Terrorpüppi | Reflektiert, bedürfnisorientiert, gleichberechtigt2018-06-04T07:14:38+02:00

Mutterlos Mutter: Wie kann ich mit einem kleinen Baby trauern?

By |September 16th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Miterleben und Mitfühlen|Tags: |

Rebekka schreibt auf ihrem Blog https://weiserwerden.wordpress.com über ihr Leben mit Multipler Sklerose, über die Weisheiten des Alltags, die Suche nach dem nachhaltigen Glück und die Absurditäten des Elterndaseins. Uns beglückt sie heute mit einem Gastbeitrag, der einem Interview mit mir zur Trauer vorausgeht. Viel Freude mit dem berührenden Text von Rebekka! Eure Madame FREUDig Mutterlos Mutter: Wie kann ich mit einem kleinen Baby trauern? Im August 2017 bin ich zum ersten Mal Mutter geworden. Drei Monate später war ich plötzlich mutterlos. Meine Mutter in einer solchen Ausnahmesituation zu verlieren, in der oben unten war, Tag Nacht, in der ich sowieso kaum noch wusste, wer ich war - Mutter, Frau, Freundin, Superwoman, Zombie - war unvorstellbar hart. Auf meiner Suche nach Anleitung, nach Erfahrungswerten, fand ich mich allein auf weiter Flur. Es gibt offenbar wenig bis keine Ratgeber für frisch verwaiste [...]

Die psychische Entwicklung der ersten Lebensjahren: von Zweierbeziehungen zu Gruppen

By |September 2nd, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , , |

In Folge meines hitzig diskutierten Artikels zur außerhäuslichen Betreuung von Kindern, möchte ich auf die entstandene Frage eingehen, inwiefern die ersten drei Lebensjahre eine besondere Bedeutung für die psychische Gesundheit eines Menschen haben. Dazu erläutere ich vom mannigfaltigen psychoanalytischen Standpunkt die Ich- Funktionen und stelle beispielhaft kurz die Boderline- Störung als schwere strukturelle Störung vor. Es folgt die Verbindung zur Fähigkeit zur Triangulierung als Resultat eines im Großen und Ganzen gelungenen psychischen Gedeihens. Die Triangulierung beschreibt die Fähigkeit, mit mehreren Menschen stabile und gleichzeitig emotionale Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Viele Eltern können ihre Kinder nicht (annähernd) drei Jahre zu Hause betreuen. Die aktuelle gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Lage ermöglicht das für die Mehrzahl der Familien nicht. Gleichzeitig sind die ersten drei Lebensjahre von besonderer Bedeutung, was die Entwicklung der psychischen Gesundheit anbelangt. Daher ist von großer Bedeutung, dass insbesondere die frühkindliche [...]

Vom Entschluss, nachts abzustillen

By |August 26th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Miterleben und Mitfühlen|Tags: , , |

Wir stillen nachts noch und ich werde (spät abends und) nachts abstillen. Dabei ist mein Sohn kein schlechter Schläfer. War er nie und ist es mit seinen fast 18 Monaten noch immer nicht. Oft sogar schläft er etwa von Mitternacht bis 6 Uhr morgens durch. Und doch: Unsere Stillsituation zehrt an mir. Seit einiger Zeit hadere ich mit dem Stillen und zugleich ist das vollständige Abstillen für mich nicht Thema. Zudem trinkt er immer häufiger, manchmal auch nachts, endlos lang. Er weckt mich dadurch richtig auf (oder hindert mich am Einschlafen). Damit Stillen Liebe bleibt Mein Sohn stillt gerne. Mittlerweile kaum noch zur Nahrungsaufnahme, sondern vorwiegend zur Stressregulation, zum Liebe tanken und einfach, weil es ihm Freude bereitet (Hier hat auch schon Madame FREUDig über die Lust am Stillen gebloggt). Ich stille auch gern und doch: Unsere Stillbeziehung hat sich [...]

Phantomschreie

By |August 19th, 2018|Categories: Allgemein, Gedankenfetzen, Zum Miterleben und Mitfühlen|Tags: , |

Ich bin Bad und mache mich für die Arbeit fertig. Draußen kann ich die Müllabfuhr hören. Vögel zwitschern penetrant laut. Mit der Zahnbürste im Mund halte ich plötzlich inne. Da ist es. Ein Weinen. Ich kann es klar und deutlich hören. Schnell lege ich meine Zahnbürste zur Seite und eile aus dem Bad. Doch schon im Wohnzimmer bleibe ich stehen. Stille. Kein Schreien, kein leises Weinen, nichts. Einfach nur Stille. Alles nur eingebildet? Aber ich konnte es doch so eindeutig hören. Es waren auch nicht irgendwelche Schreie, sondern ganz klar die meines Babys (Pardon: mittlerweile Kleinkindes). Werde ich etwa verrückt? Wäre dem so, dann wäre ich allerdings schon eine ganze Weile verrückt, denn solche Phantomschreie habe ich schon bei meinem ersten Kind regelmäßig gehört: bevorzugt dann, wenn ich im Badezimmer war. Unzählige Male hatte ich die Dusche ausgemacht und meinen [...]

Perfekt vorbereitet Bahnfahren mit Kindern – Ninas Kaffeesätze (18)

By |August 13th, 2018|Categories: Allgemein, Beschäftigungen für Auto und Bahn, Zum Miterleben und Mitfühlen|Tags: , |

Ninas Kaffeesätze von Nina alias Frau Papa Immer, wenn ich mit Kindern verreise, mache ich mir eine Liste und als erstes steht auf der Liste, in Großbuchstaben und ganz oben: Kuscheltiere! Mit dem Ausrufezeichen. Da die Kuscheltiere in der Nacht vor der Abreise unbedingt noch gebraucht werden sind sie meist die letzten, die in den Koffer gepackt werden. Ich reise öfter mit den Kindern. Das war nicht immer so, aber in den letzten Jahren ergab es sich einfach, dass wir alle paar Monate mal 1-2 Tage irgendwo in Deutschland unterwegs sind. Meistens reisen wir mit der Bahn. Bahnreisen mit Kindern ist eine unterschätzte Kunstform. Die Abstimmung der Verbindungen, Umstiege, Reisedauer und die Versorgung während der Reise verlangen Geschick, Ausdauer und ein Talent, das noch keinen Namen hat. Und daher möchte ich Euch meine letzte Reise mit den Kindern beschreiben. Es ist [...]

Ich bin nicht in der Teilzeitfalle gefangen… aber!

By |August 12th, 2018|Categories: Allgemein, Familie ist bunt. Arbeiten auch|Tags: , , |

Bevor ich Mutter wurde, habe ich nie darüber nachgedacht, ob ich in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten wolle oder gar solle. Vollzeit war mein wahrgenommenes Ideal. Teilzeit hingegen war eher eine Notlösung, ein vorübergehender Zustand. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich davon überzeugt bin, dass eine 40-Stunden-Woche dauerhaft über die gesamte Lebensarbeitszeit als gesellschaftliche Norm nicht erstrebens- und wünschenswert ist.  Diese Erkenntnis hat ausdrücklich nicht nur mit meiner Mutterschaft zu tun. Aber sie hat dazu geführt, dass ich angefangen habe, meine Prioritäten klarer in den Blick zu nehmen. Zugleich klopft die Teilzeitfalle an meiner Tür. Im heutigen Beitrag möchte ich mich daher der sogenannten "Teilzeitfalle" auseinandersetzen: Was ist die Teilzeitfalle überhaupt? Ab wann ist man in einer solchen gefangen? Da ein solches Thema sehr facettenreich ist, gebe ich zu bedenken, dass viele Aspekte keineswegs schon erschöpfend dargelegt sein werden. Versteht [...]

Streitpunkt Fremdbetreuung! Schaden Kitas unseren Kindern?

By |August 5th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , |

Vor Kurzem las ich die Kommentare zu einem Beitrag, der offensichtlich Fremdbetreuung bzw. außerhäusliche Betreuung von Kindern in einer Kita grundsätzlich in Frage stellt. Die Empörung der Leserschaft brach sich in teilweise entwertenden Kommentaren bahn. Unzählige Studien würden schließlich beweisen, dass die Kita Kindern helfen könne, sozial kompetent zu sein. Und klüger... und spielerischer... und und und. Bindung in der außerhäuslichen Betreuung als Grundlage zur Verinnerlichung von Sicherheit Bindungsverhalten bedeutet immer, dass ein derart sicheres Band zwischen Bindungsperson und Kind besteht, dass es sich von ihm lösen und dabei seine Gefühle ausdrücken kann. Ein sicher gebundenes Kind ist in der Lage, die reale äußere Beziehung, die Halt gibt, als inneren sicheren Hafen zu nutzen. Mit fortschreitendem Alter ist das Kind (ab etwa 3 Jahren) nicht mehr darauf angewiesen, die reale Person in der Nähe zu wissen, denn das Kind hat [...]

Zukunft verplanen – die Gegenwart verlieren

By |Juni 24th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , |

Wie wunderbar es doch ist, wie sehr unsere Kinder in der Gegenwart leben. Sie lieben und leben den Moment. Sie sind in der Lage das Schöne, das Aufregende, das Neue im Jetzt zu sehen und zu fühlen. Sie sind nicht von Erwartungen auf eine kaum greifbare, ferne Zukunft bestimmt. Je näher etwas an dieses Jetzt heranreicht, desto eher können Kinder auch ihr Handeln daran ausrichten. Die Fähigkeit, zukünftige Handlungen zu planen, muss sich sogar erst entwickeln. Babys können das zunächst noch überhaupt nicht, Kleinkinder nur sehr begrenzt und Stück für Stück. Auch der Planungshorizont von Schulkindern wird oft signifikant überschätzt. Wir Erwachsenen hingegen leben nicht nur im Jetzt, wir haben auch ausgeprägte Vorstellungen über unsere Vergangenheit und möglichen Zukünfte. Das übertragen wir allerdings auch manchmal viel zu leichtfertig auf unsere Kinder. Vor lauter Zukunftsplanung und Vergangenheitsbewältigung riskieren wir, die unbeschwerte [...]

Du kannst alles werden mein Kind?

By |Juni 10th, 2018|Categories: Allgemein, Familie ist bunt. Arbeiten auch|Tags: , , , |

Ich sitze mit meiner Tochter im Auto auf dem Weg zur Kita, da schallt es von hinten: "Mama, sind eigentlich nie Frauen Bauarbeiter?"  Jede Erklärung, die ich ihr im Folgenden gebe, ruft bei ihr neue Fragen hervor. Doch nicht nur bei ihr, sondern auch bei mir. Genderfragen lassen mich, nein lassen UNS nicht los (Hier geht's zu meinem Text über das Genderchaos in meinem Kopf). Es ist unlängst allgemein bekannt, dass die Geschlechterverteilung in zahlreichen Berufen sehr ungleich verteilt ist. Auf dem Bau oder in höheren Managementpositionen arbeiten fast ausschließlich Männer, in Kitas hingegen meist nur Frauen. Nicht selten werden gerne auch biologistische Argumente herangezogen für die ungleiche Verteilung. Ja es gibt sogar Europapolitiker wie Janusz Korwin-Mikke, die ganz offen behaupten: Frauen seien weniger intelligent und weniger leistungsfähig, weshalb sie auch selbstverständlich weniger verdienen würden. https://www.youtube.com/watch?v=z4Fl_evyAo8 >>Mein Kind, du kannst alles werden, [...]

Gute Kinder, schlechte Kinder: gibt es Tyrannen oder Engel?

By |Juni 3rd, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|

Mir fällt vermehrt auf, dass Kinder bisweilen in einer Form als ausschließlich gut idealisiert werden, von der ich glaube, dass sie ihnen in ihrem Sein schadet. Wenn alles positiv gedeutet wird, was sie sagen 0der tun, dann fehlt einfach ein wesentlicher Teil zur Ganzheit. Wenn ein Kind sich blöd verhält, dann kann man das als unangemessenes Verhalten auch so benennen und damit diesen Teil der Persönlichkeit auch anerkennen. Der Grund und die Beweggründe kann man unabhängig davon zu verstehen versuchen. Spucke ich z.B. jemanden an, weil er mich beleidigt hat, dann ist das zwar vielleicht nachvollziehbar, aber deswegen trotzdem noch lange nicht ok. Ich verstehe, dass viele Eltern mit Skepsis reagieren, wenn von Tyrannen- Kindern die Sprache ist. Niemand will ein Tyrannenkind. Die Assoziationen gehen unweigerlich in eine unschöne Richtung... Aber vielleicht lohnt es sich, darüber nachzudenken, dass womöglich in [...]

Von wegen nur Genderkram: Vom Chaos in meinem Kopf

By |Mai 21st, 2018|Categories: Allgemein, Familie ist bunt. Arbeiten auch|Tags: , , , , |

Es gibt Themen, bei denen trete ich - egal, was ich dazu auch schreiben möge - in jedem Falle gleich ganz verschiedenen Menschen auf die Füße. Sogar mir selbst. Regelmäßig. Geschlecht und Gender gehören dazu. Schon weil wir uns die Geschlechter unserer Kinder während der der Schwangerschaften nicht haben verraten lassen, mussten wir uns einiges anhören. Da ist viel Chaos - und das nicht nur in meinem Kopf, sondern auch in der gesellschaftlichen Debatte. Vorwiegend Gefühlschaos, doch auch die Argumente laufen quer, in Sackgassen, drehen sich im Kreis. Sehr oft aber auch kommt es zu Erhellungen. Ich will es nicht gleich Erleuchtungen nennen, aber ich komme mit meinen Denkprozessen diesbezüglich voran und es zeigt sich, dass das Durcheinander kein Perpetuum Mobile ist. Es wird eben nicht angetrieben von den immer gleichen Fragen und den ewig gleichen Antworten, welche die Fragen ja doch [...]

Pathologisierte Kindheit? Über Sinn und Bedeutung von Symptomen

By |Mai 13th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , |

Immer wieder begegnen mir in privaten und auch professionellen Kontexten Ängste von Eltern, dass Kinder und die Kindheit an sich heute viel zu schnell pathologisiert würden. Viele meinen, Kinder könnten angesichts der Bewertungen von allen Seiten gar nicht mehr richtig Kinder sein. Ich mache die Beobachtung, dass einige Eltern sich- insbesondere den psychotherapeutischen- Angeboten gegenüber lange verschließen. Und das, obwohl es immer wieder Hinweise oder jemanden gibt, der irgendetwas Problematisches anspricht. Es ist bedauerlich, weil letzlich die Kinder diejenigen sind, die nicht gehört und verstanden werden. Rückmeldungen aus der Kita oder Schule ähneln sich oft: ein Kind müsse z.B. ja nur einen besseren Umgang mit seinen Aggressionen entwickeln, in ein Kissen schreien oder aufstampfen statt laut rumzubrüllen. Dann wäre es ja kein Problem mehr. Die Quelle im Inneren als Ausdruck kontroverser und manchmal eben auch quälender Persönlichkeitsanteile verschwindet hinter einem [...]

Als Eltern Aggressionen und Wut des Kindes überleben

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Aggressionen mit den Gefühlen von Wut, Zorn und Hass sind besonders starke Empfindungen, die vielerlei Aufgaben haben. Aggressiv zu sein schafft Distanz und drückt gleichermaßen Hilflosigkeit und Überforderung aus. Es ist eine wahrlich reife psychische Leistung, wütend zu sein und es zu verbalisieren, anstatt wütend zu agieren. Der Kinderpsychoanalytiker Winnicott (1896- 1971), dem wir sehr viele wunderbare Blickwinkel zu verdanken haben, hat es trefflich formuliert. Das wichtigste ist, dass wir als Bezugspersonen diesen kindlichen Hass selber psychisch überleben, dass wir uns gegen die Aggression stellen können, auch wütend sein dürfen, aber die Beziehung eben nicht zerstört wird. Wir dürfen nicht etwa durch das aggressive und hassende Kind selber zu einem strafend- sadistischen Objekt werden. Dadurch entsteht ansonsten ein von Hass und Verfolgung geprägtes Innenleben im Kind, was wiederum zu psychischen Störungen führen kann. Zum Umgang mit Aggressionen habe ich vor [...]

Bedürfnisorientierte Erziehung: wieso so viel Kritik?

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Mitgefühl mit den Kritikern der bedürfnisorientierten Erziehung? Das ist nicht leicht, weil es so unverständlich erscheint, einen liebevollen Weg mit den Kindern überhaupt zu kritisieren und in Frage zu stellen. "Du verwöhnst das Kind, wenn du es so viel trägst", "später interessiert sich doch auch niemand für die Gefühle. Also gewöhn ihm das doch nicht an. Das ist doch eine unrealistische Erwartungshaltung". Diese Sätze sagen nicht unbedingt etwas über die Beziehung der Ermahnten aus, sondern viel mehr über die Mangelerfahrung des Sprechers. Hinter diesen Sätzen, die sich Eltern mit einer bedürfnisorientierten Haltung anhören müssen, versteckt sich oft ein unbewusster Neid. Aus der Erfahrung des unzureichenden geliebt Werdens muss das Gute des Anderen zerstört werden. Es ist schmerzhaft mitanzusehen, dass es Nähe, Geborgenheit und Verständnis für andere gibt, das eigene kindliche Selbst das aber so nicht erfahren hat. Der Mangel der [...]

Intuitive bedürfnisorientierte Erziehung – ein Widerspruch?

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In den letzten Wochen gab es in den sozialen Medien einmal wieder viele Diskussion um bedürfnisorientierte Erziehung, ausgelöst durch den Film „Elternschule“ und die zunächst positive Resonanz in den Medien, sowie die darauffolgende Fassungslosigkeit vor allem von bedürfnisorientierten Eltern über die gezeigten Methoden. Auch dieser Blog positionierte sich sehr in der Diskussion und unterstützte die #herzensschule mit deutlichen Worten durch Madame FREUDig. Die Befürworter der gezeigten Methoden setzten bedürfnisorientierte Eltern mit selbstaufopfernden Helikoptereltern, die keine Grenzen setzen können und alle anderen Erziehungsstile militant ablehnen, gleich. Und sie bescheinigten oftmals Eltern, die bedürfnisorientiert erziehen, sich nur strikt an Ratgeber zu halten und nicht auf die eigene Intuition zu hören. Ich fragte mich, warum das so ein Widerspruch sein soll? Kann Bedürfnisorientierung nicht auch intuitiv erfolgen? Ich gehöre ja zu denen, die sich nicht viele Gedanken um Kindererziehung gemacht haben, bevor die [...]

Phantomschreie

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Ich bin Bad und mache mich für die Arbeit fertig. Draußen kann ich die Müllabfuhr hören. Vögel zwitschern penetrant laut. Mit der Zahnbürste im Mund halte ich plötzlich inne. Da ist es. Ein Weinen. Ich kann es klar und deutlich hören. Schnell lege ich meine Zahnbürste zur Seite und eile aus dem Bad. Doch schon im Wohnzimmer bleibe ich stehen. Stille. Kein Schreien, kein leises Weinen, nichts. Einfach nur Stille. Alles nur eingebildet? Aber ich konnte es doch so eindeutig hören. Es waren auch nicht irgendwelche Schreie, sondern ganz klar die meines Babys (Pardon: mittlerweile Kleinkindes). Werde ich etwa verrückt? Wäre dem so, dann wäre ich allerdings schon eine ganze Weile verrückt, denn solche Phantomschreie habe ich schon bei meinem ersten Kind regelmäßig gehört: bevorzugt dann, wenn ich im Badezimmer war. Unzählige Male hatte ich die Dusche ausgemacht und meinen [...]

Perfekt vorbereitet Bahnfahren mit Kindern – Ninas Kaffeesätze (18)

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Ninas Kaffeesätze von Nina alias Frau Papa Immer, wenn ich mit Kindern verreise, mache ich mir eine Liste und als erstes steht auf der Liste, in Großbuchstaben und ganz oben: Kuscheltiere! Mit dem Ausrufezeichen. Da die Kuscheltiere in der Nacht vor der Abreise unbedingt noch gebraucht werden sind sie meist die letzten, die in den Koffer gepackt werden. Ich reise öfter mit den Kindern. Das war nicht immer so, aber in den letzten Jahren ergab es sich einfach, dass wir alle paar Monate mal 1-2 Tage irgendwo in Deutschland unterwegs sind. Meistens reisen wir mit der Bahn. Bahnreisen mit Kindern ist eine unterschätzte Kunstform. Die Abstimmung der Verbindungen, Umstiege, Reisedauer und die Versorgung während der Reise verlangen Geschick, Ausdauer und ein Talent, das noch keinen Namen hat. Und daher möchte ich Euch meine letzte Reise mit den Kindern beschreiben. Es ist [...]

Sehnsucht Freundschaft: Es soll so bleiben, wie es ist und werden, wie es war

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Ich wache auf. Nicht von Lachen, nicht von Geschrei, nicht von einem Füßchen in meinem Gesicht. Ich wache auf von den Sonnenstrahlen, die in meinem Gesicht tanzen. Ein Traum stiehlt sich in den Tag hinein. Ein Traum von Freundschaft. Ganz plötzlich vermisse ich euch alle so. Noch immer seid ihr Teil meines Lebens und werdet es hoffentlich auch bleiben. Doch verändert haben sie sich schon - unsere Freundschaften. Gedanken an euch begleiten mich durch jeden Tag. Im Studium haben wir einander gefunden. Noch ganz kinderlos machten wir die Nacht zum Tag. Brüteten Referate aus. Motivierten uns gegenseitig durch Hausarbeiten und Prüfungen. Kämpften uns gemeinsam durch Liebeskummer, durch Ängste, aber auch durch Hochgefühle und Überraschungen. Wir feierten Partys, schleppten Umzugskisten, kochten, sangen, tanzten. Wir flogen über den Wolken. Ihr seid meine kostbaren Herzensmenschen und ich denke auch dann an euch, wenn alles [...]

Mit mehr Fantasie und Empathie in die Zukunft

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Privat sprach ich in den letzten Jahren gefühlt unzählige Male vom "Tod der Fantasie". Dabei ist meine große Tochter gerade mal vier Jahre alt geworden und ihre Fantasie mehr als lebendig. Doch wieso sage ich dann so etwas und warum denke ich das noch viel häufiger? Weil wir ständig auf eine Welt treffen, in der kindliche Fantasie als Lügen interpretiert wird. Eine Welt, in der Kinder, die vor sich hin träumen und Gedankenreisen in fantastische Welten machen, allzu schnell als problematisch eingeordnet werden. Zugleich leben wir in einer unglaublich komplexen Welt mit mannigfaltigen Problemlagen. Doch viel zu selten wird diesen mit kreativen Lösungsvorschlägen entgegengetreten. Nur sehr wenige Menschen scheinen dazu in der Lage, die Zukunft der Gesellschaft ganz anders zu denken - fantasievoll neue Bausteine zu unserem gesellschaftlichen Gerüst hinzuzufügen und die alten mit Blick auf ein übergeordnetes Ganzes zu [...]

Von der gesellschaftlichen Angst vor kleinen narzisstischen Tyrannen

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Eine Gesellschaft, die Individualität großschreibt, fürchtet sich vor den Folgen des Umgangs mit Kindern als ernst zu nehmende Individuen. Immer wieder liest und hört man es an prominenter Stelle: Die Eltern von heute ziehen narzisstische Tyrannen groß. Plötzlich wird der Individualitäts- und Selbstoptimierungswahn unserer Gesellschaft also zu einem Problem. Doch für wen eigentlich? Permanent stehen Eltern und ihre Kinder in der Kritik. Was immer sie auch tun, aus irgendeiner Ecke kommen stets Missbilligungen und Anfeindungen. Heutige Eltern machen scheinbar nichts richtig. Man stelle sich nur vor, all die Kritiker würden denselben Feuereifer an den Tag legen, wenn es um Kinder- und Familienrechte geht. Kaum auszudenken, dass an das Wohl unserer Kinder, ja unserer Gesellschaft tatsächlich gedacht würde, statt emsig das Bild narzisstischer Tyrannen heraufzubeschwören. So aber erfolgt doch nur allzu oft pauschales Eltern-Bashing und ein weiteres Schüren von Unsicherheiten und [...]

Der Juni wahr wahrlich FREUDig

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Was für ein Monat! Ganze neun Beiträge gab es im Juni zu lesen. Doch nicht nur das. Seit diesem Monat ist ganz offiziell Madame FREUDig mit an Bord. Keineswegs will ich nun versprechen, Monat für Monat mit einem Rückblick aufzuwarten, doch jetzt im Juni muss es einfach sein. Es waren so viele und wie wir finden, eben auch schöne Blogposts dabei. Mit Terrorpüppi meets Madame FREUDig hat sich meine neue Co-Autorin sogleich vorgestellt. Madame FREUDig ist eine sehr gute und "alte" Freundin von mir und ergänzt mit ihrer Perspektive die meinige wunderbar. "Alles, was ich hier schreibe, ist meiner eigenen Haltung und meiner Erfahrung als Mutter und Mensch, als Psychologin und Psychoanalytikerin geschuldet. Es wird viele geben, die die Dinge anders wahrnehmen und interpretieren, aber es geht mir nicht darum, dass meine Meinung uneingeschränkt geteilt wird, sondern dass sie vielleicht [...]

Promovieren mit Kind: Ein Blick zurück und 5 Freitagslieblinge (18)

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Madame FREUDig hat die Blogferien bereits am Sonntag für beendet erklärt, heute folge nun auch ich. Ferien erscheint mir allerdings irgendwie ein unglücklich gewählter Begriff, denn frei hatte ich eher nicht und erholt bin ich auch nicht... Dafür aber waren Weihnachten und Silvester sehr schön (und anstrengend - hab ich schon anstrengend gesagt?). Eigentlich wollte ich heute zurückblicken bis Heiligabend, aber gerade schwirren mir andere Gedanken durch den Kopf. Die vielen Gedanken haben mit Mittwoch begonnen. Seit Mittwoch darf ich meinen Doktortitel ganz offiziell tragen. Jetzt ist es also endgültig, so richtig final vorbei - dieses Promovieren mit Kind. Mein Ausflug als Arbeiterkind in die Wissenschaft ist endgültig vorbei. Etwas  unerwartet trifft es mich: Nicht das Ende - das war nach Abgabe und Verteidigung ja irgendwie absehbar - sondern, dass dieser komische Titel, der das Ende auch formal markiert, einen größeren Unterschied macht, [...]

Die ewige Suche nach dem Job – Vereinbarkeit gescheitert? (Gastbeitrag)

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Dieser Blog widmet sich nicht nur in besonderem Maße der bedürfnisorientierten Be- und Erziehung zu und von Kindern, sondern auch dem Thema Gleichberechtigung und Vereinbarkeit. Für die meisten ist es sicherlich unstrittig, dass Frauen, insbesondere Mütter, noch längst nicht gleichberechtigt in der Arbeitswelt angekommen sind. Heute könnt ihr einen Erfahrungsbericht einer Mama und Bloggerin lesen, für die sich nach ihrer Schwangerschaft beruflich alles veränderte. Noch immer ist es viel zu wenig im Bewusstsein der Öffentlichkeit, welche Hürden Mütter bei ihrer Rückkehr in den Beruf zu überwinden haben. Erfahrungen wie die von Isa zeigen, dass gerade bestimmte Branchen noch einmal besonders erschwerte Bedingungen für Eltern mit sich bringen. Und nun geht's auch schon weiter zum Gastbeitrag! Lieben Gruß Jessi   Die ewige Suche nach dem Job – Vereinbarkeit gescheitert? von Isa, Blog Lari Lara Ich arbeite gerne Seit 2006 arbeite ich [...]

Eine normale Familie. Mehr Gleichberechtigung als das Klischee (Gastbeitrag)

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Es ist verdammt langer her, da war Steffi schon einmal Gast auf diesem Blog. Damals, es ist nun schon fast zwei Jahre her, schrieb sie über ihre Begegnungen mit Fremden, über Vielfalt und Bereicherung. Bei Twitter hatte ich nun ein wenig rumgefragt, wer denn Lust hätte - und sich eben auch entsprechend angesprochen fühlt -  bei einer Interviewreihe mitzumachen. In dieser wird es (ab Herbst) um gleichberechtigte Elternschaft abseits der Rosa-Hellblau-Falle gehen. Steffi meldete sich, nicht um mitzumachen, sondern weil sie wissen wollte, wie ich das denn genau meine. So mit gleichberechtigter Elternschaft und so. Ich deutete es ihr an und sie meinte von sich aus, dass sie dann wohl nicht ganz passen würde. Zugleich aber ließ sie das Thema nicht los und so schrieb sie mir spontan diesen Gastbeitrag. Ich glaube - und da interpretiere ich jetzt vergleichsweise frei [...]

Gastbeitrag: Werkzeug

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Ich halte meine Tochter für sehr begabt. Wenn sie ihr Essen auf dem Tisch verteilt, erkenne ich ihr tiefes Verständnis des Prinzips der Entropie. Oft missverstanden als Unordnung meint es die Anordnungsfreiheit von Teilchen in einem geschlossenen System. Ist das System z.B. der Esstisch, gibt es keinen Grund, warum sich das Essen nur auf Tellern befinden sollte, wenn dazwischen doch noch so viel Platz ist. Kleine Kinder erzeugen in der Regel Zustände hoher Entropie, was Eltern natürlich nicht immer zulassen können. Im Museum und auf Autofahrten zum Beispiel. Nach dem Essen, wenn ich wieder sauber mache. Oder auf dem Spielplatz: Hier war im Sandkasten eine Familie zu beobachten, die mir zuallererst durch die Verwendung einer Glättkelle auffiel. Von dieser „Anomalie“ angefixt wurden die Nachbarn unter Beobachtung genommen. Und die eigentliche Arbeit auf der Baustelle wurde nicht durch die zwei Kinder [...]

Kita ist wie… Weihnachten

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Sonntag: Seit Tagen benutzen die Eltern dieses neue Wort: Kita. Ob das was neues zu Essen ist? Habe Hunger! Montag: Entgegen dem gewohnten morgendlichen Trott sind die Eltern um halb acht endlich mal Gewehr bei Fuß. Da wird das schwarze bittere Zeug gekocht, mein Grießbrei angerührt, gewickelt, angezogen, dass mir bald Schwindelig wird. Warum geht das sonst nicht so flott, frage ich mich. Statt mit mir zu spielen, scheint es heute aber einen frühen Spaziergang zu geben. Auch gut. Nach einer Minute bleiben wir aber schon wieder stehen. Vor uns ein Haus, in das gerade auch andere Kinder gebracht werden. Drinnen fragt Papa nach der Krippe. Ist heute dieses Weihnachten? Habe gar keine Tanne zu Hause gesehen. Wir werden in einen Anbau geführt, wo uns eine Frau begrüßt. Sie ist alleine in einem Zimmer. Auch hier keine Tanne. Aber Kisten [...]