Zu Gast in der Welt – Die Welt zu Gast #BloggerFuerFluechtlinge

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Zu Gast in der Welt – Die Welt zu Gast #BloggerFuerFluechtlinge

Heute startet die Themenwoche „Was bedeutet Reisen für mich?“, an der sehr unterschiedliche Blogger und Bloggerinnen teilnehmen. Die Idee zur Themenwoche hatte Carmen von Chamy Travels und als ich mich dafür meldete, war ich gerade auch so richtig in Urlaubsstimmung, doch die jüngsten Entwicklungen um die Flüchtlinge, welche uns aus aller Welt erreichen, trüben meine Urlaubsgedanken. Trotzdem – oder vielmehr gerade deshalb möchte ich aber an dieser Themenwoche teilnehmen! Viel Spaß bei meinem hoffentlich schönen und zugleich auch nachdenklichen Blogpost!

#BloggerFuerFluechtlinge

Zu Gast in der Welt – Die Welt zu Gast

Ich bin gern zu Gast in der Welt. Manchmal ist diese Welt bloß einen Wimpernschlag von meinem geliebten Berlin entfernt, manchmal überquere ich Staatengrenzen wie es mir beliebt.
Ich habe das Glück, eine Nationalität zu haben, die es mir ermöglicht, nahezu grenzenlos zu reisen. Meine deutsche Staatsangehörigkeit macht mich zudem in den meisten Ländern dieser Welt zu einem gern gesehenen Gast. Ich habe das Glück, dass ich auch gerne wieder zurück nach Hause fahre, denn zu Hause, in meinem geliebten Berlin, da muss ich keine Angst haben, da fühle ich mich sicher, und geborgen. In Deutschland darf ich bunt denken, darf bunt sein, darf sein, wie ich bin und wie ich sein möchte. Jedenfalls darf ich all das noch.

Wider besseren Wissens

Gerade wir im Osten Deutschlands sollten es doch besser wissen. Wäre 1989 nicht die Mauer gefallen, hätte es 1990 nicht die Wiedervereinigung gegeben, wäre der Kalte Krieg damals nicht beendet worden, wer weiß, ob ich hier heute frei reisen könnte. Womöglich hätte ich nie das Salz des Mittelmeeres geschmeckt, hätte nie portugiesische Lebensfreude erlebt, hätte keine Weltgeschichte in Rom einatmen können, hätte keine kalten Füße und ein warmes Herz in Salzburg erlebt, keinen süffigen Wein in spanischen Gassen getrunken, ja wäre nicht der Mensch, der ich heute bin. Womöglich wären meine Gedanken und Gefühle heute grau statt bunt, könnte mich keinen wundertollen Tagträumen hingeben.
Die Welt ist da um sie kennenzulernen, aber physisch und mental eingesperrt zu sein, bedeutet von der Welt abgeschnitten zu sein.

Durch Reisen ins Nah und Fern, in fremde Welten und in meine innere Welt, lerne ich mich schließlich überhaupt erst facettenreich kennen. Reisen kann Horizont erweiternd sein: Verführerisch schön, betäubend andersartig und auch nachdenklich machend. Reisen verändert. Reisen bedeutet für mich, die Welt zu sehen, zu riechen, zu schmecken und zu fühlen. Reisen bedeutet für mich, jederzeit wieder nach Hause fahren zu können, denn sonst wäre ich auf der Flucht.

Reisen statt Flüchten

Auf einer solchen Flucht befinden sich derzeit so viele Menschen wie nie zuvor. Das macht Angst. Es macht Angst, weil die Gründe, weshalb all diese Menschen flüchten müssen, angstmachend sind. Jeder Menschen, der nur einen Funkten echter Empathie in sich verspürt, sollte diese Angst spüren können.
Was ich sicher nicht verspüre, ist Angst vor den Flüchtlingen. Sie sind Menschen. Erst einmal nur Menschen. Ja es wird eine unglaubliche gesamtgesellschaftliche Herausforderung sein, diese Flüchtlinge zu integrieren, ihnen eine Perspektive zu geben und dabei als Gesellschaft gemeinsam mit ihnen zu wachsen.
Angst machen mir ganz andere. Sie nenne sich „besorgte Bürger“ und unter diesem Deckmantel versuchen jede Form von Andersartigkeit zu ersticken. Sie töten Vielfalt.
Sie bereiten mir Sorge, weil ich mich plötzlich 80 Jahre zurückgeworfen fühle in eine Zeit, in der so viele glaubten, dass es zwar nicht so schön sei, aber irgendwie doch halb so wild. So schlimm könne es nicht werden – und als es doch so schlimm und noch viel schlimmer kam, da war es zu spät.
Ich kann nicht wegsehen und hoffe, viele andere können es ebenso nicht. Die Welt soll auch zu Gast bei uns sein können. Und wie es manchmal so mit dem Reisen ist: Manchmal bleibt man, geht nicht mehr, hat eine neue Heimat gefunden. Ich wünsche mir, dass Deutschland so ein Ort ist, der auch zur neuen Heimat werden könnte. Ich wünsche mir, dass Deutschland ein Ort ist, an den jeder gerne reist und noch mehr wünsche ich mir, dass jeder, der hierher gereist kommt, auch die Möglichkeit hat, wieder heimzukehren, wenn er es sich wünscht.

Grenzen überwinden

Ich will, dass meine Tochter in einer Welt lebt, in der sie keine existenzielle Angst haben muss – und in der auch andere keine Angst haben müssen, dass ihre Leben in Gefahr sind. Ich wünsche mir vor allem für sie eine Welt voller Mitgefühl und ohne Hass. Ich wünsche mir eine Welt, in der sie so weit reisen kann, wie ihre Füße oder ihre Fantasie sie tragen.
Grenzen sollen nur da sein, um überwinden zu werden. Grenzen sollen meine Tochter nicht klein halten, zurückhalten, festhalten. Reisen soll für sie bedeuten, keine Angst haben zu müssen. Reisen soll heißen, Abenteuerlust, Neugierde und Offenheit zu verspüren. Reisen und Reisen zu können, bedeutet für mich, zu leben. Zu leben, das wünsche ich mir für meine Tochter.

Manchmal reise ich auch nur in Gedanken – weil ich es kann. Dann entschwinde ich für kurze Zeit meinem Alltag, aber ich kehre in ihn zurück – weil ich es kann. In Gedanken bereise ich manchmal ferne Welten, die ich ganz meinen Wünschen entsprechend gestalte, die fantastisch sind und mir den Atem rauben. Ich entschwinde nicht in Gedankenreisen, weil meine Wirklichkeit zu traurig, so düster, so Luft abschneidend ist, dass mir nichts anderes mehr übrig bleibt, als zu flüchten. Anderen bleibt nichts anderes übrig, als sich in solche Gedankenreisen zu flüchten. Wieder andere haben keine Kraft mehr, zu träumen, weil ihnen die Wirklichkeit jede Lebenskraft raubt. Ich will nicht in einer Welt leben, in der die Menschen nicht mehr reisen und nicht mehr träumen.

Den Rahmen gesprengt

Mit dem vorliegenden Text habe ich vermutlich den Rahmen dieser Themenwoche gesprengt. Es tut mir leid, wenn anderes von mir erwartet worden ist. Doch manchmal müssen einfach Grenzen überschritten und Rahmen gesprengt werden.

 

Was ist eine Themenwoche?

In einer Themenwoche schließen sich Blogger und Bloggerinnen zusammen und posten zu einem bestimmten Thema oder eine Frage jeden Tag Beiträge. Natürlich nicht jeder jeden Tag, sondern in einer vorher festgelegten Reihenfolge. In diesem Fall können die Leser jeden Tag 2 Beiträge zu der Frage „Was bedeutet Reisen für mich?“ erwarten – und zwar ab heute!

Wo erwarten mich in dieser Woche weitere Beiträge?

Heute könnt ihr außerdem beim Blog Kermitchens Welt einen Beitrag lesen und nachstehend findet ihr auch den Zeitplan für den Rest der Woche.
 
MONTAG: Terrorpüppi & Kermitchens Welt // DIENSTAG: Living the Beauty & Msiemund // MITTWOCH: Anna Nikabu & C over the top // DONNERSTAG: Underclass Hero & Chamy travels // FREITAG: 5 p concept & Lavender Province // SAMSTAG: Windhuber & Weibi // SONNTAG:  Noirin & Lyra & Süchtig nach

 

By | 2017-10-07T00:35:51+00:00 August 24th, 2015|Unterwegs, Welten in denen wir leben. Reell und virtuell|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

No Comments

  1. CHAMY Lifestyleblog 26. August 2015 at 12:03 - Reply

    Richtig guter Beitrag, der auch zum Nachdenken anregt!

  2. Jessi [Terrorpüppi] 1. September 2015 at 10:17 - Reply

    danke 🙂

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