Mein Brief an mich als zukünftige Schwiegermutter #schwiegermonstame

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Mein Brief an mich als zukünftige Schwiegermutter #schwiegermonstame

Wer in der Welt der Elternblogger unterwegs ist, der ist ihnen vermutlich schon begegnet: Briefe, die man seinem eigenen zukünftigen Schwiegermutter-Ich schreibt. Ich fand die Idee auf Anhieb super lustig und wollte unbedingt mitmachen. Doch die Wahrheit ist: Ich habe keine Ahnung davon.

Mit Schwiegermutter mag es manchmal doof sein – ohne aber noch viel mehr

Ich habe keine Ahnung, wie es ist, eine Schwiegermutter zu haben, denn die Großmutter väterlicherseits ist leider schon tot und konnte meiner Tochter nie eine Oma und mir damit auch keine Schwiegermutter sein. Es mag sicher manchmal nicht so leicht sein mit der Schwiegermutter, ja mit manch Schwiegermutter scheint es sogar so richtig schwer zu sein, aber ich sag euch, die ihr eine Schwiegermutter habt: Ohne ist auch doof.

Immer wieder begegne ich Frauen wie Männern, die sich bitterlich über ihre Schwiegermütter beschweren, sehr viele aber haben auch harmonische, nur wenig Konflikt behaftete Beziehungen zu ihnen. Während mir bei Gesprächen mit ersteren durchaus Gedanken wie „Der Kelch ist an mir vorüber gegangen“ durch den Kopf schießen, lassen mich Gespräche mit letzteren mit sehr viel mehr Gedanken zurück.

Ich muss dann als erstes an meinen Partner denken, der keine Mama mehr hat. Ich weiß, wie wichtig mir meine eigene Mama ist, wie sehr ich sie auch heute noch brauche, wie sehr ich sie liebe. Es macht mich traurig, dass er nun keine Mama mehr hat.

Dann muss ich an meine Tochter denken und ich bedauere, dass sie ihre zweite Oma nie hat kennen lernen dürfen. Die Geschichten, die mir mein Partner über seine eigene Kindheit erzählt, lassen mich vermuten, dass meine kleine Terrorpüppi eine wundervolle zweite Oma gehabt hätte. Mit ihr hätte sie eine zauberhafte kleine Kuchenbäckerin sein können. Bei ihr hätte meine Tochter noch einen weiteren Menschen, der sie unglaublich lieb gehabt hätte. Man kann nicht genug geliebt werden.

Zuletzt muss ich daran denken, dass ich manch kleinen Konflikt mit meiner Schwiegermutter eigentlich gerne gehabt hätte, denn Konflikte treiben nicht nur auseinander, sie können auch zusammenbringen. Über manch Vorfall kann man im Nachhinein herzlich lachen. Man entwickelt eine gemeinsame Geschichte. Man liebt dieselben Menschen: Mann und Kind – Sohn und Enkelkind. Ja, liebe Schwiegermutter, ich hätte dich gerne an meiner Seite gehabt.

Blick nach vorn

Die Vergangenheit lässt sich aber nun mal nicht ändern und so richte ich meinen Blick lieber nach vorn.

Liebe Jessi,

Wenn du diese Zeilen liest, sind viele viele Jahre vergangen, in denen du alles gegeben hast, um eine gute Mutter zu sein. Du wirst immer Mutter sein, diese Rolle kann dir niemand nehmen, doch nun bist du auch Schwiegermutter und Großmutter. Das sind auch Mutterrollen, aber von ganz anderer Beschaffenheit, vergiss das nicht! 

Ich schreibe dir, weil ich dich gerne an zwei Dinge erinnern möchte: Erinnere dich zuerst einmal daran, wie wundervoll es war, selbst als Kind zwei wundervolle Großelternpaare gehabt zu haben. Sei eine tolle Großmutter, indem du ebenso solch fabelhafte Erinnerungen erschaffst, wie es deine Großeltern konnten. Deine Enkelkinder sollen auch mit geheimen Fächern voller Süßigkeiten, mit dem weltbesten Kuchen à la Oma, mit lustigen Liedern und fantastischen Geschichten aufwachsen. Sie sollen voller Sehnsucht nicht nur an ihre zauberhaften Eltern, sondern auch ihre wundervollen Großeltern zurückdenken können. 

Deine Tochter und ihr Partner sollen dich dabei als Entlastung, als Ratgeberin und Zuhörerin in Erinnerung haben und nicht als ein sich in alles einmischendes, an sich reißendes und besserwisserisches Schwiegermonster! Und damit du das schaffst, erinnere dich daran, dass du keine eigene Schwiegermutter hattest – sie dir aber gewünscht hast. 
Frage dich, wie du dir deine Schwiegermutter vorgestellt hast, welches Verhältnis du dir zu ihr erhofft hättest und handle danach. Nimm deinen Schwiegersohn (- oder Schwiegertochter -)  nach Möglichkeit genau so an, wie er ist. Deine Tochter wird verdammt gute Gründe haben, für ihre Partnerwahl und wie immer diese Gründe auch aussehen, vermutlich werden vor allem Gefühle eine Rolle gespielt haben. Gefühle sucht man sich nicht aus und du kannst dir auch nicht deine Schwiegersöhne und -töchter aussuchen. 
Aber du kannst sie willkommen heißen. Du kannst deinen zukünftigen Schwiegersohn zu einem Teil deiner Familie werden lassen und du kannst zuhören. Bedenke, wie wichtig es ist, dass man als Familie auch Zeit und Raum für sich hat – und gewähre beides deiner Tochter und deinem Schwiegersohn. Du wirst deine Enkelkinder lieben, doch lass dich von dieser Liebe nicht blind leiten und die Bedürfnisse deiner Tochter und deines Schwiegersohnes hinten anstellen. 

Liebe zukünftige Schwiegermutter, sei deinem Schwiegersohn ein kleines bisschen wie eine zweite Mutter, aber sei ihm eine Mutter, die nicht mehr erzieht, sondern die sich an dem Mann erfreut, zu dem er herangewachsen ist. Er muss wie deine Tochter seinen Weg gehen und wenn du es schaffst, ihm Familie zu sein, wirst du ihn auch mal auffangen dürfen, wenn er ins Straucheln kommt. Höre ihm zu, wenn er gehört werden will, lass ihn in Ruhe, wenn er Ruhe für sich braucht. Erinnere dich, dass du einst deinen eigenen Weg gehen wolltest und dass du dir Rat gesucht hast, wenn du welchen brauchtest, aber du auch stets selbst entschieden hast, ob du dem Rat dann auch gefolgt bist. 

In tiefer Freude auf alles, was da im Leben noch kommen möge
dein früheres Ich


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Urvertrauen

 

By | 2017-10-07T00:33:44+00:00 September 10th, 2015|Zum Miterleben und Mitfühlen|0 Comments

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin, Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

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