Terrorpüppi | Reflektiert, bedürfnisorientiert, gleichberechtigt2018-06-04T07:14:38+01:00

Zur Elternschule: Methoden zum Schutz vor eigener Kleinheit

By |Juli 4th, 2019|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , |

Im Rahmen der Ausstrahlung der Doku "Elternschule" möchte ich einen kurzen Denkanstoß zum Phänomen bedingungsloser Folgsamkeit, Strenge oder auch großer Laschheit geben. Meiner Meinung nach ist für niemanden etwas gewonnen, wenn die verändernden Prozesse nicht reflektiert und in ihrer Bedeutung verstanden werden. Der Film soll, so habe ich von verschiedenen Fachverbänden gelesen, als Anstoß zur Diskussion gesehen werden. Ich möchte gerne einen von vielen Aspekten aufgreifen und etwas vertiefen.   Hilflose Eltern treffen auf die erhabene Elternschule Verunsicherte, überforderte Eltern symptomatischer Kinder stoßen auf ein therapeutisch scheinbar erhabenes Team, das sich als "die letzte Rettung" versteht. Nach dutzenden gescheiterten Therapieversuchen bringt die Gelsenkirchener Klinik den Eltern eine Chance auf Heilung. Dass diese Heilung auf Konditionierung, Gewöhnung und Training basiert, nehmen die Eltern in Erwartung der Besserung in Kauf. Der Zweck heiligt die Mittel und so lange die Kinder so funktionieren, [...]

Urvertrauen: wie die Erfahrung als Baby das ganze Leben prägt

By |April 14th, 2019|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , |

Ein stabiles Urvertrauen herauszubilden, ist die erste Herausforderung des Lebens. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, kann es nur auf seine Erfahrungen aus dem Mutterleib zurückgreifen. Seine innere Welt besteht aus dieser inneren Erfahrung und wird im Laufe des Lebens mit immer mehr neuen Erfahrungen angereichert. Immer wieder höre ich eine gewisse, mich erschreckende Erwartungshaltung junger Eltern. Das Baby solle möglichst problemlos sein. Meist bedeutet das, dass das Baby wenig brauchen soll bzw. wenig von den Eltern fordern soll. Die Eltern wissen oftmals wenig davon, was das Baby aber gerade durchmacht und sind genervt vom vielen Stillen, Tragen und Quengeln. Dabei will das Baby nur Sicherheit, die ihm vor allem körperliche Nähe bietet. Das ganz kleine Baby quengelt und weint, um gehalten zu werden, weil es diese Sicherheit so nötig braucht. Die erste Herausforderung des Lebens ist die Ausbildung [...]

„Mama, ich bin nicht gut genug“

By |März 6th, 2019|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , , |

Vor kurzem erschrak mich meine Tochter mit genau diesem Satz, den ich gehofft hatte, nie von meinen Kindern zu hören. Sie bezog diesen Satz nicht auf Leistungen, nicht auf „Ich bin nicht gut in der Schule“, was auch nicht schön, aber irgendwie verkraftbar gewesen wäre, nein, sie bezog diesen Satz auf sich. Sie als Mensch, als Persönlichkeit, fand sich nicht gut genug. Warum? Taktile Empfindlichkeit als Auslöser Auslöser war ein Wutanfall. Ich weiß gar nicht mehr warum, vermutlich, weil sie etwas anziehen sollte. Etwas heißt an dieser Stelle „irgendetwas“. Denn sie ist taktil empfindlich. Also eigentlich heißt es wohl „taktil überempfindlich“, aber das „über“ lasse ich inzwischen gern weg – denn wer entscheidet schon, wieviel Empfindlichkeit zu viel ist? Tatsache ist, dass sie wenig Kleidung erträgt, meist genau ein Set an Lieblingsklamotten. Das trägt sie dann halt immer, wir haben [...]

Als Eltern Aggressionen und Wut des Kindes überleben

By |Februar 10th, 2019|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , |

Aggressionen mit den Gefühlen von Wut, Zorn und Hass sind besonders starke Empfindungen, die vielerlei Aufgaben haben. Aggressiv zu sein schafft Distanz und drückt gleichermaßen Hilflosigkeit und Überforderung aus. Es ist eine wahrlich reife psychische Leistung, wütend zu sein und es zu verbalisieren, anstatt wütend zu agieren. Der Kinderpsychoanalytiker Winnicott (1896- 1971), dem wir sehr viele wunderbare Blickwinkel zu verdanken haben, hat es trefflich formuliert. Das wichtigste ist, dass wir als Bezugspersonen diesen kindlichen Hass selber psychisch überleben, dass wir uns gegen die Aggression stellen können, auch wütend sein dürfen, aber die Beziehung eben nicht zerstört wird. Wir dürfen nicht etwa durch das aggressive und hassende Kind selber zu einem strafend- sadistischen Objekt werden. Dadurch entsteht ansonsten ein von Hass und Verfolgung geprägtes Innenleben im Kind, was wiederum zu psychischen Störungen führen kann. Zum Umgang mit Aggressionen habe ich vor [...]

Bedürfnisorientierte Erziehung: wieso so viel Kritik?

By |Januar 27th, 2019|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , |

Mitgefühl mit den Kritikern der bedürfnisorientierten Erziehung? Das ist nicht leicht, weil es so unverständlich erscheint, einen liebevollen Weg mit den Kindern überhaupt zu kritisieren und in Frage zu stellen. "Du verwöhnst das Kind, wenn du es so viel trägst", "später interessiert sich doch auch niemand für die Gefühle. Also gewöhn ihm das doch nicht an. Das ist doch eine unrealistische Erwartungshaltung". Diese Sätze sagen nicht unbedingt etwas über die Beziehung der Ermahnten aus, sondern viel mehr über die Mangelerfahrung des Sprechers. Hinter diesen Sätzen, die sich Eltern mit einer bedürfnisorientierten Haltung anhören müssen, versteckt sich oft ein unbewusster Neid. Aus der Erfahrung des unzureichenden geliebt Werdens muss das Gute des Anderen zerstört werden. Es ist schmerzhaft mitanzusehen, dass es Nähe, Geborgenheit und Verständnis für andere gibt, das eigene kindliche Selbst das aber so nicht erfahren hat. Der Mangel der [...]

Intuitive bedürfnisorientierte Erziehung – ein Widerspruch?

By |November 18th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , |

In den letzten Wochen gab es in den sozialen Medien einmal wieder viele Diskussion um bedürfnisorientierte Erziehung, ausgelöst durch den Film „Elternschule“ und die zunächst positive Resonanz in den Medien, sowie die darauffolgende Fassungslosigkeit vor allem von bedürfnisorientierten Eltern über die gezeigten Methoden. Auch dieser Blog positionierte sich sehr in der Diskussion und unterstützte die #herzensschule mit deutlichen Worten durch Madame FREUDig. Die Befürworter der gezeigten Methoden setzten bedürfnisorientierte Eltern mit selbstaufopfernden Helikoptereltern, die keine Grenzen setzen können und alle anderen Erziehungsstile militant ablehnen, gleich. Und sie bescheinigten oftmals Eltern, die bedürfnisorientiert erziehen, sich nur strikt an Ratgeber zu halten und nicht auf die eigene Intuition zu hören. Ich fragte mich, warum das so ein Widerspruch sein soll? Kann Bedürfnisorientierung nicht auch intuitiv erfolgen? Ich gehöre ja zu denen, die sich nicht viele Gedanken um Kindererziehung gemacht haben, bevor die [...]

Der sichere Hafen – Ninas Kaffeesätze (18)

By |November 13th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Miterleben und Mitfühlen|Tags: |

Ninas Kaffeesätze von Nina alias Frau Papa Es war nach 23 Uhr, meine Frau schlief, an mich gekuschelt auf der Couch und mein Abendprogramm flimmerte gemütlich vor sich hin. Plötzlich klingelt das Telefon. Nich das Handy, das ich in der Hand habe, sondern das Festnetz, das mit voller Lautstärke dahin bimmelt und dabei die Kinder, die Meerschweinchen und die halbe Nachbarschaft aus dem Schlaf reißt. Dehende erhebe ich mich und eile elegant zum Telefon (in Wirklichkeit habe ich mich schon bei der Couch fast überschlagen und verlor auf halben Weg meine Puschen). „Hallo,“ flüstere ich, als ob meine leise Stimme, das laute Klingeln nachträglich neutralisieren könnte. Am anderen Ende mein ältester Sohn, in Tränen aufgelöst. Er klingt am Boden zerstört. Ob er mit Mamma reden kann, fragt er. Nein, Mama schläft schon (ich werfe einen Blick zur Couch, meine Frau reißt [...]

Wenn „Grenzen setzen“ zum Schimpfwort wird

By |November 8th, 2018|Categories: Allgemein|

Ich wage das Unterfangen, in einer Zeit, in der unter dem Deckmantel der Therapie und guten Erziehung Unterdrückung und Härte gegenüber Kindern glorifiziert wird, ein Plädoyer für Grenzen zu halten. Nicht, weil ich denke, dass Gehorsam und Folgsamkeit das Ziel sind, sondern weil Grenzen notwendig sind, damit wir uns als individuelle und gleichberechtigte Menschen begegnen können. "Erziehung" ist wie "Grenzen" zu einer Art Schimpfwort geworden. Die grenzsetzenden Eltern werden ohne Umschweife als knallharte, strenge und lieblose Erzieher enttarnt. Zwischen den beiden Extremen von "ein Kind braucht keine Grenzen und muss sich nur frei entfalten" und "das Kind muss meinen Vorstellungen folgen" gibt es eine gesunde Mitte. Ich verstehe, dass es viele Menschen gibt, die Grenzen und Erziehung tatsächlich als etwas Schädigendes einsetzen. Grenzen werden zu etwas, wo ein Kind folgen soll, ohne dass Kompromisse möglich sind. Versucht ein Kind, sich [...]

Psychotherapie: wer kann bei psychischen Störungen helfen?

By |Oktober 23rd, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , |

Anlässlich des heiß diskutierten Filmes "Elternschule" möchte ich gerne einen anderen, einen humanistischeren und psychoanalytischeren Blick auf die Psychotherapie bei Kindern und deren Gestaltung werfen. Ich halte es für sinnvoll, dazu auch erstmal die sozialrechtlichen Grundlagen deutlich zu machen,  bevor ich inhaltlich werde. Ich möchte aufklären, was es gibt. Jeder muss für sich die passende Therapie finden. Es gibt nie ein Allheilmittel. Es ist sinnvoll, zu wissen, was man möchte. Sieht man als Eltern eigene Anteile und braucht Hilfe, sich zu verorten, um dem Kind helfen zu können oder möchte man, dass das Symptom einfach verschwindet? Der vorliegende Text ist also wie immer subjektiv. Ich bemühe mich um eine gewisse Neutralität in der Darstellung der Fakten. Durch meine eigene Erfahrung mit Patient*innen und durch meine Persönlichkeit habe ich mich aber bewusst dafür entschieden psychodynamisch zu arbeiten. Das hat viele Gründe: [...]

Geringe Impulskontrolle, Gier und Aggressionen: Leserfrage an Madame FREUDig

By |Oktober 14th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , , |

Aus unserem Newsletter kennen einige die Möglichkeit, Madame FREUDig Fragen  zum Umgang mit kindlichen Gefühlen oder bestimmten Ausdrucksweisen, wie heute insbesondere Aggressionen, zu stellen. Auf Grundlage der therapeutischen Erfahrung und der analytischen Haltung gibt sie Denkanstöße und ist dabei bemüht, weiterführende Fragen aufzuwerfen und bestimmte, Zusammenhänge anklingen zu lassen. Da kein persönlicher Kontakt dazu stattfindet, ist das nur ein schemenhafter Auszug, der höchst subjektiv ist. Die Fragen können nicht allumfassend beantwortet werden und vieles bleibt, insbesondere angesicht der großen Vielschichtigkeit der Fragen, auch offen. Die Antwort für den Blogbeitrag ist im Vergleich zum Newsletter eventuell nochmal um neue Gedanken ergänzt, die beim ersten Beantworten so noch nicht gedacht werden konnten.   Geringe Impulskontrolle, Aggressionen, sich unglücklich fühlen, gierig und auf Geld fixiert Die Frage unserer Leserin: Ich habe einen 5,5-jährigen Sohn, bei dem mir einige Verhaltensweisen Angst machen und ich [...]

Mein Schreibaby verstehen und begleiten: Der geborgene Weg für High- Need- Babys. Eine Rezension

By |Oktober 11th, 2018|Categories: Allgemein, Bücher für Eltern|Tags: , , |

Was tun, wenn man ein High- need- Kind bzw. Schreibaby hat? Ich habe seit vielen Monaten das gemeinsame GU Büchlein zum geborgenen Umgang mit sogenannten Schreibabys  von Anja Gaca und Susanne Mierau bei mir zu liegen. Durch zu viel Arbeit und zu wenig inneren Raum musste das Buch erstmal reif werden. Und nun las ich es relativ kurz, bevor ich das zweite Mal Mutter werde. Genau der richtige Zeitpunkt. Selbst als Psychologin und Therapeutin bin ich überzeugt von dem Buch und empfehle es gerne weiter. Was daran mir gefällt, lest ihr hier: Schreibaby: zwischen Temperament und Umwelt Anfänglich war ich zugegebener Maßen etwas skeptisch. Meine Skepsis bezog sich auf die Frage, wie die beiden das  nature- nurture- Problem lösen. Betroffene Eltern mit einem Schreibaby sind oftmals sehr leicht kränkbar und fühlen sich oft schnell mit Schuldzuweisungen konfrontiert. Die Balance ist [...]

Trauern trotz Kind? Ein Interview zu psychologischen Prozessen zwischen Mutter bzw. Vater und Kind

By |September 30th, 2018|Categories: Allgemein, Zum Nach- und Weiterdenken|Tags: , , |

Rebekka vom Blog weiser werden hat mich um ein Interview zum Thema Trauer und trauern mit bzw. trotz Kind gebeten. Sie hat kürzlich auf unserem Blog schon einen Artikel über ihre Erfahrungen geteilt, wie es war, als sie selbst gerade Mutter geworden war und ihre eigene Mutter verstarb. Während dieser Phase suchte Rebekka nach Ratgebern und wurde nicht fündig, so dass sie selber Interviews mit Betroffenen, aber eben auch mit Experten führte. Daraus soll womöglich auch ein Buch entstehen. Ich hatte selber schon einmal einen Artikel über innerlich abwesende und depressive Eltern geschrieben. Das jetzt vorliegende Interview haben wir per Skype geführt und Rebekka hat alles transkribiert und auf Grund der Länge von 16 Seiten ordentlich eingekürzt. Attachment Parenting und die Authentizität Rebekka: Wer sich mit attachment parenting beschäftigt, hört oft, man solle authentisch sein. Warum ist das so wichtig [...]

Zur Elternschule: Methoden zum Schutz vor eigener Kleinheit

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Im Rahmen der Ausstrahlung der Doku "Elternschule" möchte ich einen kurzen Denkanstoß zum Phänomen bedingungsloser Folgsamkeit, Strenge oder auch großer Laschheit geben. Meiner Meinung nach ist für niemanden etwas gewonnen, wenn die verändernden Prozesse nicht reflektiert und in ihrer Bedeutung verstanden werden. Der Film soll, so habe ich von verschiedenen Fachverbänden gelesen, als Anstoß zur Diskussion gesehen werden. Ich möchte gerne einen von vielen Aspekten aufgreifen und etwas vertiefen.   Hilflose Eltern treffen auf die erhabene Elternschule Verunsicherte, überforderte Eltern symptomatischer Kinder stoßen auf ein therapeutisch scheinbar erhabenes Team, das sich als "die letzte Rettung" versteht. Nach dutzenden gescheiterten Therapieversuchen bringt die Gelsenkirchener Klinik den Eltern eine Chance auf Heilung. Dass diese Heilung auf Konditionierung, Gewöhnung und Training basiert, nehmen die Eltern in Erwartung der Besserung in Kauf. Der Zweck heiligt die Mittel und so lange die Kinder so funktionieren, [...]

Urvertrauen: wie die Erfahrung als Baby das ganze Leben prägt

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Ein stabiles Urvertrauen herauszubilden, ist die erste Herausforderung des Lebens. Wenn ein Baby auf die Welt kommt, kann es nur auf seine Erfahrungen aus dem Mutterleib zurückgreifen. Seine innere Welt besteht aus dieser inneren Erfahrung und wird im Laufe des Lebens mit immer mehr neuen Erfahrungen angereichert. Immer wieder höre ich eine gewisse, mich erschreckende Erwartungshaltung junger Eltern. Das Baby solle möglichst problemlos sein. Meist bedeutet das, dass das Baby wenig brauchen soll bzw. wenig von den Eltern fordern soll. Die Eltern wissen oftmals wenig davon, was das Baby aber gerade durchmacht und sind genervt vom vielen Stillen, Tragen und Quengeln. Dabei will das Baby nur Sicherheit, die ihm vor allem körperliche Nähe bietet. Das ganz kleine Baby quengelt und weint, um gehalten zu werden, weil es diese Sicherheit so nötig braucht. Die erste Herausforderung des Lebens ist die Ausbildung [...]

„Mama, ich bin nicht gut genug“

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Vor kurzem erschrak mich meine Tochter mit genau diesem Satz, den ich gehofft hatte, nie von meinen Kindern zu hören. Sie bezog diesen Satz nicht auf Leistungen, nicht auf „Ich bin nicht gut in der Schule“, was auch nicht schön, aber irgendwie verkraftbar gewesen wäre, nein, sie bezog diesen Satz auf sich. Sie als Mensch, als Persönlichkeit, fand sich nicht gut genug. Warum? Taktile Empfindlichkeit als Auslöser Auslöser war ein Wutanfall. Ich weiß gar nicht mehr warum, vermutlich, weil sie etwas anziehen sollte. Etwas heißt an dieser Stelle „irgendetwas“. Denn sie ist taktil empfindlich. Also eigentlich heißt es wohl „taktil überempfindlich“, aber das „über“ lasse ich inzwischen gern weg – denn wer entscheidet schon, wieviel Empfindlichkeit zu viel ist? Tatsache ist, dass sie wenig Kleidung erträgt, meist genau ein Set an Lieblingsklamotten. Das trägt sie dann halt immer, wir haben [...]

Der sichere Hafen – Ninas Kaffeesätze (18)

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Ninas Kaffeesätze von Nina alias Frau Papa Es war nach 23 Uhr, meine Frau schlief, an mich gekuschelt auf der Couch und mein Abendprogramm flimmerte gemütlich vor sich hin. Plötzlich klingelt das Telefon. Nich das Handy, das ich in der Hand habe, sondern das Festnetz, das mit voller Lautstärke dahin bimmelt und dabei die Kinder, die Meerschweinchen und die halbe Nachbarschaft aus dem Schlaf reißt. Dehende erhebe ich mich und eile elegant zum Telefon (in Wirklichkeit habe ich mich schon bei der Couch fast überschlagen und verlor auf halben Weg meine Puschen). „Hallo,“ flüstere ich, als ob meine leise Stimme, das laute Klingeln nachträglich neutralisieren könnte. Am anderen Ende mein ältester Sohn, in Tränen aufgelöst. Er klingt am Boden zerstört. Ob er mit Mamma reden kann, fragt er. Nein, Mama schläft schon (ich werfe einen Blick zur Couch, meine Frau reißt [...]

Mutterlos Mutter: Wie kann ich mit einem kleinen Baby trauern?

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Rebekka schreibt auf ihrem Blog https://weiserwerden.wordpress.com über ihr Leben mit Multipler Sklerose, über die Weisheiten des Alltags, die Suche nach dem nachhaltigen Glück und die Absurditäten des Elterndaseins. Uns beglückt sie heute mit einem Gastbeitrag, der einem Interview mit mir zur Trauer vorausgeht. Viel Freude mit dem berührenden Text von Rebekka! Eure Madame FREUDig Mutterlos Mutter: Wie kann ich mit einem kleinen Baby trauern? Im August 2017 bin ich zum ersten Mal Mutter geworden. Drei Monate später war ich plötzlich mutterlos. Meine Mutter in einer solchen Ausnahmesituation zu verlieren, in der oben unten war, Tag Nacht, in der ich sowieso kaum noch wusste, wer ich war - Mutter, Frau, Freundin, Superwoman, Zombie - war unvorstellbar hart. Auf meiner Suche nach Anleitung, nach Erfahrungswerten, fand ich mich allein auf weiter Flur. Es gibt offenbar wenig bis keine Ratgeber für frisch verwaiste [...]

Vom Entschluss, nachts abzustillen

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Wir stillen nachts noch und ich werde (spät abends und) nachts abstillen. Dabei ist mein Sohn kein schlechter Schläfer. War er nie und ist es mit seinen fast 18 Monaten noch immer nicht. Oft sogar schläft er etwa von Mitternacht bis 6 Uhr morgens durch. Und doch: Unsere Stillsituation zehrt an mir. Seit einiger Zeit hadere ich mit dem Stillen und zugleich ist das vollständige Abstillen für mich nicht Thema. Zudem trinkt er immer häufiger, manchmal auch nachts, endlos lang. Er weckt mich dadurch richtig auf (oder hindert mich am Einschlafen). Damit Stillen Liebe bleibt Mein Sohn stillt gerne. Mittlerweile kaum noch zur Nahrungsaufnahme, sondern vorwiegend zur Stressregulation, zum Liebe tanken und einfach, weil es ihm Freude bereitet (Hier hat auch schon Madame FREUDig über die Lust am Stillen gebloggt). Ich stille auch gern und doch: Unsere Stillbeziehung hat sich [...]

Kommt herein in Die gute Kinderstube

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Es gibt Blogger*innen und Blogs, die wachsen uns unglaublich ans Herz. Julia und Max gehören mit ihrer guten Kinderstube definitiv dazu. Nun haben es sich die beiden erst vor kurzem so richtig gemütlich auf ihrer eigenen Domain gemacht, um ihren bedürfnisorientierten Blog noch schöner (als sowieso schon) zu gestalten. Da mir ein paar Fragen durch den Kopf gegangen sind, habe ich mich nicht zurückhalten können und lud beide zu einem kleinen Interview ein. Jessi: Liebe Julia, lieber Max, euer Blog ist ganz frisch an den Start gegangen. Dazu erst einmal Gratulation! Terrorpüppi ist ja auch erst im Oktober in einem neuen Gewand erschienen und wir können uns gut daran erinnern, was das für ein tolles Gefühl war. Nun lesen Madame FREUDig und ich euch schon eine ganze Weile, doch unsere Leser*innen kennen euch vermutlich noch nicht alle. Wer seid ihr [...]

Ihr verdammten Kackbratzen! Vom Vandalismus an meinem Kinderwagen

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Mein Kinderwagen wurde demoliert. Mutwillig zerstört. Von kleinen Kackbratzen. Das hier wird entsprechend ein Rant. Ich rege mich also auf. Daher warne ich euch, meine treuen Leser*innen, denen gerade nach Harmonie oder zumindest tiefschürfener Analyse verlangt, vor. Selbstverständlich habe ich meine Worte dennoch mit Bedacht gewählt. Nichts liegt mir ferner als euch mit plumper Schimpferei vollkommen zu verschrecken. So war die Suche nach kreativen Schimpfwörtern gewissermaßen auch schon ein wenig Therapie für mein demoliertes Kinderwagenbesitzerinnenherz. Mein Kinderwagen ist nämlich in dieser Opfer von jugendlichem Vandalismus geworden. Erwähnte ich das schon?! Ich bin außerordentlich wütend und überhaupt nicht in Stimmung, das Ganze mit Nachsicht, Toleranz und schon gar nicht differenziert und von allen Seiten beleuchtend zu betrachten. In diesem Augenblick jedenfalls auf keinen Fall. Jetzt ist da nur Wut. Groll. Ärger. Ihr verdammten Kackbratzen. Seit Tagen schon ärgern wir uns über euch, [...]

Whataboutism moderner Elternschaft: Wenn Eltern nur den eigenen Standpunkt kennen

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Wer kennt sie nicht, diese Momente, in denen Diskussionspartner*innen nicht auf dein Gesagtes selbst eingehen, sondern stattdessen deine Argumente zu relativieren versuchen. Oder auch gänzlich abbügeln: Du oder die anderen sind ja noch viel schlimmer... Aber diese oder jenen sind noch viel schlimmer betroffen... Haben wir denn keine größeren Probleme, wie.. Aber was ist mit... Whataboutism. Im Internet, allen voran in den  Kommentarspalten, passiert das manchmal ganz schön plump. Sehr oft aber auch in einer Weise, in der eine echte Diskussion zwar ebenso abgebrochen wird, aber als Scheindiskussion fortgeführt werden kann. Dann etwa, wenn nur noch diejenigen zu Wort kommen (dürfen), die nicht Widerwort geben, sondern einstimmen wollen in eine bisweilen lautstark zelebrierte Selbstbeweihräucherung. Das beobachte ich auch immer wieder auf Elternblogs (meist auf Facebook, aber nunja...), aber auch so im realen Leben unter Eltern.   Whataboutism - Wat für ein -ism? [...]

Ich bin nicht in der Teilzeitfalle gefangen… aber!

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Bevor ich Mutter wurde, habe ich nie darüber nachgedacht, ob ich in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten wolle oder gar solle. Vollzeit war mein wahrgenommenes Ideal. Teilzeit hingegen war eher eine Notlösung, ein vorübergehender Zustand. Mittlerweile bin ich an einem Punkt angekommen, an dem ich davon überzeugt bin, dass eine 40-Stunden-Woche dauerhaft über die gesamte Lebensarbeitszeit als gesellschaftliche Norm nicht erstrebens- und wünschenswert ist.  Diese Erkenntnis hat ausdrücklich nicht nur mit meiner Mutterschaft zu tun. Aber sie hat dazu geführt, dass ich angefangen habe, meine Prioritäten klarer in den Blick zu nehmen. Zugleich klopft die Teilzeitfalle an meiner Tür. Im heutigen Beitrag möchte ich mich daher der sogenannten "Teilzeitfalle" auseinandersetzen: Was ist die Teilzeitfalle überhaupt? Ab wann ist man in einer solchen gefangen? Da ein solches Thema sehr facettenreich ist, gebe ich zu bedenken, dass viele Aspekte keineswegs schon erschöpfend dargelegt sein werden. Versteht [...]

Du kannst alles werden mein Kind?

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Ich sitze mit meiner Tochter im Auto auf dem Weg zur Kita, da schallt es von hinten: "Mama, sind eigentlich nie Frauen Bauarbeiter?"  Jede Erklärung, die ich ihr im Folgenden gebe, ruft bei ihr neue Fragen hervor. Doch nicht nur bei ihr, sondern auch bei mir. Genderfragen lassen mich, nein lassen UNS nicht los (Hier geht's zu meinem Text über das Genderchaos in meinem Kopf). Es ist unlängst allgemein bekannt, dass die Geschlechterverteilung in zahlreichen Berufen sehr ungleich verteilt ist. Auf dem Bau oder in höheren Managementpositionen arbeiten fast ausschließlich Männer, in Kitas hingegen meist nur Frauen. Nicht selten werden gerne auch biologistische Argumente herangezogen für die ungleiche Verteilung. Ja es gibt sogar Europapolitiker wie Janusz Korwin-Mikke, die ganz offen behaupten: Frauen seien weniger intelligent und weniger leistungsfähig, weshalb sie auch selbstverständlich weniger verdienen würden. https://www.youtube.com/watch?v=z4Fl_evyAo8 >>Mein Kind, du kannst alles werden, [...]

Von wegen nur Genderkram: Vom Chaos in meinem Kopf

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Es gibt Themen, bei denen trete ich - egal, was ich dazu auch schreiben möge - in jedem Falle gleich ganz verschiedenen Menschen auf die Füße. Sogar mir selbst. Regelmäßig. Geschlecht und Gender gehören dazu. Schon weil wir uns die Geschlechter unserer Kinder während der der Schwangerschaften nicht haben verraten lassen, mussten wir uns einiges anhören. Da ist viel Chaos - und das nicht nur in meinem Kopf, sondern auch in der gesellschaftlichen Debatte. Vorwiegend Gefühlschaos, doch auch die Argumente laufen quer, in Sackgassen, drehen sich im Kreis. Sehr oft aber auch kommt es zu Erhellungen. Ich will es nicht gleich Erleuchtungen nennen, aber ich komme mit meinen Denkprozessen diesbezüglich voran und es zeigt sich, dass das Durcheinander kein Perpetuum Mobile ist. Es wird eben nicht angetrieben von den immer gleichen Fragen und den ewig gleichen Antworten, welche die Fragen ja doch [...]

Kinderwut – Zum Umgang mit kindlicher Wut aus einer Vaterperspektive

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Kinder durchleben, wie wir Erwachsenen auch, die verschiedensten Emotionen. Anders als die meisten Erwachsenen aber müssen sie erst lernen, diese Emotionen in bestimmte Bahnen zu lenken und auf konstruktive Weise zu verarbeiten. Alle Emotionen haben ihre Berechtigung. So auch Wut. Eine gesunde Psyche ist manchmal wütend und ganz bestimmt darf man Wut nicht unterdrücken, indem man dem Kind vermittelt, dass Wut ein "falsches" Gefühl ist. Wut gehört dazu und es gibt für Kinder nun wahrlich genug Gründe, wütend zu werden... Sucht man nun nach Erfahrungsberichten zum Umgang mit Wut, dann wird man typischerweise solche von Müttern finden. Doch auch Väter müssen mit den Emotionen ihrer Kinder umgehen. Heute ist Alex vom Blog Papa und das Rosablau zu Gast. Einige kennen ihn auch als den Papa vom Runzelfüßchen, wo er auch regelmäßig zu Wort kommt. Heute spricht Alex aus Vaterperpektive, wie er [...]

Vatersein. Leander ist nicht nur Vater – er lebt das Vatersein

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Kinder sind auch Männersache. Vatersein bedeutet Vaterschaft leben - oder das sollte es zumindest. Denn es ist leider längst keine Selbstverständlichkeit, weshalb Madame FREUDig und ich im Zuge des Blog-Relaunch den Vätern eine eigene Rubrik widmen. Gezielt wollen wir die "Vaterperspektive" integrieren und damit zeigen, dass Kinder und Familie längst nicht Aufgabe "der Frau" sind, sondern ein jeder hat echte Verantwortung für ein glückliches Familienleben zu tragen. Familie ist vor allem ein Beziehungsgeflecht, in dem man wechselseitig füreinander da ist. Finden werdet ihr  daher heute und auch in Zukunft Gastbeiträge von Männern, die sich nicht als bloße Ernährer verstehen, nicht als Wochenendpapas und Mama-Gehilfen, sondern als gleichberechtigte Elternteile. Letzten Endes ist es schließlich nicht Geld oder das Geschlecht, welches uns zu guten oder schlechten Eltern macht, sondern die Beziehung zu unseren Kindern. Sehen wir die Bedürfnisse aller Familienmitglieder und versuchen [...]