Kinderwut – Zum Umgang mit kindlicher Wut aus einer Vaterperspektive

//Kinderwut – Zum Umgang mit kindlicher Wut aus einer Vaterperspektive

Kinderwut – Zum Umgang mit kindlicher Wut aus einer Vaterperspektive

Kinder durchleben, wie wir Erwachsenen auch, die verschiedensten Emotionen. Anders als die meisten Erwachsenen aber müssen sie erst lernen, diese Emotionen in bestimmte Bahnen zu lenken und auf konstruktive Weise zu verarbeiten. Alle Emotionen haben ihre Berechtigung. So auch Wut. Eine gesunde Psyche ist manchmal wütend und ganz bestimmt darf man Wut nicht unterdrücken, indem man dem Kind vermittelt, dass Wut ein „falsches“ Gefühl ist. Wut gehört dazu und es gibt für Kinder nun wahrlich genug Gründe, wütend zu werden…

Sucht man nun nach Erfahrungsberichten zum Umgang mit Wut, dann wird man typischerweise solche von Müttern finden. Doch auch Väter müssen mit den Emotionen ihrer Kinder umgehen. Heute ist Alex vom Blog Papa und das Rosablau zu Gast. Einige kennen ihn auch als den Papa vom Runzelfüßchen, wo er auch regelmäßig zu Wort kommt. Heute spricht Alex aus Vaterperpektive, wie er mit der Wut seiner Kinder umgeht.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

herzlichst Jessi

 

Kinderwut

Ein Gastbeitrag von Alex

Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal richtig wütend war. Vielleicht war es der Autofahrer, der uns geschnitten hat als wir mit dem Rad unterwegs waren, der mich wütend gemacht hat. Wut ist auch ein relativ starker Begriff. Ich bin vielleicht mal verärgert oder enttäuscht, aber seltener wütend. Wut heißt für mich auch „brüllen“ oder „vor Wut kochen“. Kinder hingegen sind öfters mal mehr als verärgert. Erwachsene haben sich in der Regel „im Griff“ oder haben irgendwie alles „unter Kontrolle“. Kindern fehlt das, was eigentlich natürlich ist. Aber umso eher musste ich den Umgang mit Wut wieder neu lernen.

 

Für Außenstehende nicht nachzuvollziehen

Sind wir mal ehrlich, es ist nicht wirklich angenehm, jemanden zu sehen, der wütend ist. Bei einem Erwachsenen macht es die meisten Menschen eher verlegen – fremdschämen ist das Wort, was in diesem Zusammenhang öfter fallen wird. Aber Kleinkinder sind oft wütend. Wer kann es ihnen verdenken? Da ist ein Erwachsener, also ich, der meiner Tochter, dem Runzelfüßchen, verbietet, im Supermarkt unnötige Produkte in den Einkaufswagen zu packen. Oder meinem Sohn gefällt es nicht, dass ich ihn an der 6-spurigen Straße lieber auf den Arm nehme, anstatt ihn an meiner Hand langsam selber durch den Höllenverkehr gehen zu lassen. Und das waren erst die einfachen Beispiele.

Was macht meine Tochter noch wütend? Wenn wir vom Spielplatz nach Hause gehen müssen, weil es bald Abendbrot gibt. Wenn wir die Freundin verlassen müssen, weil es Zeit ist zu gehen und sie aber noch gerne weiter spielen möchte. Wenn wir den Kindergarten verlassen müssen, obwohl das Spiel gerade so schön ist. Wenn meine Tochter keine Lust hat, die Schuhe anzuziehen, die Jacke auszuziehen, die Zähne zu putzen. Es gibt unendliche Möglichkeiten als Kleinkind wütend zu sein. Und Eltern müssen damit umgehen können.

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Wut macht noch mehr Wut

Man kann es vielleicht auch die Wutschule nennen, durch die Eltern gehen müssen. Mir hilft es, dass ich an sich mit einer relativ großen Geduld gesegnet bin. In der Regel bin ich und bleibe ich ruhig. Aber wenn ich das fünfte Mal gesagt habe, dass wir gehen wollen und das Runzelfüßchen noch immer sich nicht die Schuhe anzieht, kann auch ich wütend werden. Ich frage mich dann selber: Warum will meine Tochter nicht auf mich hören? Wieso macht sie nicht, was ich sage? Wieso werde ich wütend?

Und kurz bevor mir der Geduldsfaden reißt, frage ich mich, bitte nicht lachen, was würde Katia Saalfrank machen? Wer Katia Saalfrank nicht kennt: sie ist Familientherapeutin und hatte vor einigen Jahren eine Sendung im Fernsehen, in der sie Eltern half, die Probleme in der Kindererziehung hatten. Damals, ohne Familie und Kinder, habe ich mich immer gefragt, wieso redet sie immer mit den Eltern und gibt denen Tipps? Sie muss doch mal mit den Kindern reden. Sieht sie denn nicht, wie die ausrasten? Die sind doch das Problem. Jetzt als Vater ist mir natürlich klar, dass die Eltern in der Regel das Problem sind oder in jedem Fall das Problem lösen müssen.

 

Was würde Katia machen?

Und wenn mein Kind wütend ist und ich tatsächlich mal selbst blockiert bin, denke ich an Katia. Was würde sie machen? Tja, und was mache ich dann? Ich gehe einen Schritt zurück, denke über die Situation nach und versuche meiner Tochter aus ihrer Wut herauszuhelfen. Wie ich das mache, ändert sich von Situation zu Situation. Manchmal hilft einfach das „runterkommen“, das ich mich auf die Höhe meiner Tochter begebe. Manchmal nehme ich sie in den Arm und manchmal muss ich mit ihr reden und ihr erklären, wieso wir das jetzt so machen und nicht so, wie sie es will. Und manchmal hilft auch einfach eine klare Ansage: „ich weiß, dass Du noch länger hierbleiben möchtest, aber wir gehen jetzt nach Hause.“

 

Sollte man darüber lachen?

Manchmal kann es irgendwie komisch sein, warum Kinder wütend sind. Wenn das Runzelfüßchen wütend ist, weil wir die linke Abzweigung anstatt die Abzweigung nach rechts genommen haben. Oder sie den Joghurtdeckel nicht aufmachen konnte, weil ich aus Versehen und gedankenverloren den schon aufgemacht habe. Aber lachen sollte man trotzdem nicht. Denn nichts verstärkt die Wut mehr, als wenn man sie nicht ernst nimmt. Egal, wie absurd es für mich ist, meiner Tochter ist es wichtig. Ansonsten wäre sie ja nicht selber wütend. Und jeder, der selber mal wütend war, weiß noch wie es ist, nicht ernstgenommen zu werden.

Es ist nicht immer einfach, wütende Kinder auszuhalten. Ganz im Gegenteil, es kann mir sehr viel abverlangen, Geduld zu haben und nicht selber wütend zu werden. Aber andererseits habe ich das Gefühl, auch sehr viel über Konfliktbewältigung zu lernen. Und die kann ich auch manchmal in Konflikten mit Erwachsenen gebrauchen.

 

 

Über Alex

Alex schreibt meist dienstags auf Runzelfüßchen. Dann schildert er die „Highlights vom Papa“, in der er aus seiner Sicht das Leben mit dem Runzelfüßchen und Herrn Annika beschreibt. Zusätzlich schreibt er seit kurzem auf seinem eigenen Blog Papa und das Rosablau und schildert dort seinen eigenen Kampf gegen Geschlechter-Klischees. Wenn er nicht bloggt, dann interessiert er sich für Musik, Filme und Nerd-Kram.

By | 2017-11-05T21:02:12+00:00 November 1st, 2017|Kinder sind auch Männersache|1 Comment

About the Author:

Mutter von Zweien, Berlinerin, Soziologin, Bloggerin. Jessi ist die Gründerin des Blogs Terrorpüppi. Sie bevorzugt eine undogmatische Sicht auf Familie und Gesellschaft, fordert aber von sich und anderen klare Haltungen ein. Jessi liebt Schokopudding und Berlin, ist Working Mom, Serienjunkie und liebt und lebt gleichberechtigte Partnerschaft und Elternschaft. Mit ihrer soziologischen Perspektive setzt sie sich gerne kritisch-reflektiert mit familiären und gesellschaftlichen Fragen auseinander, zugleich hat sie eine unbeirrbar optimistische Lebenseinstellung.

One Comment

  1. Florian 1. November 2017 at 8:58 - Reply

    Danke für den Gastbeitrag. Ich bin momentan sehr ungeduldig und schnell wütend. Dein Beitrag hat mir gezeigt, dass ich mich wieder reflektieren muss, wenn es nicht so klappt, wie ich es gern hätte.
    Danke (:

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