Weihnachtliche Rituale (8): Heiligabend

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Weihnachtliche Rituale (8): Heiligabend

In vier Tagen ist es soweit, dann ist Heiligabend. Ich warte schon jetzt sehnsüchtig darauf. Ja ich bin weit davon entfernt, ein Weihnachtsgrinch zu sein. Schon immer habe ich Heiligabend und die beiden Weihnachtsfeiertage genossen – erst als Kind, dann als kinderlose Erwachsene und schließlich als Mama.

Die kindliche Freude am Weihnachtsfest habe ich mir also bis heute erhalten können und das definitiv ohne allzu viel Tamtam zu erwarten oder gar zu veranstalten. Bestimmte wiederkehrende Rituale, vor allem aber meine Liebsten – das ist es, was ich mir zum Weihnachtsfest wünsche.


Ein geselliger Abend zu Dritt – so stelle ich mir nämlich meinen perfekten Heiligabend in diesem Jahr vor. Klar, am liebsten hätte ich ihn auch kuschelig, flauschig, ruhig und entspannt, aber darüber freue ich mich einfach, wenn es eintreten sollte. Denn ernsthaft erwarten kann ich es nicht. Ich habe schließlich eine kleine Terrorpüppi zu Hause. Freude wird sie mir ganz bestimmt bereiten, denn sie kann unglaublich zauberhaft lachen und scherzen, aber für das Verbreiten von Ruhe und Entspannung ist sie nicht unbedingt bekannt. Doch mal ehrlich, in welcher Realität leben denn Menschen, die ernsthaft glauben, dass Kinder – zumal Kleinkinder – ganz still und selbstverständlich auch ganz allein mit den neuen Spielsachen spielen, während Mama und Papa die Füße hochlegen?

Also ich jedenfalls habe das noch nie als Szenerie betrachtet, mit der ich ernstlich rechnen würde. Sollte es doch mal so kommen, habe ich natürlich nichts dagegen, aber eigentlich erwarte ich ein anderes Bild: Ein Kind, das furchtbar aufgeregt die Geschenke aufmacht; das von Geschenk zu Geschenk hüpft; ganz viel Schokolade essen will, aber nicht so viel bekommt, wie es verlangt, und deshalb wütend wird. Ich erwarte weiterhin ein Kind, das ständig den Schmuck vom Weihnachtsbaum nimmt reißt und abends vor lauter Aufregung nicht einschlafen kann. Und ich erwarte Lärm. Ich freue mich auf genau dieses Bild, denn es wird in meiner Bude lebendig sein, auch wenn nicht alles in jedem Moment total schön und ohne Aufreger ist. Es wird auch so perfekt sein.

Ich muss auch sonst nicht alles auf einmal haben. Ein paar kleine weihnachtliche Rituale für die zukünftigen heiligen Abende wünsche ich mir schon noch, aber ich mag mir deswegen auch keinen Stress machen. Vielmehr wünsche ich mir, dass sich unser Weihnachten Jahr für Jahr ganz natürlich weiterentwickelt und doch stets so bleibt, wie es war. Irgendwann wird da schon noch eine eigene Holzkrippe stehen, vielleicht baut sie mir ja sogar noch mein Opa*. Mein Opa ist handwerklich schließlich ziemlich begabt und hatte meinen Kaninchen auch vor vielen Jahren eine dreistöckige Hasenvilla gebaut.

Unser Heiligabend ist nicht übermäßig aufwendig. Das große Kochen geht erst am nächsten Tag los. Heiligabend konzentrieren wir uns auf das Aufstellen des Weihnachtsbaumes, natürlich das Schmücken und die Geschenke. Ganz zufällig werden wir in diesem Jahr zur Mittagszeit sogar noch in den Zoo fahren, da wir dort an einer weihnachtlichen Führung teilnehmen werden. Auf diese Weise kommt unser kleiner Schatz auch auf jeden Fall an die frische Luft. Und mal ehrlich: Für so ein Kleinkind ist doch eine Rentierfütterung definitiv so richtig weihnachtlich und wir können ganz wunderbar unsere eigene kleine Weihnachtsgeschichte erzählen.


Die heiligen Abende der anderen

Rituale sind auch in anderen Familien gerade für Heiligabend und die beiden Weihnachtsfeiertage von großer Wichtigkeit. Einige haben mir davon in den letzten Wochen berichtet und ich finde einige sehr bemerkenswert und andere einfach nur zauberhaft, gerade weil sie so unkompliziert sind. Die schönsten Rituale will ich euch natürlich nicht vorenthalten:


Des Wandern ist des Weihnachtsmann Lust

Wandern und Weihnachten, das kann zusammengehen? Ja kann es und zwar bei Katarinetita. In ihrer Familie wandert man erst einmal gemeinsam und das schon seit Jahrzehnten, um dann in noch größerer Runde gemeinsam zu frühstücken. Auf diese Weise sieht sich die gesamte Großfamilie Jahr für Jahr.

„Wir wandern Heiligabend morgens früh etwa drei Stunden mit Großfamilie in den Sonnenaufgang, dann großes Frühstück. Tradition seit etwa 40 Jahren. Jedes Jahr eine Qual aber wenn man sich überwunden hat toll.

Wie es dazu kam weiß ich gar nicht. Ein Teil Großfamilie wohnt in der Eifel, wir treffen uns in einem anderen Dorf und wandern dann zu den dort wohnenden Großtanten, wo es Frühstück gibt. Da sieht man sich an Weihnachten auf jeden Fall einmal, auch Leute, die man sonst nur da sieht. Und man kann danach mit besserem gewissen schlemmen 🙂 und war auf jeden Fall mal draußen. Es gab nur drei Jahre, in denen wir nicht gelaufen sind, Einfall wegen zu viel Regen und einmal wegen zu viel Schnee. Das war komisch.“

Das finde ich wirklich beeindruckend, weil es doch jedes Mal wieder eine Überwindung kostet und jedes Mal wird man wieder belohnt!

Eine gemeinsame Weihnachtsgeschichte

Der Geist der Weihnacht wird im Hause ErdbeerLila nicht nur Senioren im Pflegeheim geteilt, sondern auch zu Hause weiter beschworen.

„Seit jeher das Ritual in unserer Familie folgendes: es wird ein Buch mit Weihnachtsgeschichten rausgesucht und eine dieser Geschichten wird vorgelesen – aber von allen Anwesenden, jeder einen Absatz. Das findet nach dem Essen und vor der Bescherung statt. Und obwohl wir drei Kinder sind, von denen zwei schon eigene Kinder haben, UND obwohl meine Eltern inzwischen geschieden sind, findet das genau so an jedem heiligen Abend statt. eben inzwischen ohne Papa, dafür mit Enkelkindern und Schwiegerkindern.“

Ich bin mir sicher, dass dieses gemeinsame Lesen der Weihnachtsgeschichte genossen wird und zugleich die Spannung auf die Bescherung ins schier Unermessliche steigert. Doch vor der Bescherung müssen die Geschenke natürlich erst einmal gebracht werden…

Mit Kerzen den Weg weisen

Ob man nun den Weihnachtsmann oder das Christkind erwartet, in manch Familie wird deren Ankunft rituell begangen. So ist man sich in manchen Familien ganz sicher: Das Christkind kann die Familie doch nur finden, wenn man ihm auch den Weg weist:

„Mein Sohn (mittlerweile 12) und ich winken immer vor der Bescherung das „Christkind“ per Kerze oder Wunderkerze ein. Auf dem Balkon… Damit es uns findet“Susanne Mertens

Ich kann die Magie eines solchen Augenblicks beinahe selbst spüren, so gut kann ich es mir vorstellen – vor allem wenn dann ganz plötzlich die Geschenke unter dem Baum liegen.
Das Überraschungsmoment kann man natürlich auch wunderbar erreichen, wenn die Geschenke nach einem gemeinsamen Spaziergang plötzlich unter dem Baum liegen:

„Vor dem Spaziergang legt einer noch schnell alle Geschenke unter den Baum, damit der midi-monsieur glaubt, der Weihnachtsmann habe sie in unserer Abwesenheit gebracht“ Little B.


Der Glaube an den Weihnachtsmann

Zur Magie von Weihnachten gehört für die meisten Kinder der Glauben an den Weihnachtsmann (oder das Christkind) ganz fest dazu. Zur Aufrechterhaltung dieser Magie läuten daher in einigen Familien kurz vor der Bescherung auch Glocken, welche den weihnachtlichen Besuch verkünden.

„sobald es dunkel wird, länger kann man ja nicht warten“Wiebke vom Verflixten Alltag

Da wären wir auch schon wieder beim Anfang. Warten auf Heiligabend, warten auf den Weihnachtsmann.

Nun habe ich ja doch die ganze Zeit irgendwie von Besinnlichkeit und schönen Ritualen gesprochen. Dabei bedeutet selbst Heiligabend für viele noch Stress. Aber auch sowas kann man ja positiv sehen. So wie Susanne von Geborgen Wachsen – die kauft den Weihnachtsbaum nun schon ganz traditionell erst am 24. kurz vor Ladenschluss.

* Diesen Link habe ich im Rahmen einer Kooperation gesetzt.

By | 2017-10-06T23:50:58+00:00 Dezember 20th, 2015|Zum Miterleben und Mitfühlen|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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