Die ewige Suche nach dem Job – Vereinbarkeit gescheitert? (Gastbeitrag)

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Die ewige Suche nach dem Job – Vereinbarkeit gescheitert? (Gastbeitrag)

Dieser Blog widmet sich nicht nur in besonderem Maße der bedürfnisorientierten Be- und Erziehung zu und von Kindern, sondern auch dem Thema Gleichberechtigung und Vereinbarkeit. Für die meisten ist es sicherlich unstrittig, dass Frauen, insbesondere Mütter, noch längst nicht gleichberechtigt in der Arbeitswelt angekommen sind. Heute könnt ihr einen Erfahrungsbericht einer Mama und Bloggerin lesen, für die sich nach ihrer Schwangerschaft beruflich alles veränderte. Noch immer ist es viel zu wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit, welche Hürden Mütter bei ihrer Rückkehr in den Beruf zu überwinden haben. Erfahrungen wie die von Isa zeigen, dass gerade bestimmte Branchen noch einmal besonders erschwerte Bedingungen für Eltern mit sich bringen.

Und nun geht’s auch schon weiter zum Gastbeitrag!

Lieben Gruß

Jessi

 

Die ewige Suche nach dem Job – Vereinbarkeit gescheitert?

von Isa, Blog Lari Lara

Die ewige Suche nach dem Job – Vereinbarkeit gescheitert? | Kündigung nach Elternzeit, Befristungen, Jobabsagen | Terrorpüppi | Reflektiert, bedürfnisorientiert, gleichberechtigt

Ich arbeite gerne

Seit 2006 arbeite ich in der Kommunikationsbranche. Erst im Konzern, dann bin ich durch diverse Agenturen gegangen. Früher waren es Vollzeitjobs mit mehr als 50 Stunden reiner Arbeitszeit. Das war auch ok. Ich bin viel gereist und habe viel gelernt. Dann wurde ich (bewusst) schwanger und alles begann.

Die Schwangere muss weg

Frau + schwanger = ungewollte Arbeitnehmerin.
Meine damaligen Chefs setzten mich nach Bekanntgabe der Schwangerschaft aufs Abstellgleis. Meine Etats wurden mir entzogen, ich durfte meine Tür nicht mehr schließen und mit Kollegen reden sowieso nicht. Das Ziel war klar, die Schwangere muss weg, die wird eh nie wieder Vollzeit arbeiten. Das war auch gar nicht weiter schlimm, denn während der Elternzeit bewarb ich mich und hatte sogar zwei Jobangebote in Unternehmen.

Ein Neuanfang

Mein Mann bekam allerdings ein tolles Angebot aus Hamburg und wir zogen mit. Auch hier hatte ich sofort einen Job gefunden, befristet, 30 Stunden, aber fein. Eigentlich wollte ich nicht mehr als 20 Stunden arbeiten, aber ich ließ mich darauf ein und war glücklich. Eine PR-Agentur. Ich wurde vom ersten Tag angenommen, führte meine Kunden und verließ die Arbeit nie pünktlich. Kann man ab einer gewissen Position auch nicht mehr. Mir ging es gut, meine Tochter liebte den Kindergarten. Ich wurde fest angestellt. Alles also bestens.

Das 2. Kind

Dann wurde ich wieder schwanger. Auch geplant. Klar, ich war Mitte 30 und wenn nicht jetzt, wann dann. Ich arbeitete weiter, hatte Schwangerschaftsprobleme, war öfter daheim. Die Kunden der Agentur gingen oder kürzten die Budgets (nicht wegen mir J) Und auch ich wurde gekürzt. Gestrichen. Ausradiert. Am ersten Tag nach meiner Elternzeit kam ich voller Elan zur Arbeit und dachte, es gäbe ein Willkommensgespräch.

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Der Abgrund

Es war die Kündigung. Betriebsbedingt. Was ich mit einem Kind geschafft habe, schaffe ich auch mit zwei. Falsch gedacht. Nunmehr zahlreiche Bewerbungen und Gespräche später weiß ich, ich bin nicht gewünscht. In der PR-Welt musst du hart arbeiten. Überstunden schieben. Eine miese Bezahlung akzeptieren. Aber die Leistung bringen, wie eine Führungskraft in Vollzeit. Nur eben bezahlt wie ein Berufsanfänger. Du darfst ja glücklich sein überhaupt Arbeit zu bekommen.

Der Ausblick

Ich blieb aber nicht tatenlos sitzen. Ich mache ein Coaching, das mir zeigte, dass ich einen tollen Lebenslauf habe, tolle Referenzen und gute Chancen habe. Dass der richtige Job kommen wird. Und ich schöpfte Hoffnung. War wieder motiviert. Ich bin begeistert im Social Web unterwegs. Gerne würde ich auch in diese Richtung arbeiten. Kombiniert mit der PR. Also machte ich eine Weiterbildung. Setze mich täglich mehrere Stunden hin und lernte. Schrieb weiterhin Bewerbungen. Gehe zu Gesprächen. Die Kinder betreue ich am Nachmittag. Am Abend lerne ich und mache den Haushalt. Einmal die Woche arbeite ich für eine kleine Agentur. Ich bleibe also am Ball. Funktioniert. Die Abschlussarbeit ist fast fertig. Und dann?

Die Vereinbarkeit gescheitert?

Absagen. Absagen. Absagen. Erst nach 9 Monaten und über 100 Bewerbungen kam eine Zusage. In einem Unternehmen. Nahe an meinem Wohnort. Gute Bezahlung und in Teilzeit. Krux: Elternzeitvertretung. Es war für mich der Sprung ins Marketing, weg von Agenturen. So arbeitete ich viel, weit mehr als die vereinbarten Stunden, in der Hoffnung, eine Festanstellung zu bekommen. Der Job machte Spaß. Ich fühlte mich angekommen. Marketing und Kommunikation, tolle Kollegen, gute Atmosphäre. Doch dann der nächste Schlag. Man wolle keinen zusätzlichen Arbeitsplatz schaffen. Die Kollegin kommt aus der Elternzeit zurück und ich bin weg. Einfach so. Als wäre ich nie dagewesen. Ausgetauscht. Wieder einmal ausradiert.

Angst vor der Zukunft

Das Loch tut sich wieder auf. Ich falle. Wieder. Und ich frage mich, ob es in meiner Welt eine Vereinbarkeit gibt. Lassen sich Job und Kinder im Angestelltenverhältnis vereinbaren? Ich habe zwar schnell eine neue Arbeit gefunden, aber sie ist wieder eine Elternzeitvertretung. Die Angst und Ungewissheit schwebt wie eine Wolke ständig über meinem Kopf. Keine Zeit um Anzukommen und Runterzukommen. Immer diesen Geist im Nacken, der einen packt und ruft „was bringt die Zukunft?“

Status Quo

Mein Weg ist steinig – aber ich meistere ihn. Es ist hart und manchmal bin ich nah der Versuchung alles hinzuschmeißen. Meine Familie gibt mir die Kraft weiterzumachen, den Mut nicht zu verlieren.

 

Zu mir und meinem Blog:

Ich bin Isa, 39 Jahre und wohne mit meinen 2 Töchtern (3 + 7 Jahre alt) samt Mann in Hamburg. Studiert habe ich in Mainz, Amerikanistik, und bin nach einigen Praktika bei der Zeitung, beim Radio, beim Funk und in PR-Agenturen schließlich in der Kommunikationsbranche gelandet. Seit nun 2 Jahren zähle ich noch Marketing und Online-Marketing zu meinen Aufgaben.

Vor den Kindern bin ich gerne feiern gegangen, war auf Rock-Konzerten, bin Mountainbike gefahren. Ich war Leistungsturnerin und Amazone. Lang ist es her J. Mittlerweile versuche ich mal ein Buch zu lesen, joggen zu gehen oder Pilates zu machen.

Mein Blog Lari Lara (www.larilara.de) entstand während der Elternzeit und hat sich langsam entwickelt. Ich schreibe über alltägliche Dinge meines Lebens, über mich als Mama, Ehefrau und die Vereinbarkeit von Beruf & Familie. Wir sind aktiv, gerne draußen und reisen unheimlich gerne.

Ab und an gibt es aus Produkttests und Gewinnspiele auf dem Blog. Der Blog ist so abwechslungsreich wie unser wahres Leben.

Man findet mich auch bei Facebook, Twitter, Instagram & Pinterest. Wer mag, kann gerne vorbei schauen – ich würde mich freuen!

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By | 2017-11-05T21:58:49+00:00 Oktober 18th, 2017|Familie ist bunt. Arbeiten auch|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin. Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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