Mein Vögelchen wird flügge

//Mein Vögelchen wird flügge

Mein Vögelchen wird flügge

Nach einer anstrengenden Arbeitswoche, die erst am Samstag um 17Uhr für mich endete, gab ich mir noch die volle Dröhnung und habe mit vollem Einsatz des Püppi-Vaters den Sonntag dafür genutzt, das Kinderzimmer überhaupt erst zu einem solchen zu machen. Der Beschluss des Familienrats liegt schon eine kleine Weile zurück und nun wird er umgesetzt: Die Püppi muss ausziehen. Ausziehen in die große weite Welt unserer Wohnung. In ihre eigenen vier Wände. Von nun an ist sie eine große Püppi. So hoffen wir es jedenfalls. Schon längst haben wir nämlich das Gefühl, dass wir ihren Schlaf noch mehr stören als sie unseren. Auch wenn ich in manchen Nächten nicht so recht in der Lage bin, diese Zweiseitigkeit unserer Schlafbeziehung unmittelbar zu erkennen, da ich dann schon dabei bin, mich selbst umfassend zu bemitleiden. Wenn ich sehnsüchtig im Dunklen sitze, das Fläschchen zubereite, es der Püppi dann kauernd vor dem Bett reiche und mir die Augen immer und immer wieder zufallen, dann muss ich zugeben, denke ich allein an meinen Schlaf oder vielmehr an den, den ich gerade nicht bekomme.

Das Zimmer jedenfalls ist natürlich immer noch nicht völlig fertig, so fehlen beispielsweise noch all die wilden Tiere an den Wänden. Aber es ist eindeutig schon als Kinderzimmer zu erkennen. Kindersicher ist es auch noch nicht. Das jedoch liegt einzig und allein daran, dass Nachbarn so im Allgemeinen die Angewohnheit haben, sonntags keine Bohrmaschinen zu mögen und wir um vorauseilenden Gehorsam davon ausgehen, dass wir Nachbarn haben, die so sind wie im Allgemeinen Nachbarn eben sind. Noch also könnte die Terrorpüppi vom Regal erschlagen werden, sofern sie versuchen würde, sich an diesem hochzuziehen. Aber sie schläft ja im Baby-Knast und aus dem wird nicht einfach ausgebrochen! Ja als Babyknast bezeichne ich ihr Bettchen derzeit gerne. Denn das ist die einzige Analogie, die mir morgens in den Sinn kommt, wenn sie mich durch die Gitterstäbe hindurch anblickt, immer wieder dran rüttelt und drauf rumklopft. Tja, und nun bekommt sie halt auch noch die passende Zelle dazu.

By | 2017-10-07T11:00:17+00:00 Juli 20th, 2014|Blogchroniken|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin. Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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