Manchmal sind es die kleinen Gesten: Eine kleine Torte statt vieler Worte

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Manchmal sind es die kleinen Gesten: Eine kleine Torte statt vieler Worte

Manchmal sind es die kleinen Gesten, die mir nicht nur in besonderer Erinnerung bleiben, sondern die auch im Rauschen des Alltags auffallen. Ich sitze gerade in einer Veranstaltung und gleich geht ein hoffentlich spannender Vortrag los. Aber bevor ich der Vortragenden konzentriert lauschen kann, muss ich euch erst davon berichten, was ich soeben beobachtet habe und was mich zugleich in Erinnerungen schwelgen lässt.

„Da Mama!“

Ein klares und zugleich liebes „Da Mama!“ reißt mich aus meinen Gedanken. Ich blicke hoch und im Gewusel der Menschen um mich herum entdecke ich ein kleines Mädchen, vielleicht 2 Jahre alt. Sie genießt sichtlich ein Schokoladeneis, aber noch glücklicher scheint es sie zu machen, wenn sie dieses Eis mit ihrer Mama teilen kann. Man mag das nur für eine kleine Geste halten, aber dieses kleine Mädchen teilt großherzig ihr geliebtes Schokoladeneis. Sie will ihre Freude teilen, weil sie instinktiv weiß, dass Freude nur größer wird, wenn man sie teilt – auch wenn das bedeutet, dass sie dadurch weniger von dem Freude bringenden Schokoladeneis hat.
Die Mama dieses Mädchens erkennt ganz wunderbar, was ihrer Tochter diese Geste bedeutet und schleckt genussvoll am Schokoladeneis. Sie lobt ihre Kleine dafür, dass sie das köstliche Schokoladeneis zu teilen bereit ist und tut überschwänglich kund, wie lecker es doch sei. Das kleine Mädchen freut sich nun noch mehr. Sie strahlt über das ganze Gesicht und ruft immer wieder „Da Mama!“ und will immer mehr Eis mit ihrer Mama teilen. Begleitet von extra lauten Geräuschen des Wohlwollens leckt sie auch selbst an ihrem Eis.
Nun ist dieses Eis aber nicht sonderlich groß und ich weiß um das Dilemma dieser Mama. Doch sie löst es so wunderbar. Während sie beim ersten Mal noch tatsächlich am Eis schleckte, tut sie in der Folge nur noch so. Man muss schon ganz genau hinschauen, um den kleinen Schwindel zu entdecken. Das kleine Mädchen bemerkt es nicht. Sie ist einfach nur glücklich, weil sie ein Schokoladeneis hat und weil sie dieses wundertolle Eis zugleich mit ihrer Mama, ihrer geliebten Mama, teilen kann.
Plötzlich werde ich angerempelt und ich werde aus meiner Beobachtung herausgerissen. Ich laufe nun weiter und lasse dieses Mädchen mit ihrer Mama hinter mir. Doch während mir immer wieder die Bilder dieser zauberhaften Begebenheit durch den Kopf gehen, schweifen meine Gedanken zugleich auch zurück in meine eigene Vergangenheit.

Eine kleine Torte statt vieler Worte

Es ist Montag. An Montagen pflege ich mit meinem besten Freund abends in Kino zu gehen. Immer wartet dort eine Überraschung auf uns, denn es ist die Sneak Preview. So sitzen wir also im dunklen Kinosaal und schauen uns einen eher durchschnittlichen Film an. Ich schaue zur Leinwand und bemerke nicht, was der Herzensmensch da neben mir tut. Als ich es bemerke, glüht mein Herz unmittelbar. Kalt erwischt er mich.
Natürlich habe ich nicht auf die Uhr geblickt, natürlich habe ich nicht bemerkt, dass es just in diesem Moment 12Uhr schlägt und das Datum damit um einen weiteren Tag vorangerückt ist. Ich habe Geburtstag und der Herzensmensch sitzt da neben mir mit einem kleinen Törtchen, auf dem eine kleine Kerze brennt. Eine kleine Torte statt vieler Worte.
Dieses kleine Törtchen ist mir mit das wertvollste Geschenk, welches mir bisher jemand zu meinem Geburtstag machen konnte. Im dunklen Kinosaal ein kleines Törtchen auf einem Pappteller mit einer brennenden Kerze. Für mich.
Viele Jahre Später noch lässt mich die bloße Erinnerung an diesen Moment lächeln. Augenblicklich erinnert sich mein Körper an die wohlig-warmen Gefühle, die ich damals verspürte. Diese kleine Geste hat sich tief in mich eingebrannt und ich werde sie niemals mehr loslassen. Es ist der Geschmack von echter Freundschaft. Eine kleine Torte statt großer Worte.
Mit dieser kleinen Geschichte möchte ich der lieben Petra vom Blog Allerlei Themen zu ihrem ersten Bloggeburtstag gratulieren. Ich weiß darum, wie schön es ist, wenn auch andere Blogger dazu gratulieren und ich weiß, dass Geburtstage nicht immer riesen Sausen sein müssen, um in besonderer Erinnerung zu bleiben. Manchmal ist das so, manchmal ist es aber vielleicht auch einfach nur der Nicht-Geburtstag, den man nicht vergessen kann. Oder das kleine Törtchen statt vieler Worte.


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By | 2017-10-07T01:02:22+00:00 Juli 17th, 2015|Zum Miterleben und Mitfühlen|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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