Mein Schreibaby verstehen und begleiten: Der geborgene Weg für High- Need- Babys. Eine Rezension

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Mein Schreibaby verstehen und begleiten: Der geborgene Weg für High- Need- Babys. Eine Rezension

Was tun, wenn man ein High- need- Kind bzw. Schreibaby hat? Ich habe seit vielen Monaten das gemeinsame GU Büchlein zum geborgenen Umgang mit sogenannten Schreibabys  von Anja Gaca und Susanne Mierau bei mir zu liegen. Durch zu viel Arbeit und zu wenig inneren Raum musste das Buch erstmal reif werden. Und nun las ich es relativ kurz, bevor ich das zweite Mal Mutter werde. Genau der richtige Zeitpunkt. Selbst als Psychologin und Therapeutin bin ich überzeugt von dem Buch und empfehle es gerne weiter. Was daran mir gefällt, lest ihr hier:

Schreibaby: zwischen Temperament und Umwelt

Anfänglich war ich zugegebener Maßen etwas skeptisch. Meine Skepsis bezog sich auf die Frage, wie die beiden das  nature- nurture- Problem lösen. Betroffene Eltern mit einem Schreibaby sind oftmals sehr leicht kränkbar und fühlen sich oft schnell mit Schuldzuweisungen konfrontiert. Die Balance ist anstrengend: einerseits gilt es Schuldzuweisungen zu minimieren und andererseits müssen die Eltern sich ihrer Verantwortung bewusst sein. Dieser Spagat gelingt den beiden Autorinnen außerordentlich gut. Es wird deutlich, dass sowohl das Temperament des Kindes, aber eben auch der Umgang von Seiten der Eltern damit eine wesentliche Rolle bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von ausgeprägtem Schreien eine große Rolle spielen. Es ist den beiden möglich, in einer klar verständlichen und zugänglichen Sprache eine Wissensgrundlage zu vermitteln.

Dreimonatskoliken? Gebärmutterheimweh!

Besonders gut gefällt mir, dass mit dem gängigen Vorurteil, das Baby habe in den ersten drei Monaten „einfach nur“ Schwierigkeiten bei der Anpassung der Darmleistung, kritisch ins Gericht gegangen wird. Zwar betonen die Autorinnen, dass manche Babys sehr empfindsam und leicht irritierbar auf innere, körperliche Vorgänge reagieren, allerdings bieten sie auch eine Bandbreite anderer Ursachen an. Das Gebärmutterheimweh zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch.

Verinnerlicht man dieses Bild des behütenden inneren Raums in der Mutter, so wird klar, was ein kleines Baby braucht, was aus seiner haltenden und schützenden Hülle herausgekommen ist. Ich bin verzückt, wie es den Autorinnen gelingt, die Bedürfnisse eines Kinder darzustellen.

Ressourcen der Eltern

Gleichermaßen ist es ihnen wichtig, auch die elterlichen Ressourcen zu beleuchten und auch ganz praktische Tipps zur Selbstregulation zu geben. Dabei fließen nebenbei unbeschwert wichtige Fakten ein, ohne dabei belehrend oder abgehoben zu wirken.

Besonders gefällt mir dabei eben, dass das Wechselspiel zwischen Eltern und Kindern eine große Bedeutung bekommt. Auch wenn jedes Kind mit einem spezifischen Temperament auf die Welt kommt und manche Kinder wesentlich irritierbarer sind als andere, so ist es an den Eltern sich auf diese Kinder einzustellen. Das ist sehr schwierig und kann zu großen Selbstzweifeln führen. Die Situation ist nun mal, wie sie ist und mit dieser Situation muss irgendwie umgegangen werden. Susanne und Anja helfen dabei, die kindliche Ausdrucksweise besser zu verstehen, wodurch Eltern sich kompetenter fühlen können. Die Überzeugung von „ich schaffe das“ ist wichtig, auch wenn natürlicherweise immer wieder Zweifel auftauchen werden. Aber diese Zweifel sind ebenfalls wichtig, denn sie helfen, sich selbst neu zu verorten und zu überprüfen, ob vielleicht etwas verändert werden muss.

Wahrnehmen, verstehen und dann handeln

Die Trias von „wahrnehmen, verstehen und handeln“ wird in diesem Buch gut aufgearbeitet. Eltern, die unter großem Druck stehen, probieren sehr vieles aus. Das hat oftmals eine nachteilige Wirkung und frustriert noch mehr. Teufelskreise entstehen so sehr schnell. Die beiden Autorinnen zeigen auf, was Gründe für ein ausdauerndes Weinen sein können und wie feine Anzeichen gedeutet werden können. Erst nach diesen beiden Schritten kann auch eine angemessene Handlung erfolgen, die sich meist auch aus dem verstandenen Bedürfnis heraus logischerweise ergibt.

Fazit

Das Buch halte ich für eine optimale Grundlage für alle Eltern, die mit dem Ausdruck ihres Babys durch Schreien und Weinen irgendwie unglücklich sind. Es legt einen klar umrissenen Grundstein mit dem wesentlichen Wissen, um zu verstehen, warum Babys weinen und wie sie darin hinreichend gut begleitet werden können.

 

Auf unserem Blog findet ihr hier einen Artikel zum Thema „Schreibaby“ mit weiteren Links zu Erfahrungsberichten.

 

By |2018-10-11T20:56:50+00:00Oktober 11th, 2018|Categories: Allgemein, Bücher für Eltern|Tags: , , |0 Comments

About the Author:

Als Madame FREUDig schreibe ich seit Juni 2017 bei meiner langjährigen Freundin Jessi auf ihrem Blog Terrorpüppi als Co- Autorin. Ich bin Psychologin, Psychotherapeutin, Psychoanalytikerin, aber auch selber Mutter und will daher gerne bestimmte entwicklungs- und beziehungsrelevante Themen mit einem fachlichen Hintergrund nahebringen. Die Eltern von heute sind die Kinder von früher und in jedem lebt dieses Kind von damals noch. Meine Texte sind daher doppeldeutig: einerseits sollen sie helfen, Kinder zu verstehen und ihnen empathisch begegnen zu können und andererseits richten sich die Texte auch an den Erwachsenen, der sich selbst und sein inneres Kind zu verstehen und liebevoll zu begleiten versucht. Für mehr Infos: http://www.terrorpueppi.de/madame-freudig

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