Vom Entschluss, nachts abzustillen

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Vom Entschluss, nachts abzustillen

Wir stillen nachts noch und ich werde (spät abends und) nachts abstillen. Dabei ist mein Sohn kein schlechter Schläfer. War er nie und ist es mit seinen fast 18 Monaten noch immer nicht. Oft sogar schläft er etwa von Mitternacht bis 6 Uhr morgens durch. Und doch: Unsere Stillsituation zehrt an mir. Seit einiger Zeit hadere ich mit dem Stillen und zugleich ist das vollständige Abstillen für mich nicht Thema. Zudem trinkt er immer häufiger, manchmal auch nachts, endlos lang. Er weckt mich dadurch richtig auf (oder hindert mich am Einschlafen).

Vom Entschluss nachts abzustillen | Bild: ich liege mit meinem Sohn im Bett, er an der Brust | Terrorpüppi | Reflektiert, bedürfnisorientiert und gleichberechtigt

Damit Stillen Liebe bleibt

Mein Sohn stillt gerne. Mittlerweile kaum noch zur Nahrungsaufnahme, sondern vorwiegend zur Stressregulation, zum Liebe tanken und einfach, weil es ihm Freude bereitet (Hier hat auch schon Madame FREUDig über die Lust am Stillen gebloggt). Ich stille auch gern und doch: Unsere Stillbeziehung hat sich geändert. Widerwillen steigt in mir auf, wenn er plötzlich an meinem Oberteil rupft. Bekommt er nicht gleich, was er verlangt, wird er stürmisch und laut. Zu fordernd, zu einnehmend für mich.

Ich spüre, dass ich meinen Körper wieder mehr für mich haben will. Stillen ist Liebe? So war es. Zunehmend jedoch erlebe ich Stillsituationen nicht mehr so. Damit Stillen aber Liebe bleibt, ziehe ich daher nun meine Grenze. Es ist keine ad Hoc-Entscheidung. Sie ist wohl überlegt – gegenüber Alternativen abgewägt. Was braucht er? Was brauche ich? …Und wie bringen wir das zusammen?

Schon seit einiger Zeit wird mein Sohn vom Papa ins Bett gebracht. Ich hingegen kann mich dann endlich wieder voll meiner Tochter widmen. Auch sie hat Bedürfnisse. Sie braucht ihre Mama ebenso. Wir kuscheln ungestört und lesen gemeinsam Gute-Nacht-Geschichten. Sie genießt es so sehr. Ich ebenso.

Nachts abstillen

Der endgültige Entschluss fiel gestern. Heute Abend ist es soweit. Ich werde mich hierzu mit meiner Tochter in ihr Kinderzimmer ausquartieren. Mal sehen, wie lange.

Mein Mann wird ihn beruhigen können, wenn ich – und die wohlige Milchquelle – nicht erreichbar sind. Die beiden schaffen das.

Wie es mit dem Stillen weitergeht

Und dann? Dann kann mein Sohn morgens, bevor ich zur Arbeit fahre, gerne wieder zum Stillen kommen. Oder nachmittags nach der Arbeit. Oder am frühen Abend. So wie er mag. Oder zumindest fast, denn unterwegs stille ich schon seit einiger Zeit nicht mehr in jeder erdenklichen Situation, in der es ihm danach verlangt. Für mich sind die Zeiten einfach vorbei, wo ich ihn im Supermarkt oder im Restaurant von jetzt auf gleich stille. Im Garten, beim Kinderarzt oder beim Picknick hingegen, kein Problem. Kein Problem, weil es dann nicht nur ihm, sondern auch mir gut passt. Passt, weil es sich gut und richtig anfühlt.

Unsere Stillbeziehung hat zwei Seiten. Zwei Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Sehr lange habe ich die meinigen zunächst vollständig den seinigen untergeordnet. Stück für Stück musste er lernen, auch mal zu warten oder früher aufzuhören – doch sein Stillbedürfnis stand bisher noch immer über meinem Bedürfnis, meinen Körper für mich haben zu wollen, Unabhängigkeit zurück zu erobern. Jetzt aber, muss ich um meinetwegen diesen Schritt gehen, damit wir weiterhin eine schöne Stillbeziehung miteinander haben können. Wir schaffen das: Wir stillen nicht ab, sondern finden nur neu zusammen.

Eure Jessi

 

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By |2018-08-26T14:38:39+00:00August 26th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Miterleben und Mitfühlen|Tags: , , |3 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, promovierte Soziologin, Bloggerin. Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

3 Comments

  1. Momo 26. August 2018 at 22:42 - Reply

    Hallo Jessi! Du sprichst mir aus der Seele…
    Ich stille meinen 2,5 Jahre alten Sohn meistens nur noch nachts – unsere Regel lautet: Muttermilch gibt es im Bett! Er hat nämlich auch in allen möglichen Situationen tagsüber lautstark nach Muttermilch verlangt („ICH, MUTTERMILCH JETZT!!!)
    Jetzt wird es mir langsam zuviel, ich möchte gerne richtig endgültig abstillen. Mein Problem ist aber, dass ich seit der Geburt (selbstgewählt) alleinerziehend bin, d.h. ich habe nachts niemanden, der ihn beruhigen könnte. Deswegen bin ich bisher etwas ratlos (und unkreativ?), wie ich das abstillen bewerkstelligen soll, weil ich eben nicht einfach im Nachbarzimmer schlafen kann.
    Hast Du noch Tipps/Ideen für mich!
    Danke für deine tollen Blogs!
    Viele Grüße, Momo

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