Wer seid ihr? Wie seid ihr? Wo geht es hin?

//Wer seid ihr? Wie seid ihr? Wo geht es hin?

Wer seid ihr? Wie seid ihr? Wo geht es hin?

Es ist der Morgen des 31.12.2016. Silvester. Vielen mögen schon seit Tagen nach einem Rückblick suchen. Ob persönlich oder gesellschaftlich, egal. Mir ist nach keinem Rückblick. Ich habe mein Jahr 2016 sehr gut vor Augen und auch was hier in Deutschland oder der Welt geschehen ist, kommt mir nicht erst beim Ausklang eines Jahres wieder in den Sinn.

Ich will keinen Rückblick, ich will einen Ausblick. Keinen Ausblick nur für mich, sondern vor allem einen für meine Tochter und mein ungeborenes Kind.

Perspektiven haben, Perspektiven zeigen, Perspektiven leben

Meine Aufgabe als Mutter ist es, meine Kinder zu lieben und stark für das Leben da draußen zu machen. Ich gebe mein Bestes, aber dennoch werden sie kommen. Die Fragen.

Fragen, die ich nicht beantworten werde können, die ich aber gerne beantworten würde. Fragen, für die es vielleicht keine einzig richtigen, wahren Antworten geben mag, aber die dennoch Antworten bedürfen. Ich brauche Perspektiven, die ich meinen Kindern zeigen kann. Zukunftsperspektiven. Nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich.

In was für einer Gesellschaft wollen wir eigentlich leben? Und in welcher Gesellschaft werden wir leben, wenn wir statt zu gestalten, uns immerfort treiben lassen?

Ich wünsche mir eine Politik, die voranschreitet. Eine Politik, die proaktiv gestaltet, weil sie ein großes Bild vor Augen hat. Ein Bild von einer möglichen Zukunft, die es wert ist, dass man für sie eintritt. Eine Politik, die ich mitgestalten will, weil ich an sie glauben kann.


Ich wünsche mir Politikerinnen und Politiker mit Haltung. Mit einer Haltung, die nicht tagesaktuell den Stimmungsschwankungen potentieller Wählerinnen und Wählern folgt, sondern die auch gegen Windmühlen ankämpft und die auch dann Position bezieht, wenn der Gegenwind bedrohlich wirkt.

Was habt ihr wirklich zu sagen? Ich kann euch nicht hören. Wo steht ihr mit euren Ideen und Zielen? Ich kann euch nicht sehen. Wie wollt ihr die Gesellschaft gestalten? Ich kann euch nicht fühlen.

Ich will euch aber hören, sehen und fühlen.

Fangt wieder an zu sein

Die AFD vermag etwas, das ihr liebe Altparteien, liebe SPD, Grünen, CDU/CSU, Linke oder FDP, schon sehr lange nicht mehr vermögt: Sie schafft Zukunftsbilder, die für immer mehr Menschen erstrebenswert erscheinen.

Ich stehe hier und diese entworfenen Zukunftsbilder, gebaut auf einem Fundament aus Angst und Hass, schnüren mir die Kehle zu. In einer solchen Zukunft will ich nicht leben. Aber was noch viel wichtiger ist: In einer solchen Zukunft sollen meine Kinder nicht leben.

Liebe demokratische Parteien, liebe Politiker abseits des rechten Spektrums, fangt wieder an, wer zu sein. Fangt wieder an, von Herzen etwas zu wollen und auch dafür einzustehen. Hört auf damit, Substantive ohne greifbaren Kern – ja ohne Substanz – zu gebrauchen. Hört auf, surreale Adjektive, die nicht (mehr?) berühren, als programmatische Ziele zu verkaufen.

Worthülsen. Ich will das nicht mehr.  Ihr habt euch verloren und dadurch auch irgendwie mich. ´

Ich weiß nicht, wofür ihr Parteien steht. Wenn ich meine Augen schließe, dann nehmt ihr keine eigenständige Formen mehr an. Alles verschwimmt und wechselt beständig die Farben. Ich liebe Buntheit, aber liebe Chaos, aber ich liebe auch Muster und Formen.

Doch so ganz weg bin ich noch nicht. Ich trage Hoffnung in mir. Vor allem für meine Kinder. Wer nicht mehr hofft, hat schon verloren. Wer nicht mehr hofft, für den bleibt nur noch Angst und Hass. Ich will aber keine Angst haben und ich will nicht hassen. Noch weniger will ich, dass meine Kinder von solchen Gefühlen durchs Leben geleitet werden.

Wir leben in einer Welt, in der die Komplexität schier explodiert, in der es keine einfachen Antworten mehr geben kann, weil alles mit allem zusammenhängt. Das darf aber nicht bedeuten, dass wir das 1000-Teile-Puzzle vom Tisch fegen und uns immer nur einzelnen Teilen zuwenden, statt das große Ganze in den Blick zu nehmen. Gerade wegen dieser immensen Komplexität brauchen wir doch ein großes Bild. Ein Bild, das klar vor uns schwebt und das zugleich trotzdem noch gestaltbar ist. Ein Bild, das Orientierung gibt, ohne alles festzuschreiben.

Bitte gebt mir wieder mehr Ausblick, mehr Weitblick, mehr Durchblick. Allein wird das aber nichts.

By | 2017-10-06T23:16:04+00:00 Dezember 31st, 2016|Welten in denen wir leben. Reell und virtuell|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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