Mit Fantasie die Welt erobern: Oder einfach nur im Garten spielen

//Mit Fantasie die Welt erobern: Oder einfach nur im Garten spielen

Mit Fantasie die Welt erobern: Oder einfach nur im Garten spielen

Fantasie fördern mit Gartenspielzeug
– und wenn es nur der Sand im Buddelkasten

Mit Fantasie die Welt erobern: 

Oder einfach nur spielen im Garten

Auch ohne Fantasie mag man die Welt erobern können. Doch mit Fantasie lassen sich unzählige Welten erschaffen, denn nur wer über die Fähigkeit der Fantasie verfügt, ist dazu in der Lage, sich das Leben so vorzustellen, wie es sein könnte – und nicht nur so wie es ist.

„In der Fantasie spielen wir gedanklich durch, dass vieles anders wäre als es ist, und wir können uns sogar völlig fremde Welten vorstellen: Welten, in denen Honig in den Flüssen fließt und Schweine fliegen können, in denen Bäume sprechen,  in denen wir selbst Fußballweltmeister oder Königin von Deutschland sind.“ (Hannes Rakoczy, Max-Planck-Institut)

Fantasie fördern wollen und organisierte Frühförderung stehen dabei nicht selten in einem krassen Widerspruch, denn Fantasie entwickelt sich nur da, wo Raum zum freien Ausprobieren ist. Fantasie entwickelt sich bei Kindern schon sehr früh, nämlich spätestens ab dem 2. Lebensjahr. Wer kennt nicht die ersten Varianten des ‚So-tun-als-Ob-Spiels“. Meine Püppi hat so schon im ersten Lebensjahr damit begonnen, das Beladen und Ausräumen des Wäschetrockners zu imitieren – nur nicht immer mit Wäsche! Was bin ich froh, dass mittlerweile kaum noch Fernbedienungen und Co auf diese Weise in Waschmaschine und Trockner gelangen. Mit ihren nicht einmal 20 Monaten ist sie mittlerweile auch schon eine ganz tolle Puppenmama, die ihren Schützlingen etwas zu trinken gibt, sie wickelt oder schlafen legt. Dabei tut sie so, als ob wirklich Flüssigkeit in den Tassen ist, als ob die Windeln wirklich voll oder die kuscheligen Freunde wirklich müde wären. Natürlich sind das noch recht basale Fantasiewelten, doch meine Tochter kann schon sehr lange von ihnen in den Bann gezogen werden.

Mit zunehmender Entwicklung werden die imaginierten Welten natürlich immer komplexer und das ist auch gut so, denn nur Fantasie wird es uns auch als Erwachsenen ermöglichen, neue Lösungen für Probleme zu finden:

„…dadurch, dass wir uns vorstellen können, wie die Dinge sein könnten, können wir gedanklich Lösungen für ein Problem durchspielen, mögliche Szenarien für die Zukunft entwerfen und miteinander vergleichen – wir können, losgelöst vom Hier und Jetzt, das Dort und Dann planen.“ (Hannes Rakoczy, Max-Planck-Institut)

Also wem die einfach genussreiche, anregende und glücklich machende Seite von Fantasie nicht ausreicht, um diese als förderungswürdig einzustufen, dem sei gesagt: Nur mit Fantasie können aus kleinen Forschern und Entdeckern, große Persönlichkeiten heranreifen, die in der Lage sind, etwas zu verändern.

Nun ist es gerade uns Eltern ja wichtig, dass unsere Kinder auch viel an der frischen Luft sind. Neben Sport, sollte da natürlich das freie Spiel nicht zu kurz kommen. Wer das Glück hat, über einen Garten zu verfügen, wird sich vermutlich recht früh Gedanken darüber machen, wie der Garten kindgerecht gestaltet werden kann.

Bevor ich daher auf meine Erfahrungen mit verschiedenen Gartenspielzeugen eingehen werde, die man sich so in den Garten stellen kann, möchte ich kurz drei grundlegende Regeln für einen kindgerechten Garten voranstellen. Von einem noch so tollen Baumhaus haben wir nämlich am Ende nichts, wenn das Kind nie mehr damit wird spielen können:

  • Kinder ertrinken i.d.R. lautlos und das auch schon bei geringsten Wasserhöhen. Wasserkübel, Teiche und Pools sollte man daher, wenn man sie nicht meidet, wirklich sehr gut absichern. Gerade bei Kleinkindern können die drei Minuten, in denen man nur mal kurz ans Telefon gegangen ist, schon ausreichen, um zu ertrinken.
  • Wenn ein Garten auch für Kinder geeignet sein soll, dann ist es ratsam, sich auch die Pflanzen mal genauer anzuschauen. Viele sind nämlich, wenn nicht giftig, zumindest unbekömmlich. Neben solchen Pflanzen, deren Beeren zwar lecker aussehen, aber giftig sind, sollte man auch im Blick haben, dass gerade kleine Kinder schnell auch mal Blätter probieren. Etwas größere Kinder wiederum vergiften sich vielleicht beim Trinken des „selbst gekochten Zaubertranks“. Auch Pflanzen mit mit Dornen und Stacheln sind nicht unbedingt geeignet beim Versteckspielen.
  • In so einem Garten gibt es oft auch zahlreiches Gartenwerkzeug. Heckenscheren, Motorsägen und Co. sollten jedoch trotz ihres praktischen Nutzens außer Reichweite der Kinder gelagert werden.

Vom Fantasieren, Ideenreichtum und Erfindungsgabe zum Spielen im Garten

Was für uns Erwachsene aber nur nach bloßem Spiel aussehen mag, ist für Kinder so viel mehr. Sie lernen: Sie erlernen neue Fertigkeiten, sie erschließen sich die Welt mit ihren physikalischen Gesetzen und sie lernen zugleich sich selbst besser kennen. Das ist ganz schön harte Arbeit, weshalb ja vielen Kinder auch nach einem aufregendem Tag im Garten die Äuglein so schnell zufallen.
 
Zu viel Spielzeug mag die Fantasie einengen. Doch wenn ich an mein kindliches Ich zurückdenke, dann darf das keineswegs in ein Plädoyer für „kein Spielzeug“ münden. Zahlreiche Spielzeuge habe ich unglaublich intensiv in mein kindliches Spiel integriert.

Natürlich muss es sich dabei nicht einmal immer um Spielzeug im eigentlichen Sinne handeln. Gerade draußen im Garten habe ich einfach verwendet, was sich so auftreiben ließ. So liebte ich als kleines Mädchen besonders Rollenspiele und für die erschuf ich mir nicht nur in meiner Fantasie ganze Welten, sondern bezog auch eine Reihe Requisiten ein. Aus einem Blumentopf wurde ein Hexenkessel, aus einem Hocker zauberte ich eine festliche Tafel und aus Wasser, Gras, Blüten und Steinen konnte ich fabelhafte Zaubertränke kredenzen. Meine Gäste waren Dumbo, Lotte, Knubbel, Bommel und all die anderen meiner engsten Freunde aus dem plüschigen Teil meines Kinderzimmers – und wenn die nicht erreichbar waren, dann taten es auch unsichtbare Gäste.

Die Höhle

Wie alle Kinder habe ich es geliebt, mich in selbstgebauten Höhlen zu verstecken. Leider hatte das Indianerzelt die Aufbewahrung im feuchten Keller nicht gut überstanden, sodass ich nicht lange Freude daran hatte. Aber auch so gab es immer wieder zahlreiche Möglichkeiten, mir Verstecke, Höhlen und Behausungen zu erschaffen, in die ich mich zurückziehen konnte. 

Bei meiner Tochter kann ich schon jetzt, obwohl sie noch nicht einmal 2 Jahre alt ist, dasselbe Verlangen nach geschützten kleinen Räumen, in denen sie Sachen oder gar sich selbst verstecken kann, beobachten. Daheim wird ihr Bett daher tagsüber auch in eine Räuberhöhle umgewandelt. Auf Spielplätzen und im Kindergarten sind die kleinen Häuser ihre liebsten Orte.

Als wir neulich in einem Café an einem See Halt machten, entdecke ich das nahezu perfekte Spielhaus für den Garten meiner Eltern. Am liebsten wäre ich selbst wieder Kind gewesen, aber so durfte wenigstens meine Tochter ihren Spaß haben.


Natürlich muss es keineswegs gleich so ein großes Spielhaus sein. Je nach Alter der Kinder will man ja vielleicht auch gemeinsam mit ihnen etwas bauen? Ich jedenfalls kann mich noch genau daran erinnern, wie mein kleiner Bruder voller Stolz immer unserem Papa beim Werkeln half. 

Aber egal ob nun ein kleines Spielhaus aus Plastik, ein gekauftes Holzspielhaus, das selbstgebaute Baumhaus oder einfach nur aufgespannte Laken und Decken. Bei Höhlen bin ich mir ganz sicher: Kinder lieben sie und das tun sie, weil das ihre Räume sind und eben nicht die von uns Erwachsenen. Spielhäuser und Höhlen sind der Größe der Kinder angepasst und geben ihnen Sicherheit, weshalb die Kinder auch gerne ihre Schätze dort aufbewahren.

Matschepampe im Sandkasten

Wer kennt sie nicht: All die fleißigen Kuchenbäcker in den Sandkästen der Welt. Auch im Buddelkasten wird die So-tun-als-ob-Fantasie eben intensiv geübt. Während es zu anfangs noch einfache Sandkuchen sind, werden es mit der Zeit nicht selten kreative Bauwerke. 

 


Auch ich erinnere mich wirklich gerne an die Spielzeit in meinem Sandkasten zurück! 
Mein Vater hatte meinem Bruder und mir extra einen Sandkasten gebaut und hierzu sogar ein Fundament aus Beton gegossen, damit sich der tolle Spielsand nicht mit der schönen Muttererde vermischt. Unser Sandkasten stand dabei unter einem riesigen Nussbaum unweit der Terrasse: So hatten nicht nur unsere Eltern uns im Blick, sondern wir auch sie. Noch besser aber war es, dass der Sandkasten gleich neben dem Wasserhahn stand und wir so regelmäßig auch ordentlich Matschepampe fabrizieren konnten. Matschepampe war immer großartig und sie ließ sich einfach wunderbar in Expeditionen, Hexengeschichten und Co integrieren.

Wie mein Papa den Sandkasten dann im Einzelnen gebaut hat, weiß ich heute natürlich nicht mehr, aber er hat es offenbar ganz gut hinbekommen, denn das Regenwasser lief stets ab, an Unkraut kann ich mich auch nicht erinnern und das Holz war auch nach vielen Jahren und intensiver Benutzung immer noch in einwandfreiem Zustand. Da ich selbst aber eher weniger praktische Tipps  für den perfekten Sandkasten Marke Eigenbau geben kann, empfehle ich stattdessen lieber, hier* nachzulesen und den dortigen Tipps und Tricks zu folgen. Dann klappt es garantiert auch mit der Matschepampe! Kann ich jedenfalls nur empfehlen, gerade weil Kinder heutzutage immer seltener Gelegenheit zum Spielen in anständiger Matschepampe haben.

Mit Rutsche, Schaukel und Wippe zum fantastischen Gartenspiel

Welche Kinder stürmen nicht auf Spielplätzen Rutsche, Schaukel, Wippe, Trampolin und Klettergerüst? Meines jedenfalls ist da kaum zu bremsen. Auch ich selbst war als Kind sehr ausdauernd beim Erobern der Spielplätze der Republik. Manchmal sehen ich mich sogar heute noch an nervenaufreibende Schiffseroberungen und Burgverteidigungen zurück!
 
Aber hätte ich deshalb auch den Spielplatz bei mir im Garten gebraucht? Vieles war doch nur deshalb so spannend, weil ich es gemeinsam mit anderen Kindern bespielt habe und weil wir so viel mehr daraus gemacht haben als es auf die bloßen Funktionen zu reduzieren. 
 
Wir sind nicht einfach gerutscht. Nein! Wir sind steile Abhänge todesmutig hinunter gestürzt, um Leben zu retten!

Wir sind nicht einfach nur eine Leiter hochgeklettert. Nein! Wir haben steile Felsklippen erklommen, haben den Achter des Schiffes bewältigt und konnten spinnengleich Hauswände hinaufkrabbeln!

Wir sind auch nicht einfach nur wippen gewesen! Nein! Denn das war eine wilde Achterbahnfahrt oder aber der Ritt auf dem geliebten Pferd!


Ein Garten soll ein Garten bleiben und muss nicht zum Spielplatz mutieren, nur damit ein Kind darin glücklich spielen kann. Das soll natürlich niemanden davon abhalten, einzelne Spielgeräte zu erwerben oder selbst zu bauen, aber was sicher unnötig ist, alle denkbaren Gartenspielgeräte in den Garten zu stellen. Das alles allein zu bespielen ist auf Dauer nämlich auch langweilig und so ohne weitere Spielkameraden auch nicht sonderlich fantasieanregend. Deshalb würde ich genau überlegen, was davon mein Kind besonders gern mag – und zwar auch dann, wenn es mal allein auf dem Spielplatz ist. Ich selbst habe zum Beispiel sehr leidenschaftlich geschaukelt und dazu brauchte ich auch keine Freunde, die dabei den Garten mit mir unsicher machten.

 

Wilde Ecken – Immer was zu entdecken

Als ich selbst klein war, konnte ich noch wie selbstverständlich durch die Wohngegend meiner Familie stromern und sie mir auf meine völlig eigene, eben kindliche Weise erschließen. Da gab es den kleinen Graben, der im Spiel mit meinen Freunden zum wilden Fluss mutierte und den man überqueren musste, wollte man gerettet sein. Unlängst von diesem wilden Fluss gab es eine uralte Eiche, die kein gewöhnlicher Baum war, sondern ein verzauberter Riese. Im angrenzenden Wald bauten wir Kinder kleine Höhlen aus Ästen und auf der Straße veranstalten wir olympische Sportveranstaltungen.
 

Ich liebe daher auch Gärten, die noch kleine wilde Ecken bereithalten. Ein gepflegter, ordentlicher Garten mag wunderschön sein, aber zu viel Ordnung engt auch das Denken und damit die Fantasie ein.
Doch auch der schönste, kindgerechteste, fantasievollste Garten kann die freie, unberührte Natur nicht ersetzen. Kinder sollten ihren Garten auch mal verlassen und in Kontakt treten mit einer Welt, die ihnen ihr Spiel nicht vorgibt, sondern die sie selbst erst spielerisch erkunden und wie kleine Forscherinnen erobern müssen. Natürlich ist das mit der unberührten Natur so eine Sache, doch nach wie vor gibt es genügend Landschaftsabschnitte, die dem ‚unberührt‘ zumindest halbwegs nahe kommen. Mitbringen muss man dazu lediglich Zeit und die Bereitschaft, die Kinder auch einfach mal machen zu lassen. 
Auf dem Wunschkind-Blog findet ihr auch eine schöne Buchrezension über die Bedeutung der Natur für die kindliche Entwicklung.


Das Gegenteil von Gut gemacht ist gut gemeint

Letztlich bin ich davon überzeugt, dass kein Kind all die Dinge in seinem Garten braucht, die ich so aufgezählt habe. Jedes einzelne Spielgerät kann – je nachdem, ob und wie es zum Kind passt – genau richtig sein, aber alle zusammen wiederum werden eher fantasiefeindlich denn förderlich sein

Um sich etwas vorstellen zu können, das noch nicht ist, aber sein könnte, muss da noch Raum für Überlegungen sein. Das Kind muss die Möglichkeit erhalten, auch mal inne halten zu können. So wichtig Angebote zum Spielen sind, sie dürfen nicht in einer endlosen Schleife des permanenten Aufforderns enden. Auch Spielgeräte im Garten sollten eine Anregung zum Spielen und Fantasieren sein – aber das fantasievolle Spiel darf durch sie nicht zu vorgegeben und dadurch gleichsam limiert werden. 

Ich möchte, dass mein Kind unzählige Welten mit Fantasie erschafft und erobert – und ich wünsche mir, dass es einfach auch nur mal im Garten spielt. 


Ich empfehle außerdem



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* Dieser Link ist im Rahmen einer Kooperation mit Werkzeugstore24 eingefügt worden. Meine Meinung blieb davon unberührt und ich kann nicht nur diesen, sondern auch weitere Beiträge des dazugehörigen Blogs empfehlen. Ich danke für die Zusammenarbeit.

By | 2017-10-07T00:43:06+00:00 Juli 27th, 2015|Zum Nach- und Weiterdenken|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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