Wütende Wut bändigen

Wütende Wut bändigen

Die Bildrechte liegen bei Tollabea

 

Wütende Wut bändigen

Wer kennt sie nicht, die Wut. Wut hat so unglaublich viele Gesichter, weshalb wir sie wohl auch sprachlich so differenziert erfassen können.

Aufregung, Rage, Zorn, Leidenschaft, Raserei, Wahnsinn, Toberei, Aggression, Aufruhr, Entrüstung, Erbitterung, Grimm, Groll, Missmut, Unmut, Verärgerung, Ärger, Erzürnung, Aufgebrachtheit.

Ich glaube, niemand kann sich davon frei sprechen, nicht wenigstens schon einmal wütend gewesen zu sein. So kam es auch, dass gleich 27 Antworten ad hoc bei mir eintrudelten, als ich auf Twitter meine Mitzwitscherer darum bat, den Satz „Wenn ich wütend bin, dann…“ zu vervollständigen.

...könnte ich heulen (MamaNi@MamaniBloggt)

…werde ich laut. (Daddy Dahoam@DaddyDahoam und Frau Sahne@Sahnelinchen

…bin ich sehr impulsiv (Tina@KullernderKeks) 

…schreie ich und heule kurze Zeit später los. (Zwergenzimmerchen@SarahJane1501)

…schaltet sich mein Kopf aus und die Tränendrüsen schalten sich an. (RM@RoselMel) 

…dann explodiere ich… (Quirlimum@quirlijane) 

27 Antworten, die mir zeigten: Welches Gesicht die Wut gerade auch zeigen mag, in jedem Falle handelt es sich um eine sehr intensive Emotion, die sich oftmals nur schwer kontrollieren lässt, sobald sie uns überwältigt. Wut kann so mächtig sein, dass sie uns zuerst einmal nieder rennt und uns unfähig sein lässt, einen klaren Gedanken zu fassen.

…neige ich schon mal zur Explosion *schäm*
Wenn ich etwas ändern könnte: Weniger Explosion, mehr Disziplin (Allerlei Petra@HamacherPetra)

…werde ich wie ein kleines Kind von Emotionen überflutet und brauche jemanden, der mich auffängt. (Frühlingskindermama@fruehlingsmama)

…führe ich laute Selbstgespräche und gehe dann erstmal Kaffee trinken. (Stein Gesicht@steingesicht)

…bin ich ein Tsunami: Eine Weile viel zu ruhig und dann geht’s los.(sagt mein Sohn)(Sam@herzteddy) 

…werde ich hyperaktiv & setze sofort alle Hebel in Bewegung statt kurz innezuhalten & zu reflektieren (Manati@Manatiswelt)

Wut ist natürlich nicht gleich Wut. Mal ist sie mehr wie ein winselnder, mal wie ein bellender Hund. Manchmal will dieser Hund auch zubeißen und ja, manchmal handelt es sich auch um einen wütenden Löwen. Nicht wenige erkennen sich selbst kaum wieder, wenn sie wütend sind.

…reagiere ich immer unterschiedlich und unrational. Stelle alles in Frage und werde auch mal laut z.B. auf der Arbeit (Frau Chamailion@chamailion 

…überlege ich, ob’s die Mühe wert ist… ich kann ganz leise und fies werden oder laut und ‚werfend‘. (Tante Emma@_Gemischtwaren) 

…kennt man mich nicht wieder (Sina Grill@GiftigeBlonde) 

Wie wir als Erwachsene mit unserer Wut umgehen, hat auch damit zu tun, ob und wie wir als Kinder lernten sie anzunehmen. Weder sollte Wut vollständig von der Leine gelassen werden, noch sollte sie einfach nur in einen Käfig gesperrt werden. Manche haben bereits ihre Rezepte gefunden, wie sie ihre wütende Wut bändigen, anderen sind auch als Erwachsene immer noch auf der Suche.

…dann esse ich Heidelbeertörtchen #Plural #Belohnung #foodporn #bestesmittelgegenwut (Anja Himmelsbach@anhimmel)

…atme ich tief durch + sehe mir den Grund an oder ich bin zu gestresst, um mir den Grund anzusehen + unterdrücke sie. (Ms. Essential@essentialunfair)

…atme ich tief. Die Wut weg atmen. Selten wird ein Teller auf den Boden geworfen. Und wenn nur ein alter, hässlicher! (rabaukenrübenräuber@rhochdrei)

Doch oftmals wissen nicht einmal wir Erwachsenen wohin mit unserer Wut. Wie sollen es da nur unsere Kinder lernen? Nicht selten tun wir dann Dinge, die uns hinterher leid tun.

…kann ich jedes Trotzkind so gut verstehen und will mich trampelnd auf den Boden werfen! (Grummelmama@Grummelmama) 

…bin ich impulsiv, d.h. laut und ungerecht. Und erst dann denke ich nach. (Anne Antenne@FrSchnabelberg)

…muss die Wut raus! …ja, das ist das Problem. Manchmal bekommt es die falsche Person ab (Mama Schulze@Mama_Schulze)

…eskaliere ich. Kann meine Emotionen dann nicht stoppen, sprudeln sprichwörtlich über. (Mamamania@MamamaniaBlog)

…werde ich oft unfair, ärgere mich im selben Moment über mein Verhalten höre aber selten rechtzeitig damit auf :/ …nehme ich mir vor, es das nächste mal besser zu machen. Mir den unfairen Kram zu denken, statt ihn auszusprechen. (Taly Miau@Talymiau)

Manchmal ist Wut so stark und lässt uns so schrecklich hilflos werden, dass wir nicht einmal imstande sind, sie überhaupt zu zeigen.

…fang ich an zu heulen. Wütend werden und es zeigen muss ich erst noch lernen. (Tanja@OstfriesenMutti)

…kommen mir oft unkontrolliert die Tränen. (Nady@Nady_Sylt) 

Nicht wenigen hilft es, über die empfundene Wut zu reden und sie auf diese Weise nicht nur besser zu verstehen, sondern sie auch allmählich abzubauen.

…muss ich darüber reden, und wenn’s nur mit mir selbst ist. (klitzkleinedinge@kleinedinge123) 

Wie beeindruckend ich es immer wieder finde, wie sehr sich manche Menschen selbst kontrollieren können in Momenten der Wut! Doch es ist ein schmaler Grat zwischen Wut unterdrücken und nicht zulassen auf der einen Seite und Wut kontrolliert zeigen und verarbeiten. Während ersteres uns womöglich zu einem Pulverfass werden lässt, welches irgendwann doch noch explodiert, erlaubt uns letzteres wir selbst zu bleiben.

…versuche ich ruhig zu bleiben und nicht die Emotionen überhand nehmen zu lassen (Ami@nurdiemama)

Auch Kinder sind wütend. Ja Wut gehört zu einer kindlichen Entwicklung einfach dazu und so hab auch ich manchmal eine kleine Wutbürgerin zu Hause.
Für all diejenigen, die nicht so recht wissen, wie sie nun aber mit der kindlichen Wut umgehen sollen, dem sei das folgende Buch nahegelegt, welches man gemeinsam mit Kindern erkunden und besprechen kann.

Wohin nur mit der Wut?

Bea von Tollabea war auch wütend. Diffus wütend, weil ihr Baby die Tollabox wirtschaftlich nicht funktionierte, obwohl die Idee einer monatlichen Bastel- und Kreativbox für Kinder doch so großartig gewesen ist. Wütend aber auch auf ihren Mann Oliver, mit dem sie die Tollabox gemeinsam gegründet und der  „die Chefkarte gezogen“ hatte: eben weil es wirtschaftlich und auch rechtlich nicht mehr zu verantworten war, mit der Tollabox weiterzumachen. Da mag der Verstand Recht gehabt haben, aber das Herz wurde von einem tiefen Gefühl der Ungerechtigkeit überwältigt. Beas Herz schmerzte und wütende Wut machte sich breit.

„Mein Verstand verstand, dass Oliver eine Vernunftsentscheidung getroffen hat, auch um mich zu schützen. Aber mein herz blutete und alles fühlte sich an, als hätte er mein Kind umgebracht, Ich merkte, dass ich ihm am liebsten körperlich weh tun wollte. Dass ich ihn wilden Tieren zum Fraß vorwerfen wollte.“ (Bea)

Doch Bea wäre nicht Bea, wenn sie ihre wütende Wut nicht hätte bändigen können. Dabei herausgekommen ist ein wunderbares Buch:

Ganz im Sinne der Tollabox hat es Bea verstanden, ihre Wut kreativ umzusetzen und bändigt die impulsive, aggressive, gekränkte und traurige Seite der Wut.

Als Isi getarnt, geht der Wüterich in Bea auf Reisen und Stück für Stück schwindet dabei die Wut auf ihren Oli, denn kein Tier, dem die kleine Isi begegnet, möchte ihren Oli fressen. Stattdessen haben alle unglaublich großen Appetit auf die verschiedenen Gesichter der Wut und knabbern lieber diese sukzessive ab.

 

Oli Löwenfutter ist ein ganz wunderbares Buch, mit dem man gemeinsam mit Kindern auf Gefühlsreise gehen kann. Wut ist kein schönes Gefühl, aber es gehört zur großen Farbpalette des Lebens dazu. Kinder müssen erfahren, dass es völlig in Ordnung ist, Wut zu empfinden – doch sie müssen auch lernen die wütende Wut zu bändigen. Ich glaube, dass hierzu solch ein Buch eine fantastische Möglichkeit ist, die Wut zu thematisieren und ihr den Raum zu geben, den sie verdient hat.
Niemand ist gerne wütend, aber sie kann dabei helfen, den Blick für das Wundertolle wieder zu öffnen. Denn eigentlich liebt Isi ihren Oli ganz furchtbar dolle…

…und mag ihn gar nicht einem Bären zum Fraß vorwerfen!

Wenn du Lust auf das Buch bekommen hast, dann kaufe es dir doch als E-Book. Mit etwas Geduld ist es sicherlich auch bald in Papierform erhältlich.

Ich möchte abschließend noch betonen, dass ich diesen Beitrag ganz freiwillig, ganz ohne Gegenleistung geschrieben habe. Auch das E-Book habe ich mir ganz regulär gekauft. Es hier und heute zu empfehlen, ist mir eine Herzensangelegenheit.



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By | 2017-10-07T00:43:33+00:00 Juli 24th, 2015|Bücherwelten. Für große und kleine Leseratten|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

No Comments

  1. Quirlimum 24. Juli 2015 at 15:34 - Reply

    Liebe Jessi,
    das hast du wirklich toll ge- und beschrieben! Es geht doch nichts über Kinderbücher, bei denen Leser UND Zuhörer gleichermaßen lernen.
    Ich glaub beim nächsten Wutanfall meiner Kids (Chancen stehen grade gut.. hehe) werde ich sie einfach mal in den Arm nehmen…(statt mit zu motzen) denn das wünsch ich mir manchmal auch einfach in solchen Situationen…

  2. Jessi [Terrorpüppi] 25. Juli 2015 at 9:35 - Reply

    Oh das ist eine schöne Idee 🙂 Was man sich für sich selbst wünscht, sollte man auch anderen bereit sein zu geben! Daran muss man sich immer wieder selbst erinnern!

    Danke für das Lob 😀
    LG Jessi

  3. seitdudabist 25. Juli 2015 at 21:32 - Reply

    Ein toller Text, liebe Jessi! Und ich finde es unglaublich schön, dass Du so viele Zitate gesammelt und hier veröffentlicht hast – es tut richtig gut, zu lesen, dass es so vielen ganz genau so geht, wenn sie von ihrer Wut überrannt werden!

  4. Jessi [Terrorpüppi] 25. Juli 2015 at 21:52 - Reply

    Ich danke dir für dein liebes Feedback!

    Ja auch auf Twitter waren viele überrascht, dass sie mit ihren typischen Reaktionen gar nicht so allein sind!

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