarkeit, meine Erwartungen und ich

Meine Eltern haben diese Frage auch nie zu einem Problem gemacht, sie waren und sind beide selbstständig und non-stop am arbeiten. Umso erschreckender war es für mich, dass es mir verdammt schwer fiel, mich von meiner Maus wieder zu trennen um arbeiten zu gehen.
Ich hätte es mir vorher niemals vorstellen können, wie schwer es mir fallen würde, wieder zu arbeiten und meine Tochter in die Obhut anderer zu geben. Und das obwohl ich ja wusste, dass sie in sehr guten Händen war….
Auch hätte ich nicht erwartet, dass der Alltagsplan, mit Kind und Arbeit bzw. die zeitlichen Abläufe so schwer zu gestalten und zu organisieren sind, sowie auch alles noch plus Haushalt unter einen Hut zu bringen. Das alles hatte ich mir um einiges leichter vorgestellt…und ist als Alleinerziehende noch mal einer Herausforderung mehr…

Wie war das bei mir?

Ich war insgesamt 2 Jahre lang alleinerziehend. Als meine Tochter 1 Jahr alt wurde, haben mein Partner und ich uns getrennt. Natürlich plant man nie allein erziehend zu werden und ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal in diese Situation kommen würde. Zu dem Zeitpunkt haben mein Partner und ich aber keine andere Option mehr gesehen. Wir haben, wie wahrscheinlich viele Paare in dieser Phase (kurz nach der Entbindung von unserer Tochter) unsere Beziehung vernachlässigt….
Dummerweise war die Trennung dann genau zu dem Zeitpunkt, als ich wieder arbeiten wollte/ sollte?! Ich arbeite mit in dem Betrieb meiner Eltern, also wenn es nach denen gegangen wäre, hätte ich wohl auch schon eher wieder in die Berufswelt einsteigen können. 😉
Das wollte ich aber auf keinen Fall. Ich hatte so schon das Gefühl, ganz viel von ihrer Kindheit zu verpassen und ein wahnsinnig großes schlechtes Gewissen…… Aber so ist das halt. Man muss ja auch sein Geld verdienen und natürlich ist mir der elterliche Betrieb auch sehr wichtig. Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt wohl meine Tochter im Vordergrund gesehen habe und sie diese Stellung auch immer behalten wird.
Ich hatte immer das Gefühl nicht beidem (Kind und Beruf) gerecht werden zu können. Konnte ich auch nicht. Man kann nicht beidem 100 % gerecht werden. So wie es Jessi auch schon schrieb. 😉 So viele Stunden hat der Tag auch gar nicht um alles zu schaffen und allem die Aufmerksamkeit zu geben, die das Jeweilige auch verdient hätte.
Auf der Arbeit hatte ich immer meine Tochter im Kopf, es hat sehr lange gedauert, bis ich sie nicht mehr so vermisste und mich an die neue Situation gewöhnte. Schließlich hatten Maus und ich 1 Jahr lang jede Sekunde zusammen verbracht.
Irgendwann muss ich sagen, habe ich meine Denkweise diesbezüglich geändert. Ich habe mir gesagt, dass sie in guten Händen ist und es O.K. ist, wenn ich arbeiten gehe und das Arbeiten auch wichtig für mich ist. Aber diese Sicht der Dinge hat lange gedauert. Es war auch sehr stressig. Meine Tochter ist erst mit 2 Jahren in den Kindergarten gekommen und davor haben meine Mama und ich fliegenden Wechsel gemacht. Meine Mama war vormittags arbeiten, ist nach Hause gehetzt, damit ich nachmittags pünktlich bei meinen Terminen sein konnte. Anschließend bin ich dann wieder zu meiner Mama gehetzt, damit diese auch noch andere Sachen schaffen konnte.
Natürlich ging es meiner Maus bei meiner Mama auch sehr gut und im Nachhinein war es auch gut, dass sie nicht nur mich als Bezugsperson hatte. Auch wenn es mir, wie schon erwähnt, anfänglich schwer fiel….
Ich bin meiner Mama und meinen Großeltern aber sehr dankbar, ohne sie wäre ein Wiedereinstieg in meinen Beruf unmöglich gewesen und eine größere Pause in meinem Beruf, wäre auch für mich nicht gut gewesen. Nicht nur beruflich habe ich meinen Eltern und Großeltern in meiner alleinerziehenden Phase sehr viel zu verdanken! Sie waren immer für Maus und mich da und sind immer eingesprungen. Ohne meine Familie- meine Unterstützung wäre also die Vereinbarkeit nicht möglich gewesen!
 

Was wäre gewesen wenn??

Natürlich habe ich mich oft gefragt, wie es gewesen wäre, wenn mein Partner und ich zusammen geblieben wären. Ich hätte für den Anfang die gleiche Anzahl an Stunden gearbeitet, man hätte aber wohl nicht ständig die Zeit im Nacken gehabt und es wäre für mich und meine Mama entspannter gewesen. Meine Eltern und Großeltern haben also den Part übernommen, den sonst mein Partner zu 90 % übernommen hätte.

Entlastung, als meine Tochter in den Kindergarten kam

Als meine Tochter dann 2 Jahre alt wurde, war sie täglich bis 13 Uhr im Kindergarten. Das hat die stressige Situation für meine Mama und mich etwas aufgelockert. Ich konnte vormittags auch schon arbeiten und meine Tochter auch manchmal schon selber aus dem Kindergarten abholen. Das war aber sehr selten, meistens sind meine Großeltern oder meine Mama eingesprungen. Aber natürlich beeilt man sich dann dennoch wieder nach Hause zu kommen, also irgendwie hetzt man doch nur von A nach B um irgendwie allem gerecht zu werden und alles zu schaffen….
Ich war täglich ca. 5-6 Stunden arbeiten. Die Arbeit macht mir aber auch wirklich Spaß und man hat auch mal was anderes gesehen. Es ist aber leider auch so, dass Kollegen manchmal mehr Rücksicht auf eine Alleinerziehende mit Kind nehmen müssen. Für dieses Verständnis bin ich sehr dankbar. Diese Diskussion hat vor einigen Wochen ja auch seine Runde gemacht….

Fazit

Vereinbarkeit ist möglich, aber schwierig! Für Alleinerziehende nur mit viel Unterstützung und Verständnis umsetzbar.
 

Happy End

Nun ist es ja bei mir seit April so, dass mein Partner und ich wieder zusammen gefunden haben, daher sehe ich jetzt natürlich auch den Unterschied und um wie viel leichter es in jeglicher Beziehung ist, wenn man es einfach zu zweit macht.
Jetzt holt mein Partner unsere Tochter auch öfter mal ab oder bringt Maus auch mal in den Kindergarten. Das war sonst auch nur mein Part. Man kann sich absprechen, dann wenn er frei hat, kann ich mehr arbeiten und falls wir mal beide arbeiten müssen, sind immer noch meine Eltern und Großeltern da. Es ist einfach viel entspannter als vorher. Meine Mama wurde jetzt auch entlastet…
Natürlich nicht nur in dieser Beziehung sondern auch in allen anderen, merke ich nicht mehr alles alleine machen zu müssen und das nimmt ungemein den Druck von einem. Man hatte ja nicht nur den Beruf und das Kind, sondern auch den Haushalt, den Einkauf….ect ….alles alleine…
Ich bin froh, dass wir wieder zu einander gefunden haben, bereue aber auch die allein erziehende Phase nicht. Man weiß jetzt vieles mehr zu schätzen und weiß, wie es ist allem alleine gerecht werden zu müssen. Man hat einen weiteren Blickwinkel auf die Dinge dazu gewonnen. Und ich weiß auch, dass ich stark genug bin, alles eine zu wuppen. 🙂 Man weiß ja bekanntlich erst was in einem steckt, wenn man es mal machen muss…
Ich möchte mich noch mal bedanken, dass ich auch Stellung zu dieser Blogreihe nehmen darf. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.

Liebe Grüße Jenny von familien4leben <3

Jenny findet ihr übrigens auch auf Facebook und Twitter.

Ebenfalls in dieser Reihe erschienen:

Und plötzlich war sie da: Die Vereinbarkeitsfrage 
Das Leben zu Dritt oder nur ein Drittel der Zeit (Gastbeitrag)
Arbeit, die sich aber lohnt! (Interview)  
Liebe unter Druck. Die Last der Vereinbarkeit? 
Vereinbarkeit – Wollen wir das wirklich? (Gastbeitrag)
Kinder sollten nie einschränken, sondern immer bereichern (Interview)

 

By | 2017-10-18T10:28:21+00:00 Juni 5th, 2015|Familie ist bunt. Arbeiten auch|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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