Nicht wegducken, sondern aufstehen #blogfamilia

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Nicht wegducken, sondern aufstehen #blogfamilia

Als ich gestern um kurz vor 12 Uhr ins Auto stieg, hatte ich nicht damit gerechnet, dass ich heute morgen hier im Bett sitzen würde mit dem tiefen Wunsch zu bloggen. Nun sitze ich hier und ich blogge.

 

Ich bin eine starke Frau. Doch auch als eine starke Frau bin ich nicht immer stark. Wenn die Probleme groß werden, neige ich dazu, mich wegzuducken: Nicht vor den Problemen, denn die gehe ich an, sondern vor den Menschen in meinem Umfeld. Ich tauche eher ab, als endlos Unannehmlichkeiten und Probleme zu wälzen, von denen ich das Gefühl habe, sie würden mich gerade überrennen. Das tut mir vor allem für meine Freunde leid, denn die fangen an, sich Sorgen zu machen. Es tut mir aber auch leid, weil diese Probleme nicht nur die meinigen sind, sondern tagtäglich auch jede Menge anderer Menschen dieselben Sorgen haben. Nur kämpft so gut wieder für sich allein. Das darf nicht sein.

Meine Freunde sind meine Freunde und als meine Freunde spüren sie, wenn es mir nicht so gut geht. Dass sie sich bei mir melden, auch wenn ich gerade nicht erreichbar bin, hilft mir sehr. Sie sind bei mir, auch wenn ich sie für kurze Momente unserer Freundschaft nicht ganz nah an mich ran lasse. Es ist nur eine Momentaufnahme, denn wenn ich mich sortiert habe, dann reden wir. Dann lasse ich alles raus. In meinem Herzen haben wir schon unzählige Gespräche geführt und Umarmungen ausgetauscht. Doch das reicht nicht. Das darf nicht reichen.

Ich bin eine intelligente, hoch qualifizierte Frau. Ich habe einen Abschluss in Soziologie technikwissenschaftlicher Richtung mit Auszeichnung und bald meinen Doktortitel. Ich bin durchsetzungsstark, organisiert, effizient, teamfähig, belastbar. Ich weise weitreichende Kenntnisse und praktische Erfahrungen in den Methoden qualitativer und auch quantitativer Sozialforschung auf. Innovationen sind mein Thema und neben einer dezidierten Expertise zu Elektromobilität und Verkehr, sind mir auch Open Innovation, Partizipation oder Zukunftstechnologien alles andere als Fremdwörter. Ich betrachte Innovationen in ihren verschiedenen Kontexten und in Bezug auf diese bedarfsorientiert. Ich bin kein Fachidiot und lerne schnell.

Doch für potentielle Arbeitgeber bin ich vor allem eines. Mutter. Also ein Risiko.

Blogfamilia als Bloggerfamilie

Als angeschossenes Kätzchen führte mich mein Weg gestern zu einer wirklich tollen Elternbloggerkonferenz. Der Blogfamilia. Tolle Location, super Wetter, eine gelungene Organisation und was am schwersten wiegt: Viele interessante und wohlgesinnte Menschen. Einige kannte ich schon, andere noch nicht, wieder andere kenne ich noch immer nicht. Letzteres mag im Einzelfall schade sein, aber es erscheint mir wahrlich nicht sinnvoll, gezielt 125 Menschen nacheinander die Hand zu schütteln, nur um allen mal kurz „Hallo“ gesagt zu haben.

Die Sprachlosigkeit, welche mich privat und als Bloggerin in den vergangenen Wochen ereilt hat, hielt mich gestern glücklicherweise nicht davon ab, mich in die Arme mir lieb gewonnener Blogger und Bloggerinnen zu begeben. Es war herrlich, endlich Gordana vom Blog Reisegor wieder zu sehen, Anna von Familie Motte und Yvonne von Limalisoy persönlich kennenzulernen oder der geballten Wucht von Bella von Freiraumkind zu begegnen.

Allein wegen der wohl dicksten Umarmung des Tages mit Nico von Papa mit Hut, den freundlichen Gesichtern von Nadine vom Berliner Kinderzimmer, Jessi von feiersun oder Sandy von Ein Haufen Liebe hätte es sich schon gelohnt, zur Blogfamilia zu gehen. Ebenso vermögen es Johnny vom Weddinger Berg oder Christian vom Familienbetrieb stets, einem ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Ich könnte jetzt noch weiter aufzählen, denn da waren noch viele andere wundervolle Blogger und Bloggerinnen. Sofort rattert es auch schon in meinem Kopf. Carola von Frische Brise. Anna von BerlinMitteMom. Alu von Grosse Köpfe. Katja vom Wunschkindblog. Und und und.

Die Eine

Doch ein Gespräch hat gestern den Unterschied für mich gemacht. Eigentlich wollte ich ihr nur mal „Hallo“ sagen, denn irgendwann hatte sie, deren Blogbeiträge durch einen unglaublichen Wortwitz bei zugleich messerscharfer und zielgerichteter Gesellschaftskritik gekennzeichnet sind, mal meinen Blog erwähnt. Das hat mich gefreut und ich wollte den Menschen hinter dem Blog einfach mal „Hallo“ sagen. Gar nicht so leicht im Übrigen, denn die Dame ist gefragt und irgendwie war sie eine gefühlte Ewigkeit (bestimmt dank einer geheimen Verschwörung) irgendwie immer unpässlich.

Dann kam aber doch der Moment und ich sagte „Hallo“. Hallo Nina. Hallo Juramama. Aus dem Hallo wurde ein längeres Gespräch, das mir zeigte, dass ich nicht allein bin. Mein Kopf wusste das längst. Vom Verstand her war alles klar, doch mit dem Herzen begriff ich es in den letzten Wochen noch nicht. Danke Nina, denn gestern hat es bei mir auch im Herzen Klick gemacht.

Unverhofft verarztet bin ich wieder nach Hause gefahren. Es fing mit herzlichen, einnehmenden Umarmungen an und mündete in aufbauenden Gesprächen mit Gleichgesinnten. Ich habe meine Stimme wieder gefunden. Diese will ich nun viel mehr erheben, denn ich bin traurig. Vor allem aber bin ich wütend und diese Wut, die will ich nicht mehr im stillen Kämmerlein mit mir ausmachen. Diese Wut muss in produktive Bahnen gelenkt werden, denn ich bin nicht allein mit ihr. Diese Wut, die spüren auch andere. Doch ein paar Tage brauche ich noch für diesen (ersten) Text, in dem ich meine Wut entladen kann.

Ja, auch in der Elternbloggerwelt ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen. Es gibt auch Neid, Missgunst, Zickereien. Blogger und Bloggerinnen sind eben auch nur Menschen. All das blende ich nicht aus, doch meinen Blick richte ich nicht darauf, sondern auf die Solidarität, auf die Herzlichkeit, das Miteinander. Genau das tun im Übrigen die meisten von uns unentwegt. Gemeinsam sind wir stärker. Nicht nur gegen Hate Speaker, nicht nur im Kampf um Kooperationen. Wir können Themen setzen, zum Nachdenken anregen, aufschreien – und genau das sollten wir viel mehr tun.

Icke mit Gordana

 

Icke mit Bella
Icke mit Nico

 

By | 2017-10-06T23:28:43+00:00 Mai 6th, 2016|Welten in denen wir leben. Reell und virtuell|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

No Comments

  1. Working Mom 6. Mai 2016 at 18:54 - Reply

    Genau damit "Wir können Themen setzen, zum Nachdenken anregen, aufschreien – und genau das sollten wir viel mehr tun." hast Du so recht. Und genau das Gefühl hatte ich gestern auch.

  2. Frl. Null.Zwo 6. Mai 2016 at 21:16 - Reply

    <3

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