Donnerstag, 8. Juni 2017

Diese Sache mit dem Weinen... Warum Fremdregulation so wichtig ist

Letzte Woche war ich Samstag früh auf einem Spielplatz und zum wiederholten Male beobachtete ich etwas, was mich nachdenklich stimmte.

Da spielte ein Vater mit zwei etwas älteren Mädchen und turnte, während das kleine Baby, ich schätze es auf etwa 3- 4 Wochen, im Kinderwagen schlief. Plötzlich fing das Baby zu weinen an. Ein relativ verträgliches Weinen, was aber anzeigte, irgendwas stimmt gerade nicht. Nach einer gewissen Zeit ging der Vater hin und schuckelte den Kinderwagen. Weiterer Protest, dann etwas ruhiger und der Vater entfernte sich... Nun erneut ein starkes, wimmerndes Weinen. In meiner Gegenübertragung fühlte ich eine ansteigende Not, die sich in den nächsten zehn Minuten in Panik steigerte. Schrilles Brüllen. Das Baby blieb liegen und der Vater schaukelte den Wagen, ohne sein Kind körperlich oder mit seiner Stimme oder seinem Geruch zu beruhigen.


Was war da passiert?


Zunächst einmal eine Begriffsklärung. Gegenübertragung ist das Phänomen, sich von den Gefühlen eines Anderen erreichen zu lassen. Freud drückte sie als den „[Einfluss des Patienten auf das unbewusste Fühlen des Arztes]“ aus.  Inzwischen wird die Gegenübertragung aber auch als das gesehen, was der Analytiker allgemein im Bezug auf den "Patienten" empfindet. Früher nahm man an, nur der Patient überträgt etwas (also salopp gesagt seine Erfahrungen) auf den Analytiker. Als Analytiker hat man selber Jahre über Jahre auf der Couch verbracht und ist daher bestenfalls in der Lage, die eigene Subjektivität wahrzunehmen und sie in den Kontext zu dem jeweils Anderen zu stellen und so eher auch das wahrzunehmen, was der Andere unbewusst in die Welt projiziert. Ich stelle mir daher oft die Frage: ist das gerade mein oder sein/ ihr Thema oder gar beides und was bedeutet das?
Übertragungen und Gegenübertragungen sind im Alltag genauso erspürbar wie in der therapeutischen Situation.

Auf dem Spielplatz war ich zunächst ein wenig ärgerlich, weil der Vater sich so viel Zeit ließ, ehe er reagierte, später wurde ich beunruhigt und noch später traurig und wir sind einfach resigniert gegangen. Wenn wir das als Gegenübertragung des Babys verstehen, könnte man annehmen, dass das Baby ähnliche Gefühle durchgemacht hat. Das Baby brauchte irgendetwas, von dem wir nicht wissen was. Es wäre notwendig gewesen, das herauszufinden, denn ein Baby in dem Alter braucht Hilfe, sofort. Mein Impuls war es natürlich, aufzustehen und zu intervenieren, aber das wäre schließlich grenzenlos übergriffig gewesen. Vielleicht war der Papa einfach nur mal wahnsinnig müde und konnte in dem Moment nicht anders reagieren. Aber dennoch will ich an dieser Situation und der Fantasie, dass das vielleicht oft passiert, etwas Wichtiges erklären:

Das viel besprochene Urvertrauen bedeutet nichts Anderes als: wenn ich in Not bin, kann ich mich darauf verlassen, nicht allein zu sein. Im Leben hilft dieses Grundgefühl, auch wenn real niemand anwesend ist, aber in uns drin wissen wir: es gibt dieses Gute und wir könnten Hilfe bekommen. Das beruhigt. Es beruhigt, weil wir diese Erfahrung gemacht haben.
Babys, die nicht angemessen und feinfühlig beruhigt werden, werden vielleicht so genannte Schreibabys oder sie werden still und die Eltern freuen sich, sehr zum Schaden der Kinder, über diese braven und lernwilligen Geschöpfe. Das entspricht dem verhaltenstherapeutischen/ lerntheoretischen Ansatz: unangemessenes Verhalten sollte nicht beachtet werden, sonst üben Kinder/ Menschen damit Druck aus, weil es ja erfolgreich ist. Die Konsequenz auf ein Verhalten trägt demnach maßgeblich zu dessen Auftretenswahrscheinlichkeit bei. Was aber schlägt sich da im seelischen Innenleben nieder? Die Analytiker sprechen hier von den inneren Selbst- und Objektrepräsentanzen, Bolwby (der die Bindungstheorie entwickelt hat, aber auch Analytiker war) nennt es die inneren Arbeitsmodelle: wir speichern sozusagen innerlich die Erfahrungen ab, wie mit uns umgegangen wurde (Objektrepräsentanzen) und wie wir uns dabei gefühlt haben (Selbstrepräsentanzen). Wir erinnern uns meistens nicht bewusst an solche, besonders frühen (bis zum Eintritt der Sprache) Erfahrungen, aber deswegen sind sie nicht minder da. Man spricht von strukturellen Störungen, wenn Menschen nicht in der Lage sind, bestimmte Funktionen einzusetzen.
Es kann zu Störungen in einzelnen oder mehreren Bereichen kommen. Zu diesen Störungen kommt es nicht, weil man sein Kind mal vor den Fernseher setzt, weil man vollkommen fertig ist und schnell was erledigen muss, sondern wenn insgesamt eine Atmosphäre herrscht, die ein gesundes Gedeihen verunmöglicht, weil permanent wichtige Bedürfnisse unbeantwortet bleiben. Und hier wird es eben wichtig, wie ich auf mein Kind reagiere, wie ich mit seinen Gefühlen und dessen Ausdruck umgehe...




Wie bildet sich eine sichere Bindung und Urvertrauen aus?


Wir kommen als Menschen ziemlich unreif zur Welt und sind nicht nur bezüglich der klassischen Bedürfnisse Hunger etc. auf andere angewiesen. Wir brauchen Eltern/ Bezugspersonen, die feinfühlig, angemessen und prompt reagieren. Dabei ist ein permanentes Unterreagieren genauso folgenreich wie ein permanentes Überreagieren. Der Vater vom Spielplatz hat anfänglich ganz gut reagiert: Minimalintervention, indem er in den Wagen schaute, Kontakt aufnahm und offensichtlich glaubte, ein Schaukeln des Wagens würde helfen, was ja tatsächlich dazu führte, dass das Kleine sich selber gut regulieren konnte. Aber es reichte nicht und das Baby hätte dann mehr gebraucht. Das hat es sehr deutlich gezeigt und durch ein verändertes Weinen hin zum Brüllen zum Ausdruck gebracht. Warum der Vater dann nicht in der Lage war, weiter zu suchen und zu probieren, weiß ich natürlich nicht. Ich hörte und spürte nur die Konsequenz: eine wachsende Not des Babys.

Ein Baby teilt sich durch sein Weinen, seine Körpersprache, sein Lautieren mit. Die meisten Menschen reagieren intuitiv kompetent und wenden sich dem Baby zu und suchen (!) nach Lösungen. Es ist nicht schlimm, wenn ein Baby weint. Es muss nur ernst genommen werden und zwar nicht deshalb, weil es dann sofort aufhört zu weinen, sondern weil es durch ein noch überhaupt nicht selber händelbares Gefühlswirrwarr begleitet wird und so ein Selbstbild entwickelt, was beinhaltet: ich bin nicht allein und ich bin es wert, dass mir jemand zu Seite steht. Ich kann mich darauf verlassen, dass jemand da ist, wenn ich nicht weiter weiß.


Wenn Babys Kleinkinder werden


Werden nun diese kleinen Babys größer, verändert sich auch das Weinen und das Maß, wie wir darauf reagieren sollten. Ab und an merkt man, dass Kinder nun weinen, weil sie enttäuscht oder wütend sind und sich vielleicht inkompetent, hilflos und unverstanden fühlen. Es wird immer wichtiger, dem Kind die Möglichkeit zu geben eigene Regulationsfähigkeiten auszubauen. Das heißt, dass ich als Begleiter da bin und dem Kind helfe, sich selbst zu regulieren. Es ist schon eine ziemliche Herausforderung herauszufinden, wie viel Hilfe ein Kind in der jeweiligen Situation braucht, aber den meisten Eltern gelingt das meistens gut. Ein ganz kleines Kind wird sich nicht nur vom Wagen schuckeln beruhigen lassen, wenn es außer sich ist. Natürlicher Weise frustrieren alle Eltern ihre Kinder, indem sie eben nicht immer wissen können, welches Problem aktuell besteht und was das Kind dann braucht. Ein einjähriges Kind wird dann womöglich wütend, weil Mama einfach nicht weiß, dass das Brot heute auf keinen Fall mit Marmelade beschmiert werden darf, zumindest in den nächsten 10 Minuten nicht. Das ist zwar sehr anstrengend für uns Eltern, aber von Seiten des Kindes doch vollkommen nachfühlbar. Es hat schließlich einen Plan. Als Erwachsene denken wir: Himmel, dann sag doch was du willst, wie soll ich denn das wissen, aber das Kind weiß nicht, dass wir das nicht wissen. Das müssen wir ihm über die Jahre zeigen. Die so genannte Selbst- Objekt- Trennung (du bist wer anders als ich und ich ich weiß, dass du andere Bedürfnisse haben könntest als ich) geschieht nicht von jetzt auf gleich. Mit etwa 18 Monaten wird das Kind sich dieser Trennung gewahr und das sorgt für ziemlich starke Ängste: wenn Mama nämlich anders ist als ich, dann kann sie machen, was sie will und dann kann sie mich auch einfach verlassen. Das ist eine Zeit, in der viele Kinder, die sicher gebunden sind, sehr anghänglich werden und in der Mama wieder ganz nah gebraucht wird. Aber gleichzeitig wissen die Kleinen auch, dass es toll ist, etwas alleine zu erkunden: ein ständiges Hin- und Her zwischen "komm/ bleib und geh" (die Wiederannäherungskrise). In emotional aufreibenden Momenten, wenn ein Kind erregt ist, bricht vielleicht zusammen, was das Kind vorher schon konnte. Prinzipiell ist es wichtig zu wissen: in besonderes emotionalen Situationen (wütend sein, erregt sein, traurig sein, frustriert sein, hilflos sein etc.) kommt es oft zur Regression, also Stufen der Entwicklung, die eigentlich schon erklommen wurden stehen nicht mehr zur Verfügung. Klassisch denke ich an Kinder, die wieder einen Schnuller oder Windeln tragen, wenn ein Geschwisterkind zur Welt kommt. Sie könnten einfach sagen: ich bin so eifersüchtig, habe Angst, dass keiner mehr auf mich achtet. Aber weil die Gefühle so stark sind, geht das nicht. Es ist unsere Aufgabe als Eltern, auf so etwas zu achten und dem Kind zu spiegeln: du bist gerade ziemlich verzweifelt, weil du Angst hast. Das verstehe ich. Genau diese Haltung "ich versuche, dich zu verstehen" ist das, was unsere Kinder brauchen. Wenn wir verstehen, warum sie erregt, wütend, traurig, hilflos etc. sind, wenn wir nachfühlen, wie sich etwas aus ihrer Sicht (auf der Basis ihrer zu dem Zeitpunkt vorhandenen Fähigkeiten) anfühlt und wir das für sie versprachlichen, vielleicht auch handeln, dann ist ein ganz wesentlicher Grundstein gelegt.

In einem ganz aktuellen Artikel von Krause (2017) in der Fachzeitschrift Psyche, schreibt er:
"Das Selbst ist sozusagen die innere Folgeinstanz der mütterlichen Affektregulierung" (S. 465, Psyche, Heft 6, Affektpsychologische Überlegungen zu Seinformen des Menschen)

Das schließt natürlich den Vater mit ein, davon gehe ich jetzt mal aus, auch wenn hier primär mal wieder die Mutter genannt wird. Sollte ein Kind fremdbetreut sein, dann muss natürlich diese Betreuungsperson die Regulierung übernehmen.


Was passiert, wenn niemand reguliert?


Gehen wir in unserem Beispiel mal davon aus, dass der Vater immer so auf das Weinen, auf die Äußerungen des Babyse reagiert, dann wäre es durchaus denkbar, dass das Kind psychische Schäden davonträgt. Wenn die Mutter aber kompetent ist, ist das ein wichtiger Schutzfaktor.
Wenn aber nicht, dann kann es durchaus passieren, dass dieses Kind eine so genannte frühe Störung oder auch strukturelle Störung entwickelt. In der psychodynamischen Theorie (darauf bauen die Psychoanalyse und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie auf) wird zwischen einer Strukturstörung, einer konfliktbasierten und einer traumabezogenen Störung unterschieden (siehe Rudolf, 2014).

Strukturelle Störungen entstehen, weil in der ganz frühen Beziehung (bis etwa drei Jahre) zwischen Baby und Eltern ganz grundlegend etwas schief läuft und diese heranwachsenden Menschen in folgenden Aspekten (Strukturmerkmale, Struktur- Achse nach OPD 1) Schwierigkeiten haben, da sie darin von ihren Eltern nicht hinreichend unterstützt wurden:
- Selbst- und Fremdwahrnehmung
- Selbstregulierung und Regulierung des Objektbezugs (also wie kann ich auf jemanden Anderen empathisch einwirken, ihn vielleicht auch regulieren: brülle ich mit, wenn ich angebrüllt werde oder kann ich beruhigend auf jemanden eingehen)
- Kommunikation nach innen (gibt es in mir einen psychischen Raum, in dem ich über Probleme nachdenke und Fantasien habe oder muss ich gleich handeln, ohne nachzudenken) und nach außen (kann ich mich jemand Anderem in meinem Befinden mitteilen und verständlich machen)
- Bindung an innere Objekte (z.B. wenn ich alleine bin und mich an wichtige Personen erinnere und mich dadurch geborgen fühle ) und Bindung an äußere Objekte (kann ich stabile Beziehungen eingehen und aufrechterhalten)

Das sind also die strukturellen Fähigkeiten, die wir bestenfalls als Babys und Kleinkinder durch einen hinreichend kompetenten Einfluss unserer primären Bezugspersonen erlangen. Ganz schön tragisch, wenn das schief geht, oder?


Warum dieser Text?


Mir war es ein Anliegen, mal ein wenig aufzudröseln, warum es eigentlich so schädlich ist, wenn man sein Kind schreien lässt- angestoßen wurde das durch Kommentare, die ich kürzlich auf einen anderen Beitrag hin gelesen habe und was man häufig hört: "mein Kind weiß doch, dass ich da bin", "es lernt doch sonst nicht, sich selbst zu beruhigen, wenn ich immer gleich da bin". Ich hoffe, dass ich deutlich machen konnte, dass es immer darum geht angemessen auf die feinfühlige Wahrnehmung der kindlichen Not zu reagieren und dass Kinder, inbesondere Babys, nicht in der Lage sind, sich selber bei hoher emotionaler Erregtheit zu regulieren. Größere Kinder, bei denen das versäumt wurde, werden das auch nicht können und bräuchten daher weiter diese beschriebene Begleitung, vielleicht sogar therapeutisch.

Was ich schön geschrieben und vorallem substantiell finde, findet ihr hier beim "Gewünschtesten Wunschkind".

Und hier bei "Geborgen wachsen" könnt ihr nochmal die Auswirkungen auf das Hormonsystem bzw. das zentrale Nervensystem nachlesen, außerdem findet ihr unten eine Literaturliste.


Literatur


(implizit erwähne ich einige Konzepte, zb. das der Wiederannäherung/ -skrise von Mahler, aber allzu theoretisch soll es hier nun auch nicht werden und so bitte ich bei Fragen zur Verwendung unklarer Termini einfach einen Kommentar zu hinterlassen):

Freud, S. (1910) Die zukünftigen Chancen der psychoanalytischen Therapie. Kleine Schriften II - Kapitel 43. Über: http://gutenberg.spiegel.de/buch/kleine-schriften-ii-7122/43

Krause, Rainer (2017 Affektpsychologische Überlegungen zu Seinsformen des Menschen. Psyche, 6, pp 453-478

Rudolf, G. (2014) Psychodynamische Psychotherapie: Die Arbeit an Konflikt, Struktur und Trauma. Schattauer Verlag



Au revoir, Madame FREUDig



Kommentare:

  1. Gut recherchierter Artikel, vielen Dank. Ich wünschte nur, Sie würden die Schreibabys nicht so in einem kurzen Nebensatz mit Babys gleichsetzen, auf die nicht feinfühlig genug eingegangen wurde. Die hier angedeutete Kausalität macht mir echte Bauchschmerzen. Da wird leider Tür und Tor aufgemacht für das Argument, Eltern seien ja selbst schuld, wenn sie ein Schreibaby haben, weil sie eben ihren "Job" als Eltern falsch machen. Das ist schlicht nicht wahr. Soetwas zu lesen kann sich bei verzweifelten Jungeltern furchtbar auswirken.

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  2. Genau das mit den Schreibabys ist mir auch direkt sauer aufgestoßen. Mein einer Sohn hatte eine dreiwöchige Schreiphase. Vier Stunden brüllen am Abend war die Regel. Ich probierte wirklich alles, alle Grundbedürfnisse waren erfüllt, er schrie trotzdem. Also saßen mein Mann und ich abwechselnd mit dem schreienden Kind auf dem Arm da, bis er einschlief. Wiegen, summen, gehen, wippen nichts half. Wir haben wirklich alles in unserer Macht stehende getan und ich würde mir ungerne vorwerfen lassen ich hätte mein Kind ignoriert.
    Zum Glück war die Geschichte nach 3 Wochen ausgestanden. Keine Ahnung was Eltern tun, bei denen das mehrere Monate so geht.

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  3. Ich finde den Artikel grundsätzlich gut. Allerdings habe ich wie meine Vorredner auch große Bauchschmerzen mit der Aussage:
    "Babys, die nicht angemessen und feinfühlig beruhigt werden, werden vielleicht so genannte Schreibabys"
    Ja, es steht "vielleicht" dort und ja, ich hätte möglicherweise früher auch so gedacht. Aus eigener Erfahrung heraus kann ich sagen: ich habe auf meine beiden Kinder gleich feinfühlig reagiert und eins war von Beginn an ein Schreibaby, das andere nicht. Der Text berücksichtigt meiner Meinung nach nicht ausreichend, dass Kinder mit sehr (!) unterschiedlichen Fähigkeiten zur Selbstregulation schon zur Welt kommen und sich dies auch im Laufe der Kindheit fortsetzt. Das sehe ich bei meinen beiden Kindern Tag für Tag sehr deutlich. Die Veranlagung ist "festgelegt" und man muss sich individuell darauf einstellen, was genau ein bestimmtes Kind an Fremdregulation braucht. Das kann bei Geschwistern sehr verschieden sein.
    Ansonsten guter Text.
    Viele Grüße!

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  4. Danke für euer Feedback, ich beantworte es mal rasch gesammelt, da es zum gleichen Thema ist! Ja, genau, Kinder sind sehr verschieden und daher brauchen unterschiedliche Kinder unterschiedlich viel Regulation von außen. Ich werde in den nächsten Tagen auf das Thema "Schreibaby" eingehen. Ich merke, dass das für viele Eltern ein sehr schambehaftetes Thema ist und viele (Versagens-) Ängste aufgreift.
    Die Wahrscheinlichkeit, dass ein dysreguliertes Kind ein "Schreikind" wird, ist nicht ganz gering. Nicht jedes Schreikind hat per se Eltern, die nicht feinfühlig sind, absolut richtig! Winnicott sagt sehr schön: So etwas wie ein Baby gibt es nicht... (There is no such thing as a baby...)
    Das heißt, dass ein Kind immer im Kontext mit seinen Eltern zu sehen ist, mit seinem Bezugssystem. Sonst wird nämlich etwas am Kind falsch, es wird zum Sündenbock (siehe im Text zu Objekt- und Selbstrepräsentanzen).
    Ich glaube auch, dass jeder nachvollziehen kann, dass wenn ein Kind mehrere Stunden am Tag mehrere Tage lang über mehrere Wochen (Dreier- Regel für die Diagnose) schreit, die eigenen Regulationsfähigkeiten wahrscheinlich am Boden sind. Das ist kein Versagen!! Das ist keine Schuld!!
    Schreien ist ja erstmal etwas Kommunikatives, etwas sehr Gutes und Wichtiges. Es gibt Kinder, die sehr schwer zu verstehen sind, die sehr ambivalente Signale senden und das verwirrt. Das läuft gar nicht nur auf der bewussten Ebene, sondern auf der unbewussten.
    Ich habe das oft so erlebt, dass nach der Geburt eine große Enttäuschung vorliegt, dass es eben nicht so perfekt ist, wie man sich das vorher erträumt hat. Und dann fängt das Baby auch noch (aus verschiedenen Gründen) irgendwann an zu weinen und hört nicht auf. Das ist ziemlich, ziemlich schrecklich für die Eltern... es zermürbt, es bereitet Selbstzweifel und vieles mehr.
    Es kommt zum Teufelskreis: Mama merkt: oh Gott, es fängt schon wieder zu weinen an. Diese Anspannung spürt das Baby und ist verunsichert. Mama steht total unter Druck und ist in dem Moment ja gar nicht mehr richtig bei sich und das Beruhigen fällt immer schwerer. Das Baby spürt und riecht das quasi. Es kommt sozusagen zu einer gegenseitigen Enttäuschung.
    Es gibt Kinder, die sich sehr schwer beruhigen lassen und das macht es den Eltern sehr schwer, sich kompetent zu fühlen. Da brauchen die Eltern dann ebenfalls eine feinfühlige Begleitung, die gemeinsam erkundet, was das Baby braucht.

    Liebe Grüße!
    Madame FREUDig

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    1. Vielleicht eine kleine Ergänzung: es geht nicht um falsch oder richtig, es geht erstmal darum, sich davon frei zu machen und einen Raum zu schaffen, um zu verstehen.

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